Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.03.2012

13:00 Uhr

Antonello Montante

„Die Mafia ist raffinierter geworden“

VonRegina Krieger

Der sizilianische Unternehmer Antonello Montante kämpft schon seit Jahren gegen das organisierte Verbrechen in Italien. Sein jüngster Vorschlag, ein Anti-Mafia-Rating für „saubere“ Firmen, sorgt nun für Schlagzeilen.

Antonello Montante, sizilianischer Unternehmer und Spitzenfunktionär des Industrieverbands Confindustria. Pressefoto

Antonello Montante, sizilianischer Unternehmer und Spitzenfunktionär des Industrieverbands Confindustria.

RomAntonello Montante ist ein Mann der deutlichen Worte. „Eine Firma in Italien, die keinen Zugang zu Krediten bekommt, kann zweierlei tun“, sagt der Unternehmer aus der sizilianischen Stadt Caltanissetta, „entweder sie geht zur Mafia, die unendlich viel Geld hat, oder sie geht zu Wucherern.“ In beiden Fällen habe sie nichts davon: „Die Mafia kauft sein Unternehmen und der Wucherer legt es trocken.“

Montante kämpft seit Jahren für die Legalität, gegen das organisierten Verbrechens, nicht nur in Sizilien. Der Chef von MSA (Mediterr Shock Absorbers), des einzigen italienischen Unternehmens, das  für den Weltmarkt Stoßdämpfer für Großunternehmen wie die Deutsche Bahn oder Bombardier produziert, ist als Vizepräsident des Industrieverbandes Confindustria oft in Rom. Jetzt hat er mit einem Vorschlag Schlagzeilen gemacht, der ein großes Echo in der Regierung Monti und bei den Parteien gefunden hat. „Wir brauchen ein Anti-Mafia-Rating“, sagt er, „so können wir unendlich viele Firmen retten und sie vom illegalen Markt in den legalen ziehen.“

Neue Beweise: Die üblen Machenschaften der Vatikanbank

Neue Beweise

ArtikelDie üblen Machenschaften der Vatikanbank

Kaum ein anderes Buch hat in Italien 2009 für so viel Wirbel gesorgt wie „Vatikan AG“ von Gianluigi Nuzzi. Es beschreibt die üblen Machenschaften der Vatikan-Bank und wie der Heilige Stuhl damit umgegangen ist. Nun ist die deutsche Ausgabe auf dem Markt. Nicht nur für Katholiken absoluten lesenswert.

Denn die Zeiten sind günstig für die Mafia. Seit Italien im vergangenen Jahr in die Finanzkrise taumelte, wird es immer schwieriger für die kleinen und mittleren Unternehmen, die das Rückgrat der italienischen Industrie bilden, sich bei den Banken Geld zu beschaffen. Viele geraten in finanzielle Nöte, weil auf der einen Seite ihre Kunden nicht pünktlich zahlen und sie auf der anderen ihre Kredite bedienen müssen. Und die Banken halten ihr Geld zusammen.

In die Lücke stößt die Organisierte Kriminalität, „das größte Unternehmen in Italien“, wie Montante sagt. Nach Zahlen der italienischen Notenbank haben Mafia, ’Ndrangheta und Camorra zusammen einen Umsatz von 150 Milliarden Euro – im Vergleich dazu hat der Energieriese Eni 120 Milliarden und die größte Bank des Landes, Unicredit, 92 Milliarden.      

Innenkommissarin: EU will Zugriff auf Mafia-Geld erleichtern

Innenkommissarin

EU will Zugriff auf Mafia-Geld erleichtern

Behörden sollen mehr Möglichkeiten bekommen, Kapital von Straftätern zu beschlagnahmen.

Mit dem Anti-Mafia-Rating, einer besseren Bewertung für „saubere Unternehmen“, wäre der Zugang zu Krediten einfacher. Dafür müsste nach Montantes Plan eine Institution geschaffen werden, die die Unternehmen zertifiziert, samt einer Datenbank der „tugendhaften Firmen“. Mit dabei sieht er den Unternehmerverband Confindustria, den Bankenverband Abi und das Kartellamt. Die Regierung hat den Vorschlag aufgenommen, Applaus kommt auch von den Mafiajägern der Ermittlungsbehörden.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Mazi

16.03.2012, 15:44 Uhr

Die Mafia wäre nicht die Mafia wäre sie nicht auch in der Politik schon angekommen.

Wie sind sonst die Regelungen im ESM-Vertrag § 27 - 30 zu verstehen?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×