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30.01.2012

12:21 Uhr

Arzneimittelhersteller

Actavis will Insulin-Markt aufräumen

Actavis will den Branchengrößen in der Diabetes-Medizin künftig mit biologischen Insulin-Präperaten Konkurrenz machen. Der Arzneimittelhersteller peilt 2012 ein Umsatzplus von 14 und ein Gewinnplus von 18 Prozent an.

Insulinspritzen gegen Diabetes. dpa

Insulinspritzen gegen Diabetes.

Der weltweit viertgrößte Generikakonzern mit Sitz im schweizerischen Zug kündigte am Montag die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit der polnischen Firma Bioton an. Das Joint Venture sei auf die Entwicklung und Zulassung von Insulin-Präparaten für den Weltmarkt ausgerichtet.

Bioton soll Entwicklung und Produktion übernehmen, Actavis exklusiv die Präparate in Europa, den USA, Japan und weiteren Ländern vermarkten. Rund 55 Millionen Euro investiert der Generikaspezialist mit isländischen Wurzeln in das Projekt, davon 22,25 Millionen bei Unterzeichnung der Verträge.

Zeitvorteile für Europa

Derzeit wird der zwölf Milliarden Euro schwere Weltmarkt für Insulin-Arzneien von den drei Konzernen Novo Nordisk aus Dänemark, Sanofi aus Frankreich und Eli Lilly aus den USA dominiert. Jedes Jahr wächst der Markt um mehr als 14 Prozent. „Da winkt ein Riesenpotenzial für uns“, sagte Actavis-Chef Claudio Albrecht der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir hoffen, dass wir die ersten sein werden, die ein generisches bioähnliches Insulin auf den Markt bringen.“

Europa habe dabei leichte Zeitvorteile. Mit der US-Gesundheitsbehörde FDA diskutiere Actavis aktuell über die Anforderungen für eine Zulassung. Actavis geht davon aus, in den ersten sieben Jahren in den Märkten mehr als 1,5 Milliarden Euro Umsatz mit den Insulinen zu erzielen. Die Gewinne wollen sich Actavis und Bioton teilen. Die Konkurrenz schläft allerdings nicht: Auch der amerikanische Branchenprimus Pfizer arbeitet zusammen mit der indischen Biotechfirma Biocon an bioähnlichen Insulin-Produkten.

Actavis peilt 2012 sattes Umsatzplus an

Experten rechnen damit, dass die Zahl der Diabetes-Patienten von aktuell etwa 360 Millionen bis 2030 auf über 550 Millionen steigen wird. Entsprechend hoch schätzt der Actavis-Chef das Einsparpotenzial durch Generika. „Wir glauben, dass wir hier einen zusätzlichen Anreiz schaffen können für Versicherungen, die großen Kosten können um ein Drittel mindestens gesenkt werden.“

Eine Apothekerin misst den Blutzuckerspiegel mit einem Messgerät. dpa

Eine Apothekerin misst den Blutzuckerspiegel mit einem Messgerät.

Das vergangene Jahr hat Actavis laut Albrecht gut abgeschlossen. Rund 1,85 Milliarden Euro Umsatz würden es wohl werden nach 1,75 Milliarden Euro 2010, sagte der Manager. „Ich glaube, dass wir sogar etwas besser sind als der Plan bei der Profitabilität. Das heißt, dass wir auch hier nochmal ordentlich Gewinn zugelegt haben.“

Für 2012 strebe Actavis ein Umsatzplus von 14 Prozent und einen Gewinnanstieg von 18 Prozent an. Damit würde in diesem Jahr die Zweimilliarden-Grenze beim Umsatz deutlich durchbrochen.

Nummer vier der Generikabranche

Der Actavis-Chef, der von 2000 bis 2005 Ratiopharm geleitet hatte, setzt dabei auf die Marktstarts großer Produkte, wie etwa einem Generikum des AstraZeneca Schizophrenie-Mittels Seroquel. „Wir werden in den ersten acht Monaten jeden Monat am Tag eins nach dem Patentablauf ein ganz großes Produkt einführen,“ kündigte Albrecht an, der seit Juni 2010 im Chefsessel bei Actavis sitzt.

Die Generikabranche profitiert momentan davon, dass eine Vielzahl umsatzstarker Original-Präparate im Zeitraum 2010 bis 2014 ihren Patentschutz verlieren, darunter das weltweite Top-Medikamen, der Cholesterinsenker Lipitor von Pfizer, das Schizophreniemittel Zyprexa von Eli Lilly oder der Blutverdünner Plavix von Bristol-Myers Squibb.

Für Actavis, die Nummer vier der Generikabranche nach der israelische Teva, der Novartis-Tochter Sandoz und dem US-Konzern Mylan, ergeben sich dadurch Chancen für deutliche Umsatzsteigerungen.

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