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18.10.2015

14:02 Uhr

Aston Martin

Eine Ikone in der Defensive

VonCarsten Herz

Er ist der Hingucker im neuen James Bond: Die Rede ist nicht von Hauptdarsteller Daniel Craig, sondern von dessen Auto, einem Aston Martin DB 10. Doch der Luxuswagenhersteller rutscht immer tiefer in die Miesen.

Der Luxuswagenhersteller hat seinen Verlust verdreifacht. Reuters

Aston Martin DB10

Der Luxuswagenhersteller hat seinen Verlust verdreifacht.

LondonKein Trailer des bald startenden Kino-Blockbusters „Spectre“ kommt ohne ihn aus. Halsbrecherisch jagt Kinoheld James Bond im neuen Film mit einem silberfarbenen Aston Martin DB 10 durch die römische Innenstadt und zeigt dem von Christoph Waltz gespielten Schurken die Rücklichter. Doch die Realität der britischen Sportwagenikone sieht derzeit deutlich weniger glanzvoll aus.

Wenige Tage nach der Ankündigung eines Stellenabbaus in der Zentrale im nordenglischen Gaydon muss der neue Vorstandschef Andy Palmer nun einen drastischen Ergebniseinbruch verkünden. Die Marke mit dem geflügelten Logo, die seit Jahren nur Verluste schreibt, fiel noch tiefer in die roten Zahlen und wies nunmehr einen Vorsteuerverlust von 72 Millionen Pfund für 2014 aus – was ungefähr eine Verdreifachung des Vorjahresminus bedeutet, wie aus Unterlagen hervorgeht, die Aston Martin nun im Handelsregister veröffentlichte.

Eine Ikone in der Defensive. Der tiefe Sturz ins Minus kommt nur Tage nachdem der britische Luxuswagenhersteller in der Zentrale die Streichung von rund 300 der insgesamt etwa 2.100 Stellen angekündigte hatte. Die jüngsten Hiobsbotschaften werfen ein neues Schlaglicht auf die tiefliegenden Probleme des Nobelherstellers, der als einzige automobile Luxusmarke noch völlig selbstständig agiert und nicht unter den Fittichen eines globalen Autoherstellers geschlüpft ist.

So könnte VW die „Dieselgate“-Kosten schultern

Kann sich der Konzern das leisten?

Der Abgas-Skandal kratzt nicht nur am Image des Volkswagen-Konzerns - er dürfte vor allem sehr teuer werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Kosten des Skandals und wie VW sie stemmen könnte.

Quelle: dpa

Mit welchen Kosten muss VW rechnen?

Darüber rätseln Beobachter derzeit. Bislang bekannt ist: Volkswagen hat 6,5 Milliarden Euro für Kosten aus dem Abgas-Skandal zurückgelegt. Das Geld ist aber wohl in erster Linie für eine technische Umrüstung der Autos mit Manipulations-Software bestimmt, wie Finanzchef Hans Dieter Pötsch laut dem Fachblatt „Auomobilwoche“ kürzlich vor VW-Managern erklärte. Unklar ist, welche Strafzahlungen auf VW zukommen. Dazu dürften noch mindestens drei andere mögliche Kostenblöcke kommen: Strafzahlungen, Schadenersatzforderungen, Anwaltskosten. Wie hoch diese Ausgaben sein werden, lässt sich derzeit nur grob schätzen. Die Landesbank Baden-Württemberg rechnet derzeit mit einem Schaden von 47 Milliarden Euro für den Konzern. Ein möglicher Imageverlust und damit verbunden ein Rückgang der Autoverkäufe ist dabei noch nicht eingerechnet. Allerdings werden die Kosten wohl nicht auf einmal anfallen, sondern sich über Jahre verteilen.

Wie viel Geld hat VW auf der hohen Kante?

Vergleichsweise viel. VW hat sich in den vergangenen Jahren ein stattliches Kapitalpolster zugelegt. Zur Jahresmitte hatte der Konzern rund 18 Milliarden Euro Bargeld auf dem Konto. Das ist mehr als ganze Dax-Konzerne wie Adidas oder Lufthansa einzeln an der Börse wert sind. „Über den Daumen gepeilt kann VW davon die Hälfte verwenden, um mögliche Kosten zu begleichen“, sagt Nord-LB-Analyst Frank Schwope. Dazu kommen bei VW noch schnell veräußerbare Wertpapiere über 15 Milliarden Euro und Schätzungen zufolge mindestens 5 Milliarden Euro aus dem Verkauf der Beteiligungen am ehemaligen Partner Suzuki und an einer niederländischen Leasingfirma.

