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06.09.2012

13:14 Uhr

Arzneimittelhersteller

Merck erwirbt neuen Krebs-Wirkstoff

Merck schafft sich ein Polster neuer Präparate an. Dazu gehört nun auch ein Wirkstoff gegen Tumorerkrankungen. Das Medikament könnte sogar zum Schlüsselprojekt werden, heißt es. Die Nachricht kam an der Börse gut an.

Merck muss sich wegen Patentabläufen auf neue Präparate konzentrieren. Reuters

Merck muss sich wegen Patentabläufen auf neue Präparate konzentrieren.

FrankfurtDer Darmstädter Arzneimittelhersteller Merck erweitert seinen zuletzt eher mageren Nachschub an neuen Medikamenten. Merck erwarb von der dänischen Biotechfirma Symphogen einen Wirkstoff zum Einsatz gegen verschiedene Tumorerkrankungen, wie der Pharma- und Spezialchemiekonzern am Donnerstag mitteilte. Merck zahlt für die weltweiten Entwicklungs- und Vermarktungsrechte an der Substanz Sym004 zunächst 20 Millionen Euro an die Dänen. Hinzu kommen erfolgsabhängige Zahlungen von bis zu 225 Millionen Euro, wenn die Substanz in der Entwicklung Fortschritte macht und bestimmte Zulassungsziele erreicht. Weitere bis zu 250 Millionen Euro winken Symphogen, wenn bestimmte Verkaufsziele erreicht werden.

Die Substanz verstärkt den Bestand an Arzneiprojekten in der frühen Entwicklungsphase. "Sie hat sogar das Potenzial, ein Schlüsselprojekt zu werden", sagte Susan Jane Herbert, die für die Geschäftsentwicklung der Merck-Pharmasparte zuständig ist. An der Börse kam die Nachricht gut an: Die Merck-Aktie gewann 1,6 Prozent auf 93,33 Euro hinzu.

Merck konzentriert sich in seiner Pharmasparte Merck Serono unter anderem auf die Gebiete Krebs, neurodegenerative Erkrankungen, Multiple Sklerose und Fruchtbarkeitsbehandlungen. Vereinbarungen mit Biotechfirmen sind für Pharmakonzerne ein Weg, um sich ein Polster an neuen Präparaten zu schaffen, die dann bis zur Zulassung weiterentwickelt werden. Diesen Weg verfolgt Merck zurzeit intensiv, da ab der Mitte des Jahrzehnts einige wichtige Patente ablaufen. Zudem gab es zuletzt mehrere herbe Entwicklungsrückschläge, weshalb Konzern-Chef Karl-Ludwig Kley ein massives Sparprogramm auf den Weg brachte. Damit soll die Pharmasparte wieder schlagkräftiger werden. Im Zuge des Konzernumbaus streicht Merck allein in Deutschland jede zehnte Stelle.

Merck besitzt derzeit in der Krebsmedizin mit dem Präparat Erbitux eine wichtige Umsatzstütze, der allerdings ab 2015 in der EU Konkurrenz durch Generika droht: Im vergangenen Jahr war Erbitux mit 855 Millionen Euro Umsatz das zweitumsatzstärkste Präparat des Konzerns.

Die Substanz Sym004 von Symphogen wird gegenwärtig in klinischen Studien zur Bekämpfung von Darmkrebs sowie Kopf- und Halskrebs geprüft. Der Wirkstoff besteht aus zwei Antikörpern und steckt zurzeit in der klinischen Phase II. Neue Arzneimittel müssen erst drei Phasen klinischer Tests am Menschen vor einer Zulassung bestehen. Merck zufolge wurden bis Juli 88 Patienten in klinischen Studien mit dem Wirkstoff behandelt. Es dürften daher noch mehrere Jahre vergehen, bis der Wirkstoff bis zur Marktreife entwickelt ist.

Anfang Februar erwarb Merck bereits von der US-Biotechfirma Threshold Pharmaceuticals Rechte an der Substanz TH-302 zur Krebsbekämpfung. Dafür blättert Merck bei Erreichung aller Entwicklungs- und Vermarktungsziele rund 525 Millionen Dollar hin. Zunächst kostet das Medikament, das sich bereits in der Phase III befindet, die Darmstädter 25 Millionen Dollar.

Von

rtr

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