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14.05.2013

07:12 Uhr

ARD-Reportage

Undercover beim Daimler

VonMartin Dowideit

Eine ARD-Reportage wirft dem Daimler-Konzern vor, per Werkvertrag Billigarbeitskräfte zu beschäftigen. Diese stehen mit Daimler-Mitarbeitern am selben Band – verdienen aber weniger als die Hälfte. Der Konzern weicht aus.

Produktion im Werk Sindelfingen des Daimler-Konzerns (Archiv). dpa

Produktion im Werk Sindelfingen des Daimler-Konzerns (Archiv).

DüsseldorfUntertürkheim ist das Herz des Daimler-Konzerns. An das Stammwerk hat Vorstandschef Dieter Zetsche vor ein paar Jahren die Konzernzentrale zurückgeholt, hier werden Bauteile für das Flaggschiff der Marke Mercedes produziert: die S-Klasse. Die neueste Variante des Modells wird am Mittwoch in Hamburg im ganz großen Stil präsentiert – in einem Flugzeug-Hangar von Airbus. Sängerin Alicia Keys wird auftreten, und gleich mehrere Sterneköche werden die etwa 750 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Medien bewirten.

Mitten in die Feierstimmung hat die ARD zur besten Sendezeit am Montagabend eine Reportage ausgestrahlt, die einen Schatten auf den glänzenden Mercedes-Stern wirft. SWR-Reporter Jürgen Rose hat sich für den Film einen Bart wachsen lassen, eine Brille aufgesetzt und bei Daimler am Band gearbeitet. Der Vorwurf des Films: Über Subunternehmen beschäftigt Daimler Mitarbeiter zu Löhnen, die ein Hartz-IV-Aufstocken möglich machen. Damit werde die Produktion des Luxusherstellers durch Steuergelder querfinanziert.

Die zehn größten Autohersteller Europas 2012

Platz 10

Nissan

Verkaufte Fahrzeuge: 0,42 Millionen (-6,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 9

Toyota

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus: 0,5 Millionen (-3,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 8

Daimler

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart: 0,63 Millionen (-3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 7

BMW Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini: 0,77 Millionen (-1,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 6

Fiat Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Fiat, Lancia/Chrysler, Alfa Romeo, Jeep: 0,78 Millionen (-16,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 5

Ford

Verkaufte Fahrzeuge: 0,91 Millionen (-13,2 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 4

General Motors

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, GM: 0,98 Millionen (-13,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 3

Renault Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Renault, Dacia: 1,03 Millionen (-19,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 2

PSA Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën: 1,43 Millionen (-12,9 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 1

Volkswagen

Verkaufte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda: 2,98 Millionen (-1,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Quelle

Es ist zum wiederholten Male, dass die ARD den Umgang mit Leiharbeitern in einer Reportage kritisiert. Ein Film über den Versandhändler Amazon hatte zuletzt für großes Aufsehen gesorgt – auch wenn Meldungen über eine unzulässige Zuspitzung der Vorwürfe die Runde machten. Bei RTL hatte Investigativ-Reporter Günter Wallraff den Niedriglohnsektor ins Visier genommen, indem er die Arbeitsbedingungen bei Paketdiensten kritisierte. Und auch wenn die Reportagen hier und da überdrehen, treiben sie doch die Diskussion über Billiglöhne in Deutschland voran.

Auch der Daimler-Film ist eindringlich. Aus der Ich-Perspektive erzählt Rose mit vielen versteckt gefilmten Aufnahmen auch aus dem Daimler-Werk: Wie er bei einer Zeitarbeitsfirma angeheuert hat, von dieser an ein Logistik-Unternehmen ausgeliehen wurde und nur einen Tag danach „beim Daimler“, wie es in Schwaben heißt, am Band stand. Seine Aufgabe: 12,5 Kilo schwere Motorenbauteile von einem Band heben, in Tüten verpacken und für die Verschiffung nach China vorbereiten. 8,19 Euro erhält er dafür pro Stunde von der Zeitarbeitsfirma.

Kommentare (62)

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Neoliberaler-Shitstorm

14.05.2013, 07:19 Uhr

Der FDP-Politiker Martin Lindner hat sehr gut und genau dargestellt, wie weit sich die FDP bereits vom Bürger und den Erfordernissen der Bürger entfernt hat.

Im Grunde genommen war es geradezu erschreckend. Nun kann man auch verstehen, weshalb Brüderle nur noch von Hotzenplotz etc. spricht. Die FDP kann kein einziges politisches Thema auch nur einigermaßen kompetent besetzen. Jahrelange Blockade, Dampfplauderei und Stillstand haben die FDP zerstört.

Die FDP ist erledigt!

Account gelöscht!

14.05.2013, 07:34 Uhr

Was soll diese Scheinheiligkeit der "empörten" Politiker? Lest mal Eure Hartz IV Gesetze durch, diese laden die Frimen doch geradezu dazu ein so zu handeln. Hinzu kommen noch die unfähigen Beschäftigten der ARGE, die nur wieder die Ärmsten und Wehrlosesten schikaniern. Wo wird denn Auftsockung beantragt? Weshalb prüfen denn die ARGE Mitarbeiter nicht die gezahlten Löhne & Gehälter?

HansM

14.05.2013, 07:40 Uhr

Also mich erinnert die Reportage stark an die Reportagen über Amazon und Redbull, wo mit aller Macht versucht wird das negative heraus zu arbeiten. Der undercover Reporter betonte alle 2 Minuten er mache die gleiche Arbeit wie die Daimler Mitarbeiter. Zu beginn hieß es jedoch, er solle markierte Motorblöcke vom Band nehmen welche nach China gehen. Da der Mann bei einer Spedition beschäftigt war, nehme ich mal an, dass diese die auch nach China verschiffte. Hier liegt doch die angeblich nicht vorhandene Abgrenzung. Angeblich hatte die Daimler Mitarbeiterin die gleiche Arbeit, auch das habe ich anders gesehen. Die Dame war, als gelernte Metallfacharbeiterin für die Qualitätskontrolle zuständig, was man in der "dramatischen" Szene erkennen konnte als angeblich die versteckte fast Kamera entdeckt wurde.
Aber was erwartet man eigentlich als gerechten Lohn für diese Hilfstätigkeit mit einer Einarbeitungszeit von 10 Minuten? 8,19€? oder 17,90€? Zumal der Mann keine Ausbildung hatte.

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