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23.07.2014

16:25 Uhr

Angst vor dem Embargo

Russland-Krise schwächt deutsche Maschinenbauer

Russlands Wirtschaft läuft aus gegebenem Anlass schlecht. Das belastet deutsche Exporte. Nicht nur die deutschen Maschinenbauer fürchten Konsequenzen fürs Geschäft. Russische Kunden kaufen lieber andernorts ein.

Ein Arbeiter bei MAN: Der deutsche Maschinenbau boomt im Ausland. dpa

Ein Arbeiter bei MAN: Der deutsche Maschinenbau boomt im Ausland.

FrankfurtDie deutschen Maschinenbauer schlagen Alarm: Die Krise in Russland und der Ukraine belastet zunehmend das Geschäft von Deutschlands größter Industriebranche. Sanktionen verschärfen die Lage zusätzlich: Exporte brechen ein, Aufträge werden storniert. „Wir leiden sehr unter der Russland-Krise“, sagt der Geschäftsführer eines sächsischen Apparatebauers für Chemie- und Petrochemieanlagen.

Schon zwei Großaufträge habe das Unternehmen verloren, obwohl es das günstigste Angebot unterbreitet habe: „Der Kunde hatte Angst vor einem Embargo: Dass die Maschine bezahlt und fertig ist, aber nicht geliefert werden darf.“ Die Aufträge blieben deshalb in Russland. „Und wir müssen sehen, wo auf der Welt wir den Ausfall kompensieren können. Sonst tut uns das weh.“

Überall in Deutschland spüren die größtenteils mittelständischen Betriebe der Schlüsselindustrie die Auswirkungen des Konflikts. „Die Russen würden uns die Maschinen ja gern abnehmen, aber es ist nicht sicher, ob sie zum Zeitpunkt der Fertigstellung überhaupt noch nach Russland ausgeführt werden können“, sagt der Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Reinhold Festge, der „Börsen-Zeitung“ (Mittwoch). Die Politik in Moskau sage längst: „Gebt den Deutschen nicht mehr so viele Aufträge, gebt sie woanders hin.“

Wegen ihrer traditionell engen Beziehungen nach Russland und in die Ukraine trifft es ostdeutsche Unternehmen besonders hart, sagt Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA-Landesverbandes Ost. Die Politik müsse sich im Klaren sein, dass Sanktionen gegen Russland auch heimischen Unternehmen schaden: „Wir müssen davon ausgehen, dass langjährige Lieferbeziehungen und mühsam aufgebautes Vertrauen zwischen den Handelspartnern nachhaltig gestört werden.“

Doch auch andernorts spüren die Betriebe des mit einer Million Beschäftigten größten deutschen Industriezweigs die Folgen des Konflikts. Im ersten Quartal waren die deutschen Maschinenexporte nach Russland zum Vorjahr um 17,2 Prozent eingebrochen. Bei einer VDMA-Umfrage vom Juni gaben zwei von drei Maschinenbauern an, negative Folgen zu spüren. Die Mehrheit berichtete von Auftragsrückgängen aus dem ohnehin schon schwierigen russischen Markt. Auch Zahlungsausfälle machten der Branche zu schaffen.

Die größten Maschinenbauer Deutschlands

Platz 10 – Rolls-Royce Power Systems

Umsatz 2012: 3,02 Milliarden Euro

Die deutsche Firma mit Hauptsitz in Friedrichshafen hieß bis Januar 2014 noch Tognum. Sie bietet Dieselmotoren und Antriebssysteme an und ist seit 2007 an der Börse notiert.

Platz 9 – SMS Group

Umsatz 2012: 3,24 Milliarden Euro

Die SMS Group ist der Dachgesellschaft SMS Holding GmbH untergeordnet und verarbeitet Stahl und Nichteisenmetalle. Alleinaktionär ist die Familie um den deutschen Unternehmer Heinrich Weiss.

Platz 8 – MAN

Umsatz 2012: 4,26 Milliarden Euro (MAN Power Engineering)

Die „Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg“ wurde bereits 1758 gegründet und war zunächst für Eisenverarbeitung zuständig. Seit 2011 hält Volkswagen die Mehrheit am Konzern.

Platz 7 – Knorr-Bremse

Umsatz 2012: 4,3 Milliarden Euro

Das größte Unternehmen für Bremssysteme von Schienen- und Nutzfahrzeugen wurde 1905 gegründet und ist nicht an der Börse notiert. Der Hauptsitz liegt in München.

Platz 6 – Kion

Umsatz 2012: 4,73 Milliarden Euro

Die Wiesbadener Kion Group wurde 2006 gegründet, baut Gabelstapler und Lagertechnikgeräte. Sie ging aus der Linde AG hervor und ist seit 2013 an der Börse.

Platz 5 – Thyssen-Krupp

Umsatz 2012: 5,64 Milliarden Euro (Thyssen-Krupp Industrial Solutions)

Deutschlands größter Stahlkonzern sitzt in Essen und entstand 1999 in Folge der Fusion von Hoesch-Krupp und Thyssen. Die historischen Wurzeln reichen in die Phase der industriellen Revolution in Deutschland zurück.

Platz 4 – Gea

Umsatz 2012: 5,72 Milliarden Euro

Das börsennotierte Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Düsseldorf und ist auf die Herstellung von Prozesstechnik und Komponenten im Maschinenbau spezialisiert. Es wurde 1881 gegründet.

Platz 3 – Voith

Umsatz Geschäftsjahr 2012/13: 5,73 Milliarden Euro

Die Wurzeln des Heidenheimer Maschinenbau-Unternehmens gehen bis in das Jahr 1867 zurück. Voith befindet sich im Besitz der Gründerfamilie. Das Unternehmen beliefert unter anderem Wasserwerke, Automobilhersteller und die Papierindustrie.

Platz 2 – Linde

Umsatz 2012: 15,28 Milliarden Euro

Die Linde Group sitzt in München und betreibt weltweit ihr Kerngeschäft mit Gasen und Prozess-Anlagen. Das 1879 gegründete Unternehmen ist börsennotiert und im Dax gelistet.

Platz 1 – Siemens

Umsatz Geschäftsjahr 2012/13: 18,59 Milliarden Euro (Siemens Industry)

Das Dax-Unternehmen mit Sitz in Berlin und München ist Deutschlands größter Technologiekonzern. Die Firma wurde 1847 von Werner Siemens gegründet und setzt den Fokus auf Elektrotechnik.

Der Sprecher eines schwäbischen Komponentenherstellers sagt auf dpa-Anfrage: „Russische Kunden sehen sich nach Alternativen um, gerade in Richtung Asien.“ Denn aus China drohten keine Sanktionen. Zudem litten Kunden aus Skandinavien oder Mitteleuropa, die die Komponenten aus Schwaben in Maschinen für den Russland-Export verarbeiten, ebenfalls unter der Krise. Auch das drücke das Geschäft.

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