Könnte VW durch den Abgasskandal pleitegehen?

Das ist sehr unwahrscheinlich. VW könnte sich über Anleihen und Kredite Geld leihen, auch wenn einige Ratingagenturen ihre Bewertungen der Kreditwürdigkeit des Konzerns zuletzt angepasst hatten. Wenn es irgendwann hart auf hart käme, könnte Volkswagen immer noch sein Tafelsilber verkaufen. Am einfachsten ließen sich wohl die Luxusmarken Bentley, Bugatti und Lamborghini aus dem Konzern herausnehmen. Nord-LB-Analyst Schwope schätzt den möglichen Verkaufserlös für die drei Marken und den Motorradhersteller Ducati auf 5 bis 10 Milliarden Euro. Durch einen Verkauf der Lastwagenbauer MAN und Scania ließen sich nach seinen Berechnungen sogar 30 bis 35 Milliarden Euro erzielen. Das wertvollste Juwel in der Sammlung, den Sportwagenbauer Porsche, dürften die VW-Anteilseigner kaum abgeben wollen.

Könnte sich Volkswagen über eine Kapitalerhöhung Geld besorgen?

Nur begrenzt. Eine Kapitalerhöhung - also die Ausgabe neuer Aktien - ist bei VW nicht so leicht wie in anderen Konzernen. Damit die Familien Porsche und Piëch sowie das Land Niedersachsen als Anteilseigner ihre Macht im Konzern nicht verlieren, darf sich deren jeweiliger Anteil an den Stammaktien nicht stark verringern. Vor allem Niedersachsen dürfte aber derzeit kaum ein Interesse daran haben, weitere Stammaktien zu kaufen und Geld in den VW-Konzern zu stecken. VW könnte deshalb wohl höchstens neue Vorzugsaktien ausgeben, das sind Aktien ohne Stimmrecht auf der Hauptversammlung des Konzerns. Laut Aktiengesetz darf die Zahl dieser Vorzugsaktien die Zahl der Stammaktien allerdings nicht übersteigen. VW könnte deshalb höchstens rund 114 Millionen neue Aktien ausgeben und damit auf Basis derzeitiger Kurse rund 11 Milliarden Euro einsammeln.

An welchen Stellen kann VW für die Bewältigung der Krise sparen?

In der Regel setzen Sparmaßnahmen bei großen Konzernen zuerst bei den Mitarbeitern an: Weniger Gehalt, Einstellungsstopps, bis hin zu Stellenstreichungen und Entlassungen. Bei Volkswagen wäre das allerdings nicht so einfach. Die Arbeitnehmervertreter haben in Wolfsburg deutlich mehr Macht als in anderen Konzernen. Einfacher wäre die Kürzung geplanter Investitionen. Hier hatte Volkswagen angepeilt, bis 2019 eine Summe von mehr als 100 Milliarden Euro in Standorte, Modelle und Technologien zu stecken. Laut Experte Schwope könnte VW hier den Rotstift ansetzen und so 2 Milliarden Euro jährlich sparen, vor allem bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Nur: Dann besteht die Gefahr, von der Konkurrenz abgehängt zu werden. Der Zeitpunkt wäre denkbar ungünstig - die Autoindustrie steht durch Digitalisierung und Elektroantriebe vor einem Umbruch.

Seit Jahren sucht die Markenikone, die seit langer Zeit prestigeträchtig den Dienstwagen von 007 stellt, den Weg zurück auf die Überholspur. Denn der Glanz des großen Namens hat Patina angesetzt. So schrumpfte der Absatz von Aston Martin im vergangenen Jahr weiter von 3.800 auf 3.500 Fahrzeuge – womit der britische Hersteller seine Verkaufszahlen seit 2007 rund halbierte.

Aston Martin setzt sich damit scharf vom Erfolg des einheimischen Rivalen Jaguar Land Rover ab, der nur wenige Kilometer entfernt sitzt – und derzeit Rekordzahlen einfährt. Doch gegenüber dem Konzern mit der Katze, der inzwischen in den Händen des indischen Industriellen Ratan Tata liegt, sind die Überlebenskünstler in Gaydon, die in ihrer Geschichte bereits sieben Mal fast insolvent waren, im wahrsten Sinne des Wortes ein Kleinserienhersteller.

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