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02.03.2012

15:41 Uhr

Angst vor Machtverlust

Berlin sagt EADS-Chef den Kampf an

VonDaniel Delhaes, Markus Fasse

Nach jahrelangem Kompetenzwirrwarr soll der Luftfahrtkonzern EADS endlich eine klare Entscheidungszentrale bekommen. Doch die deutsche Bundesregierung wehrt sich gegen die Pläne diese in Toulouse zu installieren.

Start eines Airbus 380 in Hamburg: Das Machtverhältnis droht zu kippen. dpa

Start eines Airbus 380 in Hamburg: Das Machtverhältnis droht zu kippen.

Berlin/MünchenDer Brief erreichte Tom Enders vorab per Fax. Sicherheitshalber wählte man den elektronischen Weg, denn der designierte Chef der EADS traf noch am selben Tag Frankreichs Premierminister François Fillon. Und bei dem Treffen sollte Enders doch wissen, was die Bundesregierung von seinen Plänen hält – nämlich sehr, sehr wenig.

Dabei will Enders nur den Kompetenzwirrwarr zwischen Deutschland und Frankreich beenden. EADS soll nach zwölf Jahren endlich eine klare Entscheidungszentrale bekommen. Und nach Lage der Dinge wird das wohl Toulouse in Frankreich sein.

EADS-Aktionärsstruktur mit politischer Brisanz

European Aeronautic Defence and Space Company

EADS mit seiner Flugzeugbau-Tochter Airbus ist Europas dominierender Luft- und Raumfahrtkonzern. Die börsennotierte Aktiengesellschaft European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) umfasst die wichtigsten Flugtechnikanbieter Deutschlands, Frankreichs und Spaniens. Der Konzern entstand im Juli 2000 nach langem Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile.

Die französische Seite

Nach einem 2007 vereinbarten Aktionärspakt darf der französische Staat nur 15 Prozent der EADS-Anteile besitzen. Zusammen mit dem Medienkonzern Lagardère kommt er auf 22,45 Prozent der EADS-Aktien, wobei die Anteile in der Gesellschaft Sogeade gebündelt sind. Der Chef der Mediengruppe, Arnaud Lagardère, will seine 7,5 Prozent der Anteile mittelfristig verkaufen, erhebt aber seinen Anspruch auf den Mitte 2012 freiwerdenden Chefposten im Verwaltungsrat des Konzerns.

Die deutsche Seite

Mit 22,45 Prozent ist auch die deutsche Seite an EADS beteiligt. Bisher hielt DaimlerChrysler 15 Prozent und ein Konsortium von Bundesländern, privaten und öffentlichen Banken 7,5 Prozent. Allerdings behielt DaimlerChrysler nach dem ausgehandelten Kompromiss 22,5 Prozent der Stimmrechte und blieb so größter stimmberechtigter EADS-Einzelaktionär. 7,5 Prozent der EADS-Anteile soll nun die Staatsbank KfW übernehmen, so dass sich der Daimler-Anteil auf 7,5 Prozent reduziert.

Die spanische Seite

Weitere 4 Prozent an EADS hält die spanische Staatsholding SEPI, der Rest der Anteile in Höhe von 49,6 Prozent liegt im Streubesitz.

Der Aktionärspakt

Die deutschen, französischen und spanischen Haupteigentümer hatten sich bei der Gründung der EADS auf einen Pakt („Contractual Partnership“) verständigt, um das Unternehmen gegen feindliche Übernahmeversuche zu sichern und um das Heft bei dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern in der Hand zu behalten.

Die Machtzentren

Die EADS hat ihren offiziellen Sitz in Amsterdam, in Paris und München sind die beiden Hauptzentren des Konzerns. Der Hauptsitz und die Zentrale der EADS-Tochtergesellschaft Airbus sind im französischen Toulouse angesiedelt. Hamburg wiederum ist der Sitz der deutschen Airbus-Tochtergesellschaft, die für die deutschen Werke zuständig ist.

Was der Manager Enders für richtig hält, entspricht noch lange nicht den Wünschen der deutschen Regierung. Peter Hintze, Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt, macht das in seinem Brandbrief vom 27. Februar deutlich. „Mit großer Sorge“, so Hintze in dem Brief, der dem Handelsblatt vorliegt, „betrachtet die Bundesregierung die Konzentration und Zentralisierung von Kompetenzen im Bereich der Forschung und Entwicklung in der Konzernzentrale in Toulouse, die in erheblichem Maße zum bestehenden Ungleichgewicht beigetragen hat“. Hiesige Standorte dürften nicht zur verlängerten Werkbank werden. Das gelte vor allem für den Flugzeughersteller Airbus, dem Enders noch bis zu seinem Wechsel an die Konzernspitze vorsteht.

Doch auch Enders hat eine Mission: Der designierte EADS-Chef ist fest gewillt, den Luft- und Raumfahrtkonzern aus den Fängen der Politik zu befreien. Erst im Januar hat Enders im Ringen mit der französischen Politik sein Personaltableau durchgesetzt. Jetzt will der ehemalige Bundeswehroffizier Schluss machen mit dem nationalen Proporzdenken in dem Unternehmen, das sich anschickt, als einziges einen wirklich transeuropäischen Anspruch zu haben. Doch die Politik lässt das Unternehmen nicht los, im Gegenteil: Nach Frankreich und Spanien will nun auch die Bundesregierung, dass Deutschland einen Anteil von 7,5 Prozent an EADS übernimmt.

Hintzes Vorstoß wird von Airbus und EADS kühl beantwortet. „Der Brief spricht für sich; eine Basis auch nur für Gespräche ist er nicht“, sagt ein Airbus Sprecher auf Anfrage. „Balance- und Proporzspiele wird es bei Airbus nicht geben“, heißt es aus der Umgebung von Enders weiter. Besonders befremdet sei man über den Zeitpunkt der Attacke. Sollten die deutschen Forderungen im französischen Präsidentschaftswahlkampf aufgenommen werden, seien vernünftige unternehmerische Entscheidungen kaum noch möglich..

Kommentare (23)

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XXX

02.03.2012, 16:07 Uhr

Man sollte meinen Enders ist ein Franzose. Eine komplette Fehlbesetzung. ENtweder austauschen oder noch besser Airbus wieder teilen. Alles ist besser als mit den Franzosen weiter zu machen. Am Ende bleibt sonst nämlich nichts.

marcopolo

02.03.2012, 16:12 Uhr

Genau. Siehe das Ende der Hoechst AG. Wer sich mit den Fanzosen einläßt, hat schon verloren. Denn die denken national- politisch.

nobum

02.03.2012, 16:17 Uhr

Bei Boeing gibt es dieselben Probleme. In Europa dröhnt nur noch der Nationalismus aus Jahrhunderte dauernden Kriegen nach.

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