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08.10.2013

20:06 Uhr

Arzneimittelkosten

So verschwenderisch ist das Gesundheitswesen

ExklusivIm deutschen Gesundheitssystem werden jedes Jahr Milliarden von Euro verschwendet. Das zeigt eine Studie, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Besonders teuer: Die falsche Einnahme von Medikamenten.

Medikamente in der Apotheke. dpa

Medikamente in der Apotheke.

DüsseldorfEnorm viel Geld ließe sich im deutschen Gesundheitssystem sparen, wenn Medikamente richtig verordnet und auch eingenommen würden, hat das Marktforschungsinstitut IMS Health ausgerechnet. In einer exklusiv dem Handelsblatt (Mittwochausgabe) vorliegenden Auswertung für Deutschland zeigt sich: Im System könnten so jedes Jahr durchschnittlich 19 Milliarden Euro weniger ausgegeben werden, das sind mehr als sechs Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben von zuletzt 294 Milliarden Euro.

„Das ist ein sehr großes Einsparpotenzial, das unser Gesundheitssystem auf anderem Wege nur mit einer Fülle von Spargesetzen erreichen könnte, die letztlich nicht im Sinne einer guten Gesundheitsversorgung sein können“, sagt Frank Wartenberg, Präsident Zentraleuropa des Marktforschungsinstituts IMS Health.

Dabei geht es nicht nur um reine Arzneimittelkosten, sondern um Ausgaben, die im gesamten System vermieden werden könnten, wenn es beispielsweise weniger Patienten wegen falscher Medikamenteneinnahme ins Krankenhaus eingewiesen werden müssten. Ermittelt hat IMS diese Zahlen auf Basis verschiedener Studien und Krankheitskennzahlen.

Das größte Einsparpotential sieht das Institut beim Thema mangelnde Therapietreue: Patienten nehmen ihre Medikamente nicht wie von Arzt verordnet ein, sie vergessen oder brechen die Einnahme ab. Knapp 13 Milliarden Euro Kosten fallen hier im Jahr durchschnittlich an, rechnet IMS vor. Kosten, die vermieden werden könnten.

Insbesondere bei chronischen Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und Asthma ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Therapietreue nicht sehr ausgeprägt. Durchschnittlich nimmt nur jeder Zweite chronisch Kranke seine Medikamente wie verordnet ein.

Von

tel

Kommentare (14)

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Andreas

08.10.2013, 21:39 Uhr

Wow, was für eine bahnbrechende Erkenntnis.

Gefühlt war das doch mindestens die 20. Studie, die zu genau diesem Ergebnis kommt. Wer bezahlt diesen Mist eigentlich? Vermutlich - wie fast immer - der Steuerzahler...

Account gelöscht!

08.10.2013, 23:04 Uhr

ne, ne die Studie hat nicht der Steuerzahler bezahlt. Wenn allerdings altgediente Pharmahasen den Namen Wartenberg lesen, läuft es ihnen eiskalt den Rücken runter - Stichwort Scicon.....

schrumpel500

08.10.2013, 23:55 Uhr

Wahrscheinlich werden da Kriterien aus der Autoindustrie als Maßstab angelegt wie "lean manufacturing" etc., Nulltoleranzen. Das funktioniert vielleicht mit hoch technisierten, automatisierten Fertigungsprozessen. Das funktioniert nicht mit Menschen, weder den Patienten noch den Ärzten.

Die größte Einsparung liegt im Lebensstil, sprich weniger fressen, rauchen, saufen, mehr Bewegung, mehr Kuscheln. Make love, not diabetes.

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