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07.03.2006

15:07 Uhr

Arbeitsplatzverluste erwartet

Bauunternehmen haben 2006 schon abgeschrieben

Das deutsche Baugewerbe sieht für das laufende Jahr schwarz. Die Unternehmen erwarten keine Besserung, sondern eine Verschlechterung der Lage. Es fehlen Aufträge.

HB BERLIN. Für 2006 erwartet der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) einen Rückgang der Investitionen gegenüber 2005 um 2 Prozent oder 4 Mrd. Euro auf 197,0 Mrd. Euro. Auch der Stellenabbau setzt sich fort: Im Bauhauptgewerbe schrumpft die Zahl der Beschäftigten voraussichtlich um 27 000 auf 690 000, wie ZDB-Präsident Arndt Frauenrath am Dienstag in Berlin vorhersagte. Bereits 2005 hat die Branche 50 000 Jobs verloren.

Frauenrath nannte die wirtschaftliche Lage der Baufirmen „weiterhin äußerst angespannt“. Der Gesamtumsatz wird der Prognose zufolge 2006 bei rund 72,5 Mrd. Euro liegen; das wäre ein Minus von 2,4 Prozent gegenüber 2005. Auch ins kommende Jahr blickt der Verbandspräsident mit Skepsis. „Ob 2007 die Talfahrt tatsächlich zum Stillstand kommen wird, darüber mag ich keine Vorhersage machen. Zu oft hat uns die Realität eingeholt.“

Besonders im Wohnungsbau, in den 50 Prozent der Bauinvestitionen fließen, weisen für 2006 alle Indikatoren nach unten, sagte der Verbandspräsident. Seiner Prognose zufolge wird hier das Minus mit 2,6 Prozent oder 3 Mrd. Euro am stärksten ausfallen. Der Wirtschaftsbau soll demnach mit minus 1,2 Prozent am schwächsten abnehmen, der öffentliche Bau liegt mit einem Minus von 2 Prozent dazwischen.

Frauenrath wies auf das starke West-Ost-Gefälle hin. In den alten Ländern erreichte die Nachfrage mit real minus 0,3 Prozent nahezu das Vorjahresniveau, im Osten brach sie hingegen um 8,9 Prozent ein.

Alarmierend ist aus Sicht des ZDB, dass das Preisniveau bei Rohbauarbeiten inzwischen oftmals niedriger ist als im Jahr 2000. Dem stünden steigende Kosten gegenüber, etwa für Sprit und wichtige Baustoffe.

Angesichts der prekären Lage der Baubranche kritisierte Frauenrath die vom Bundeskabinett beschlossene Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19 Prozent zum 1. Januar 2007. Dies führe zu höheren Kosten, sinkender Nachfrage und zusätzlicher Schwarzarbeit, warnte er.

Hoffnungen setzt der Verband indes in das von der schwarz-roten Bundesregierung geplante Programm zur energetischen Gebäudesanierung im Volumen von 1,4 Mrd. Euro. Damit könnte das Sieben- bis Zehnfache an Privatinvestitionen ausgelöst werden, so die Erwartung. Modernisierung und Sanierung haben bereits jetzt einen Anteil von 44 Prozent an den gesamten Bauinvestitionen. Auf den Wohnungsbau bezogen fließen heute bereits 58 Mrd. Euro in die Sanierung.

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