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04.03.2004

07:54 Uhr

Arztbesuche im Dezember vorgezogen

Reform drückt Pharma-Wachstum

VonSiegfried Hofmann

Die Gesundheitsreform hat den deutschen Pharmamarkt unerwartet heftig in Bewegung gebracht. Nach einem starken Einbruch im Januar und Februar schwinden die Hoffnungen auf leichtes Wachstum im Gesamtjahr.

FRANKFURT/M. Im Januar sind die Umsätze der Branche um gut 14 % zurückgegangen. Ähnlich schwach dürften die Februarzahlen ausfallen. IMS Health, der führende Marktforscher auf dem Gebiet, prognostiziert bislang zwar offiziell für 2003 noch ein Umsatzplus von 4 % auf Herstellerebene. „Dieses Ziel dürfte jedoch nur zu erreichen sein, wenn der März eine deutliche Trendwende bringt“, räumt IMS-Geschäftsführerin Elisabeth Beck ein.

Dafür gibt es bislang keine Anzeichen. Hintergrund sind Neuregelungen des so genannten Gesundheitsmodernisierungsgesetzes (GMG). Sie beinhalten unter anderem erhöhte Zuzahlungen, eine Reform der Arzneimittelpreis-Verordnung sowie die umstrittene Praxisgebühr.

Das GMG führte offenbar dazu, dass Arztbesuche und Verschreibungen im November und Dezember vorgezogen wurden. Die Arznei- Umsätze lagen im Dezember um fast ein Drittel über dem Vorjahresniveau. Nicht zuletzt dieser Effekt bescherte der Pharmabranche im Gesamtjahr 2003 noch ein solides Umsatzwachstum von 7 %.

Umso schwächer wird voraussichtlich die Entwicklung in diesem Jahr ausfallen. Eine genauere Wachstumsprognose bleibt wegen der Vorzieheffekte und anderer Faktoren zwar schwierig. Dennoch gilt es in der Branche als relativ sicher, dass Deutschland 2004 zu den schwierigsten Pharmamärkten weltweit gehören dürfte. Bereits zu Jahresbeginn publizierte der Verband der Forschenden Arzneimittelhersteller VfA eine Umfrage, wonach drei Viertel der Unternehmen mit Umsatzeinbußen rechnen.

Neben dem GMG dürfte dazu ein härterer Wettbewerb durch Anbieter von Nachahmermitteln (Generika) beitragen. So haben mehrere umsatzstarke Originalmedikamente im vergangenen Jahr oder Anfang 2004 ihren Patentschutz in Deutschland verloren. Dazu gehört der Cholesterinsenker Zocor von Merck & Co sowie die Herzmittel Delix (Aventis) und Norvasc (Pfizer).

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