Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.09.2016

22:31 Uhr

Anleger wollen Ansprüche sichern

Neue Milliardenklagen gegen VW

Die Zeit wird knapp. Immer mehr Kunden und Anleger ziehen gegen VW vor Gericht, damit mögliche Ansprüche nicht verjähren. Der Konzern weist alle Anschuldigungen zurück.

Ein VW-Logo am Tor Sandkamp des VW Werks in Wolfsburg: Neue Milliardenklagen verdüstern die Aussichten. dpa

Volkswagen

Ein VW-Logo am Tor Sandkamp des VW Werks in Wolfsburg: Neue Milliardenklagen verdüstern die Aussichten.

WolfsburgKurz vor dem ersten Jahrestag des Beginns des VW-Abgasskandals reichen immer mehr Käufer und Aktionäre Klage gegen Volkswagen ein. Beim Landgericht Braunschweig ging am Freitag eine weitere Schadenersatzklage von Investoren ein, wie ein Gerichtssprecher sagte. Unter den rund 160 Klägern ist demnach auch der weltgrößte Investmentverwalter Blackrock. Laut Medienberichten fordern inzwischen mehr als 6600 Aktionäre rund zehn Milliarden Euro Schadenersatz.

Gegen Volkswagen sind allein am Landgericht Braunschweig bereits hunderte Klagen eingegangen. Zahlreiche Anleger verlangen Schadenersatz, weil Volkswagen aus ihrer Sicht zu spät über den Skandal und dessen mögliche Folgen informierte. Schon zu Wochenbeginn lagen in Braunschweig etwa 400 Klagen vor, deren Streitwert sich auf insgesamt rund vier Milliarden Euro belief.

Nun steigen die Gesamtforderungen der klagenden Anleger offenbar noch einmal deutlich. Der Gerichtssprecher konnte zu der neuen Klage keine Summe nennen, doch berichtete der „Spiegel“ am Donnerstag unter Berufung auf die US-Kanzlei Quinn Emanuel, die die Investoren vertritt, von zwei Milliarden Euro.

Der Rechercheverbund aus „Süddeutscher Zeitung“, NDR und WDR berichtete seinerseits, insgesamt würden mehr als 5500 Kleinaktionäre und mehr als 1100 größere Investoren den Wolfsburger Autokonzern auf Schadenersatz verklagen. Der Tübinger Anleger-Anwalt Andreas Tilp will demnach am Montag Klagen im Wert von mehr als zwei Milliarden Euro einreichen, um zu verhindern, dass Ansprüche verjähren.

Großinvestoren verklagen VW: Der Abgas-Skandal lässt Volkswagen nicht los

Großinvestoren verklagen VW

Der Abgas-Skandal lässt Volkswagen nicht los

Der Abgas-Skandal nagt am Volkswagen-Absatz: In der wichtigsten Verkaufsregion Europa kämpft der Konzern mit bröckelnden Marktanteilen. Zudem klagen Großinvestoren in den USA auf Schadensersatz und fordern Milliarden.

Am 18. September 2015 hatte die US-Umweltbehörde EPA mitgeteilt, dass bei VW Abgaswerte manipuliert wurden. Der Autokonzern räumte später ein, dass die illegale Software weltweit in rund elf Millionen Diesel-Fahrzeuge unterschiedlicher Marken eingebaut wurde. Das Programm reduziert den Ausstoß von schädlichen Stickoxiden bei standardisierten Tests, um so die gesetzlichen Grenzwerte einzuhalten.

Nach Bayern erklärten zwei weitere Bundesländer am Freitag, ebenfalls Volkswagen wegen der Kursverluste der VW-Aktie zu verklagen. In den kommenden Tagen werde Klage beim Landgericht Braunschweig eingereicht, teilte der hessische Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) mit.

Es geht demnach um Verluste, die Hessen erlitt, weil es Pensionsrücklagen in Volkswagen-Aktien investiert hatte. Der Schaden belaufe sich auf rund 3,9 Millionen Euro, erklärte Schäfer. Zwar müsse, wer sein Geld in Aktien anlege, auch Verluste hinnehmen. "Nicht hinnehmen müssen wir jedoch, wenn Verluste dadurch entstehen, dass eine Aktiengesellschaft gegen Mitteilungspflichten verstoßen hat."

Auch das baden-württembergische Finanzministerium erklärte, es werde in Braunschweig wegen Verlusten bei Pensionsrücklagen klagen. Die Schadenshöhe könne sich auf rund 400.000 Euro betragen, erklärte das Ministerium. „Es spricht derzeit einiges dafür, dass VW Insiderinformationen zu manipulierten Abgaswerten nicht unverzüglich veröffentlicht hat.“

Im Wertpapierhandelsgesetz ist vorgeschrieben, dass Aktiengesellschaften bestimmte relevante Informationen unverzüglich veröffentlichen müssen. Die klagenden Anleger werfen VW vor, diese Pflicht verletzt zu haben. Als der Skandal schließlich bekannt wurde, stürzte der Aktienkurs des Konzerns binnen Tagen um 40 Prozent ab.

Ein Volkswagen-Sprecher wies die Vorwürfe am Freitag erneut zurück. „Volkswagen geht weiterhin davon aus, dass wir unsere kapitalmarktrechtlichten Pflichten vollumfänglich erfüllt haben und die Ansprüche unbegründet sind“, erklärte er.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×