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21.05.2014

07:04 Uhr

Atom-Altlasten

RWE fordert politische Unterstützung

RWE-Chef Peter Terium weist der Politik eine Mitverantwortung für die Atom-Altlasten zu. Immerhin habe die Politik die Kernenergie einst selbst gewollt. Der Konzern sei jedoch verhandlungsbereit.

RWE-Chef Peter Terium will mit der Politik über die Altlasten des Atomzeitalters reden. Reuters

RWE-Chef Peter Terium will mit der Politik über die Altlasten des Atomzeitalters reden.

BerlinIn der Debatte über die milliardenschweren Entsorgungskosten für die Atomenergie hat RWE -Chef Peter Terium der Politik eine Mitverantwortung zugewiesen. „Wir werden unsere Verantwortung dafür tragen müssen. Aber es ist nicht nur und nicht allein unsere Verantwortung“, sagte er am Dienstagabend in Berlin. „Die Energiebranche ist damals von der Politik in die Kernenergie reingetrieben worden.“ Die Branche habe dies zwar auch gern getan, da sie Geld verdienen wollte. Damit hätten aber zunächst die Investitionen bezahlt und zweitens die Rückstellungen für die Entsorgungskosten untermauert werden müssen.

Die vier Atomkonzerne RWE, Eon, Vattenfall und EnBW haben insgesamt rund 37 Milliarden Euro an Rückstellungen gebildet, mit denen der Abriss der Atomkraftwerke und die Lagerung des Atommülls bezahlt werden sollen. Es ist zum einen unklar, ob diese Summe reicht. Zum anderen herrscht angesichts der im Zuge der Energiewende angeschlagenen Konzerne die Befürchtung, die Rückstellungen seien dort nicht sicher. Nach Angaben aus Branchenkreisen gibt es daher Pläne in den Unternehmen, der Politik eine Stiftung mit den Rückstellungen anzubieten und zudem Klagen im Zusammenhang mit dem Atomausstieg fallenzulassen. Im Gegenzug sollten aber die Risiken zusätzlicher Lasten für die Altlasten der Atomenergie dem Staat und damit dem Steuerzahler übertragen werden. Die Bundesregierung hatte kühl auf solche Überlegungen reagiert und betont, die Verantwortung für die Entsorgung liege bei den Unternehmen.

Wieviel Erneuerbare die Energieversorger haben

RWE

Laut einer Studie, die die Umweltschutzorganisation Greenpeace Ende Februar 2014 veröffentlichte, hat von RWE in Europa produzierter Strom einen Anteil von Wasserkraft von 2 Prozent und einen Anteil von anderen Erneuerbaren Energien von weiteren zwei Prozent. Die Zahl bezieht sich auf die tatsächlich erzeugte Strommenge, nicht auf die Kapazitäten.

Eon

Der Düsseldorfer Energiekonzern Eon produziert insgesamt drei Prozent seines in Europa hergestellten Stroms aus Erneuerbaren Energien inklusive Windkraft und steht damit im Vergleich schlechter da als Konkurrent RWE.

Vattenfall

Der schwedische Konkurrent Vattenfall produzierte insgesamt vier Prozent seines Stroms in Europa mithilfe regenerativer Energiequellen.

EnBW

EnBW steht im Vergleich der großen vier Energieversorger in Deutschland am schlechtesten da. Das Unternehmen gewinnt nur insgesamt zwei Prozent seines Stroms europaweit aus erneuerbaren Quellen.

Terium bestritt, dass es einen fertigen Plan gebe: „Es gibt kein Konzept und keinen Dialog mit der Bundesregierung.“ Allerdings gebe es einen Passus im Koalitionsvertrag, wonach es die Regierung angesichts vieler offener Frage rund um die Atomenergie für sinnvoll halte, mit der Branche zu sprechen. „Ich kann nur sagen: Wir sind gesprächsbereit“, sagte Terium. Es sei so, dass die Politik an vielen Hebeln bestimme, was in den nächsten Dekaden die Lösung sein werde. „Insoweit haben wir gesagt, da sind wir zusammen im Boot.“

Es mache RWE ja auch keinen Spaß, bei jedem Gerichtshof die Bundesregierung, die Landesregierungen oder das Finanzamt verklagen zu müssen, sagte Terium mit Blick auf Verfahren etwa gegen die Brennelementesteuer oder die vorzeitige Abschaltung des Atomkraftwerks Biblis. „Also: Wir müssen das gemeinsam lösen.“ Wenn die Politik sage, man wolle Gespräche führen, dann gebe es auch keine Voreingenommenheiten, was gehe und was nicht. „Es muss am Ende vertretbar sein - auch für uns“, sagte Terium.

Von

rtr

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

21.05.2014, 08:24 Uhr

Die Betreiber der Kernkraftwerke wussten, worauf sie sich eingelassen haben und konnten in den letzten Jahrzehnten mit Atomkraft gutes geld verdienen. Natürlich hat die Politik die Atomenergie gepusht, auch finanziell.
Aber hier gilt ja immer noch das Verursacherprinzip.

Account gelöscht!

21.05.2014, 08:44 Uhr

ich bin absolut dafür das verstaatlicht wird!
allerdings nicht nur den müll - sondern den ganzen konzern.
den vorstand fristlos und ohne abfindung entlassen.
danach die stromkosten auf das reduzieren was er wirklich kostet.
ein staatsbetrieb muss ja keine gewinne machen.
(ausser ein klein wenig zu wartungszwecken)

Account gelöscht!

21.05.2014, 09:10 Uhr

Dann aber bitte auch die Netzbetreiber verstaatlichen. Wieso wurde dies aber dann nicht zu Zeiten gemacht, als sich die Eigner und Zocker an den Börsen über Gewinne freuten?

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