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28.06.2017

17:24 Uhr

Appell der Professoren

Rettet den Verbrenner

VonLukas Bay

25 Professoren haben genug von der Debatte um den Verbrenner und wenden sich in einem gemeinsamen Appell an die Öffentlichkeit. Mit ihrem Aufruf wollen sie den Diesel retten – und sich selbst.

Neue Testzyklen und Systeme für die Abgasreinigung sollen moderne Diesel sauberer machen. dpa

Abgasuntersuchung beim Diesel

Neue Testzyklen und Systeme für die Abgasreinigung sollen moderne Diesel sauberer machen.

DüsseldorfDie Luft für den Diesel wird immer enger. Immer weniger Autokäufer in Deutschland entscheiden sich für den Selbstzünder, in etlichen Städten wird über Fahrverbote diskutiert, weil die Grenzwerte für Stickoxid in der Luft regelmäßig überschritten werden. Und die Grünen fordern in ihrem Programm zur Bundestagswahl sogar ein Verbrennerverbot ab dem Jahr 2030. Nun schalten sich 25 renommierte Professoren für die Motorenentwicklung in die Diskussion ein, darunter Vertreter der wichtigsten technischen Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie appellieren: Lasst den Verbrenner nicht sterben.

Unter der nüchternen Überschrift „Die Zukunft des Verbrennungsmotors / Bewertung der dieselmotorischen Situation” stellen die 25 Professoren, die sich gemeinsam in der „Wissenschaftlichen Gesellschaft für Kraftfahrzeug- und Motorentechnik” (WKM) organisiert haben, mehrere Thesen auf, mit denen sie „faktenbasierte Information” der „voreingenommenen und sehr emotionalen Berichterstattung” entgegenstellen wollen.

Der Verbrennungsmotor werde ihrer Ansicht nach durch elektrische Antriebe zwar ergänzt, aber keinesfalls ersetzt. Im Gegenteil: 2030 würden voraussichtlich weltweit mehr Verbrennungsmotoren gebaut als heute, „weshalb eine intensive Forschung
und Weiterentwicklung und ein Hochhalten der Technologieführerschaft sinnvoll ist.” Eine erfolgreiche Klimapolitik basiere auf der „technologieoffenen Weiterentwicklung von Antriebssystemen”.

Mit der Kritik am Diesel setzen sich die Professoren intensiv auseinander: Die in den vergangenen Monaten vielfach diskutierten klimaschädlichen Nebenwirkungen des Verbrennungsmotors seien längst gelöst. Der vielfach zitierte erhöhte Stickoxid-Ausstoß von Dieselfahrzeugen sei mittlerweile deutlich niedriger als in der Vergangenheit. An einer Lösung für dieses Problem sei in den vergangenen Jahren intensiv geforscht worden, darum könne „das NOx-Emissionsproblem als technisch gelöst betrachtet werden”. Moderne Diesel würden kaum noch zur Luftverschmutzung beitragen.

Im Gegenteil: Ein Verbot des Verbrennungsmotors habe „nachteilige Auswirkungen auf die Bekämpfung des Klimawandels”, schreiben die Professoren. Denn „bei Betrachtung des Gesamtsystems” könne der Verbrenner „niedrigere CO2-Emissionen als alternative Technologien” vorweisen. Umweltneutrale Verbrenner seien beispielsweise mit neuen synthetischen Treibstoffen möglich.

Ein Problem bestehe höchstens bei veralteten Dieselmotoren. Doch das dürfe bei der künftigen Planung keine Rolle spielen. „Rückblickend festgestellte Schwachstellen sind nicht mehr zukunftsrelevant”, heißt es weiter in dem Appell. In ihrem Aufruf verurteilen die Professoren aber auch deutlich die zuletzt festgestellten technischen Manipulationen des Diesels.

Kommentare (6)

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Herr Peter Spiegel

28.06.2017, 18:18 Uhr

http://www.handelsblatt.com/my/unternehmen/energie/1-600-neue-kraftwerke-geplant-die-grosse-kohle-luege/19990872.html

Herr Thomas Haug

28.06.2017, 19:44 Uhr

Einfach herrlich! Danke für den Link unten! Erst wird im Artikel propagiert, dass Strom aus der Steckdose kommt und daher der Verbrenner tot ist, egal was 25 Professoren, der gesunde Menschenverstand oder sonst wer sagt. Und dann widerlegt man sich nächsten Artikel selbst. Welch schlichte Gemüter müssen hier am Werk sein, um die großen Zusammenhänge nicht zu verstehen. Solange der Strom nicht 100% erneuerbar ist, bringt einem Elektromobilität leider nur wenig in Sachen Klimaschutz. Insbesondere, wenn ich auch noch die Herstellung mitbetrachte. Bitte HB strengt euch ein bisschen mehr an und interviewt nicht immer nur DUH und Herrn Professor Wanna-be-important aus dem Ruhrpott.
Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben!

Rainer von Horn

29.06.2017, 08:06 Uhr

Mal ein faktenbasierter Artikel, der aber wahrscheinlich zu wenig ideologiegetrieben ist:

"Bei zwei in Dänemark handelsüblichen Elektroautos, Nissan Leaf und Tesla Model S mit jeweils 30 kWh und 100 kWh Batterien, sind das 5,3 beziehungsweise 17,5 Tonnen CO2. ....Neue Berechnungen zeigen nun, dass ein Fahrzeug mit fossilem Brennstoffantrieb über acht Jahre lang fahren kann, bis es die gleiche Umweltbelastung eines Teslas erreicht hat. "

https://www.shz.de/deutschland-welt/schwedische-untersuchung-akkus-in-elektroautos-belasten-das-klima-id17046871.html

Die Lithium-Problematik und die Tatsache, daß auch ein E-Mobil noch Strom zum Fahren braucht....aber geschenkt!

Ich halte das E-Mobil für eine klimatechnische Mogelpackung.

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