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08.06.2012

18:17 Uhr

Angst vor Engpässen

Griechische Energiekonzerne kämpfen um Notkredite

Die klammen Energiekonzerne buhlen nach Angaben von Branchenvertretern um Notkredite, um ihre offenen Rechnungen zu begleichen. Der Grund: Die Unternehmen befürchten mitten in der Urlaubssaison Strom- und Gasengpässe.

Stromleitungen nahe Athen: Wird die Schuldenkrise für Athen nun auch zur Energiekrise? Reuters

Stromleitungen nahe Athen: Wird die Schuldenkrise für Athen nun auch zur Energiekrise?

Athen/MoskauAus Furcht vor weitreichenden Strom- und Gasengpässen während der Urlaubssaison kämpfen Griechenlands klamme Energiekonzerne offenbar um Notkredite. So verhandeln der staatliche Gasversorger DEPA und der Stromnetzbetreiber LAGHE mit heimischen Banken über Finanzmittel, um damit offene Lieferanten-Rechnungen zu begleichen, wie mit den Gesprächen vertraute Branchenvertreter am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Mit den Krediten könnte in dem extrem von Energie-Importen abhängigen Krisenland einige Wochen lang verhindert werden, dass die ausländischen Zulieferer die Hähne zudrehten. Die drohende Energiekrise setzt dem hoch verschuldeten Land kurz vor der Wahl zu, die als entscheidend über den Euro-Kurs gilt.

Griechenland importiert sein gesamtes Erdgas - 80 Prozent davon aus Russland. Branchenkreisen zufolge verhandelt der griechische Versorger DEPA über Kredite in Höhe von 120 Millionen Euro, um ausstehende Rechnungen zu bezahlen. Am 22. Juni werde eine Forderung des russischen Gaskonzerns Gazprom fällig. Aus Gazprom-Kreisen verlautete am Freitag, bisher sei Griechenland nicht säumig geworden. Auch werde damit gerechnet, dass das Land seinen Verpflichtungen für die Mai-Lieferungen termingerecht Ende Juni nachkomme. Ein DEPA-Vertreter sagte, die derzeit ausgehandelten Kredite würden bis mindestens Anfang Juli für auflaufende Rechnungen reichen und so die Gasversorgung sichern.

Die griechischen Versorger haben an zahlreichen Fronten Probleme: Zum einen gibt es ein 350 Millionen Euro großes Finanzloch beim zentralen Stromnetzbetreiber LAGHE, aus dessen Mitteln private Versorger bezahlt werden. Das Defizit ist aufgelaufen, weil die sinkenden Einnahmen von LAGHE nicht die von ihm ausbezahlten hohen Zulagen für die Produzenten von erneuerbaren Energien decken. Das Minus hat sich in den Monaten der Krise noch verstärkt, weil zwei private Stromanbieter pleitegegangen sind und LAGHE auf Forderungen an sie sitzen blieb.

Ein weiterer Grund ist die in der Bevölkerung umstrittene neue Immobiliensteuer, die mit der Rechnung der staatlichen Stromfirma PPC eingezogen wird. Die Folge: Immer mehr Verbraucher zahlen die Rechnung nicht. Angesichts der Rekord-Arbeitslosigkeit haben zudem rund 300.000 Kunden spezielle Billigtarife beantragt. Schließlich zapfen immer mehr Griechen illegal Stromleitungen an, was bereits vielfach zu tödlichen Unfällen geführt hat. Auch der Stromriese PPC verhandelt mit Banken über eine Verlängerung von Krediten, die Ende Juni fällig werden.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Thomas-Melber-Stuttgart

08.06.2012, 18:29 Uhr

Notkredite sind à fonds perdu. Wie Versorger überhaupt notleidend werden können ist mir ein Rätsel.

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