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17.03.2013

12:35 Uhr

Angriff von zwei Seiten

China setzt VW unter Druck

In China braut sich etwas gegen VW zusammen: Eine mächtige Behörde und das Staatsfernsehen greifen den Autohersteller an. Offenbar geht es darum, den Deutschen die Machtverhältnisse deutlich zu machen.

VW dominiert den chinesischen Markt. Die Regierung würde jedoch lieber sehen, wenn einheimische Firmen stärker wären. dpa

VW dominiert den chinesischen Markt. Die Regierung würde jedoch lieber sehen, wenn einheimische Firmen stärker wären.

PekingChina setzt VW unter Druck: Die wichtige Behörde für Produktqualität (AQSIQ) hat den deutschen Autohersteller aufgefordert, Fahrzeuge mit Direktschaltgetriebe zurückzurufen. Defekte an dem Getriebe könnten zu Motorpannen führen und damit ein Sicherheitsrisiko darstellen, erklärte die AQSIQ am Samstag. Sollte VW seinen „rechtlichen Verpflichtungen“ nicht nachkommen, werde die Behörde die Rückrufaktion für die betroffenen Fahrzeuge anordnen.

Laut einem Bericht des chinesischen Fernsehsenders CCTV vom Freitag sind mehr als 500.000 Fahrzeuge betroffen. Ein VW-Sprecher sagte in dem Fernsehbericht laut der Nachrichtenagentur Dow Jones zu, sein Unternehmen werde „keine Mühen scheuen, um in Zukunft Verbesserungen vorzunehmen“. VW war am Samstag in China nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die Ereignisse weisen darauf hin, dass sich in China etwas gegen VW zusammenbraut. Ein staatlicher Fernsehsender wie CCTV und die Qualitätssicherungsbehörde greifen ein ausländisches Unternehmen wie Volkswagen nicht ohne politische Rückendeckung an. Beobachtern zufolge weist der heftige Angriff von zwei Seiten darauf hin, dass VW sich für den Geschmack der Mächtigen zu weit vorgewagt hat.

Größte ausländische Autohersteller in China

Platz 10

BMW - 326.000 verkaufte Fahrzeuge

China gehört für die Münchener zu den wichtigsten Märkten der Welt. Und BMW dringt in die Top Ten vor: Im Vorjahresvergleich legt der Absatz um beachtliche 40 Prozent zu. Auf den Plätzen folgen Suzuki, Daimler und Mazda.

Platz 9

Ford - 427.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Amerikaner machen Boden gut, was sie ebenfalls dem Inselstreit zu verdanken haben. Im Vorjahresvergleich bleibt ein sattes Plus von 31 Prozent.

(Anm. d. Red.: Erfasst wurden nur Pkw-Verkäufe)

Platz 8

Peugeot-Citroën - 442.000 verkaufte Fahrzeuge

Während der Heimatmarkt schwächelt, können die Franzosen in Fernost ihre Verkäufe ausbauen. Der Absatz legt um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu.

Platz 7

Kia - 512.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Koreaner können auch im Nachbarland ihren Erfolgskurs fortsetzen. Mit einem Wachstum von 18 Prozent gehören sie mittlerweile zu den erfolgreichen Volumenherstellern in China.

Platz 6

Honda - 603.000 verkaufte Fahrzeuge

Honda muss ebenfalls Einbußen hinnehmen - wie die anderen japanischen Hersteller in China ebenfalls. Im Vorjahresvergleich steht ein Minus von drei Prozent.

Platz 5

Toyota - 841.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Japaner müssen sich mit Rang fünf begnügen, vor allem im September hatte es einen herben Rückschlag der Verkaufszahlen auf gerade einmal 50.000 Stück gegeben. Im Gesamtjahr bleibt ein Absatzminus von fünf Prozent.

(Anm. d. Red.: Angabe laut Reuters)

Platz 4

Hyundai - 847.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Koreaner verdrängen Toyota auf Rang fünf und sind indirekter Nutznießer des Inselstreits. Die Hyundai-Verkäufe legten 2012 um zwölf Prozent zu.

