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03.07.2012

16:37 Uhr

Asien-Geschäft

Schiffbauzulieferer sorgen sich um Fernost

Nach der Schiffbaukrise hat sich die Zulieferer-Branche wieder berappelt. Der Auftragseingang hat zugelegt, ebenso die Umsätze. Doch nun droht erneut Ungemach - diesmal von der Finanzierungsseite.

Reintjes zählt zu den Weltmarktführern für Schiffsgetriebe. Pressefoto Gesamtmetall

Reintjes zählt zu den Weltmarktführern für Schiffsgetriebe.

HamburgNach dem Ausstieg der Commerzbank aus der Schiffsfinanzierung befürchtet die deutsche Zulieferindustrie, in Fernost aus dem Markt gedrängt zu werden. Ihre Sorge: Wenn Schiffsneubauten in China künftig vermehrt von chinesischen Banken finanziert werden sollten, dürften die Geldgeber den Auftraggebern auch Vorschriften für die einzubauende Ausstattung - „Made in China“ - machen. „Das wird schon praktiziert, wenn auch noch nicht im großen Stil. Aber der Trend geht dorthin“, sagte der stellvertretende Vorstandschef der VDMA Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie, Christian Schliephack, am Dienstag in Hamburg.

Schon durch chinesische Einfuhrzölle sei die deutsche Branche gegenüber chinesischen Wettbewerbern erheblich im Nachteil. Letztgenannte Erfahrung hätten Firmen auch in Brasilien gemacht. China wolle nicht nur größte Schiffbaunation sein, sondern auch weltgrößter Zulieferer werden, sagte der VDMA-Vertreter. Daher hält der Verband seine Befürchtung „protektionistischer Eingriffe“ seitens asiatischer Geldgeber für realistisch. Der Verband sei dabei, mit der staatlichen Bankengruppe KfW Finanzierungen auch für Zulieferer zu entwickeln, ergänzte VDMA-Geschäftsführer Hauke von Schlegel.

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Im weltweiten Wettbewerb sei das Ziel deutscher Firmen, den Vorsprung in Technik und Logistik zu halten und mit Innovationen auszubauen, berichtete Schliephack, Chef des Schiffsgetriebeherstellers Reintjes (Hameln/Niedersachsen). Dabei werde der Schutz des eigenen Know-how immer wichtiger. Seit drei Jahren betreibt Reintjes (72 Mio Umsatz) Forschung und Entwicklung, um neue Produkte anzubieten, zum Beispiel Hybrid-Getriebe. „Mit einem niedrigen Euro um 1,25 fühlen wir uns derzeit im Weltmarkt ganz wohl“, sagte der Manager, der sich mit Konkurrenten in Japan, in den USA und China auseinandersetzen muss.

Mit Reintjes gehören rund 400 Unternehmen zur exportorientieren Branche (Anteil: über 70 Prozent). Sie erzielten 2011 rund 11,5 Milliarden Euro Umsatz (plus vier Prozent). Dieses Niveau wird auch 2012 wieder angepeilt. Allerdings reiche die Spanne von Wachstumsfirmen bis zu Anbietern mit Umsatzrückgang. Da die Auftragseingänge 2011 um sechs Prozent zulegten, erwartet die Branche 2012 eine insgesamt stabile Geschäftsentwicklung. Asien mit 38 Prozent Anteil daran (plus 3) ist größter Auslandsmarkt, Europa fiel auf 32 (minus 1) Prozent zurück.

Nicht nur in Brasilien und Russland - als Öl- und Gasförderländer Nachfrager für Offshore-Equipment - hofft die Branche auf weitere Aufträge. Für diesen Zuliefererbedarf erwartet sie in den nächsten fünf Jahren weltweit ein Wachstum von bis zu 15 Prozent jährlich. „Eine sichtbare Unterstützung der deutschen Politik auf den internationalen Märkten wäre ein geeignetes Marketinginstrument für uns“, meinte Christoph Daum von der Menck GmbH für Pfahlrammtechnik in Kaltenkirchen bei Hamburg (60 Mio Euro Umsatz).

Um rund 30 Mitarbeiter auf knapp 160 soll seine Belegschaft 2012 aufgestockt werden. Mehr Personal dürfte auch der Schiffsmaschinenhersteller Schottel mit Zentrale in Spay bei Koblenz und Fabrik in Wismar benötigen (250 Mio Umsatz, 700 Mitarbeiter in Deutschland). Firmenchef Prof. Gerhard Jensen kündigte Investitionen von rund 30 Millionen Euro in den Bau einer weiteren Fabrik nahe Koblenz an. Insgesamt soll die Zahl der 70 000 Branchenbeschäftigten 2012 gehalten werden.

Von

dpa

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