Platz 3

Nissan - 1,18 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Der Streit um eine Inselgruppe zwischen China und Japan hat die Absatzzahlen der Japaner deutlich in die Knie gedrückt. Im Gesamtjahr gab es für Nissan ein Minus von fünf Prozent.

Platz 2

Volkswagen - 2,81 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Wolfsburger können das größte Wachstum der Massenhersteller in der Volksrepublik vorweisen. Gegenüber dem Vorjahr haben die Volkswagen-Verkäufe um 24 Prozent zugelegt.

Platz 1

General Motors - 2,84 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Amerikaner verteidigen hauchdünn die Spitzenposition in China. Im Jahresvergleich hat GM um elf Prozent zugelegt.

Methodik

Einmal pro Quartal erstellen die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young ein Ranking der größten Autokonzerne nach Absatz. Wie die Autohersteller in China abgeschnitten haben. (Daten: Gesamtjahr 2012)

Mit einem Anteil von 14 Prozent im vergangenen Jahr dominiert VW den Markt. Erst am Donnerstag hatte VW-Chef Martin Winterkorn die Eröffnung von mindestens sechs weiteren Fabriken angekündigt. Die aufstrebende Wirtschaftsmacht würde es jedoch lieber sehen, wenn die Anteile gleicher verteilt wären – und vor allem: wenn die einheimischen Anbieter einen größeren Teil des Kuchens abbekämen. Das mischt sich mit einer subjektiven Wahrnehmung von Arroganz des Weltkonzerns, die chinesische Medien und Kunden zuletzt immer wieder beklagt haben.

Politische Rückendeckung ist gleichwohl in einer Staatswirtschaft wie China die wichtigste Grundvoraussetzung für Geschäftserfolg. Der Staat hat zahlreiche Möglichen, den Absatz zu fördern oder zu bremsen. Er kann beispielsweise Genehmigungen schneller oder langsamer erteilen. Die Autobranche leidet auch 35 Jahre nach der Öffnung des Landes noch unter der Pflicht, in Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischen Herstellern zu produzieren und dabei ihre Geschäftsgeheimnisse zu offenbaren.

Aktionen wie der plötzliche Angriff durch CCTV und AQSIQ könnten dazu dienen, die Machtverhältnisse noch einmal klar zu zeigen. Volkswagen bleibt in so einer Lage  nichts anderes übrig, als Demut und Kundennähe zu beweisen – daher die blitzartige Ankündigung des Rückrufs, obwohl das Problem nach früheren Konzernangaben schon weitgehend bereinigt ist und mehr in der Wahrnehmung der Kunden weiterlebt.

Kommentare (20)

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merlot-56

17.03.2013, 12:48 Uhr

Wer sich mit dem Teufel einlässt muss sich nicht wundern, wenn er am Ende über den Tisch gezogen wird. In den Führungsetagen europäischer Konzerne scheint man immer noch nicht begriffen zu haben, wie Asiaten, insbesondere Chinesen, ticken. Mach mit einem Chinesen ein Geschäft und dessen größtes Glück ist es, wenn er seinen Geschäftspartner dabei betrügen kann - ohne jegliches Unrechtsbewusstsein ist der Chinese auch noch Stolz darauf.
Im übrigen - müssten chinesische Unternehmen für ihren ganzen Schrott, den sie uns bislang geliefert haben, eine Rückrufaktion starten, wäre der Traum von der wirtschaftlichen Supermacht schnell ausgeträumt.
Hat eigentlich noch keiner gemerkt, dass die uns mit "Glasperlen" betrügen, wie es die Europäer mit den Ureinwohnern Nordamerikas und Afrikas gemacht haben?

Account gelöscht!

17.03.2013, 13:13 Uhr

Es ist interessant zu wissen, dass VW auch hier in Europa massive Probleme hatte (hat?) mit ihren Direktschaltgetrieben (DSG). Ich hatte einen Golf mit DSG, Bj 07, 3 Mal wurde das Getriebe gewechselt !
Irgendwann muss die Qualität stimmen, sonst wird VW von den Asiaten überholt !

Account gelöscht!

17.03.2013, 13:21 Uhr

Durch kopieren überholt man niemanden.

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