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19.04.2011

15:48 Uhr

Atom-Moratorium schmerzt

EnBW schockt Aktionäre mit herber Gewinnwarnung

Für EnBW-Chef Villis ist es eine sehr schwierige Hauptversammlung: Er muss nicht nur den Aktionären erklären, dass EnBW die Gewinnprognose senken muss, sondern auch, wie es ohne zwei Atommeiler weitergehen soll.

Der Vorstandsvorsitzende der EnBW, Hans-Peter Villis, muss heute auf der Hauptversammlung viel Hoffnung wecken. Quelle: dpa

Der Vorstandsvorsitzende der EnBW, Hans-Peter Villis, muss heute auf der Hauptversammlung viel Hoffnung wecken.

KarlsruheDer Zickzackkurs der Bundesregierung bei der Atomkraft beschleunigt den Gewinnrückgang des Energieversorgers EnBW. Durch den mindestens dreimonatigen Stillstand von zwei seiner vier Atomkraftwerksblöcke werde der bereinigte Gewinn vor Steuern und Zinsen 2011 bis zu einem Viertel geringer ausfallen als im vergangenen Jahr, sagte Finanzvorstand Thomas Kusterer am Dienstag auf der Hauptversammlung in Karlsruhe.

EnBW ist damit der erste der vier Atomkraftwerksbetreiber in Deutschland, der seine Prognose für das laufende Jahr nach der Reaktorkatastrophe in Japan und der Kehrtwende der schwarz-gelben Berliner Bundesregierung zusammenstreicht. Die größeren und weniger von der Atomkraft abhängigen Konkurrenten RWE und E.ON sehen bisher keinen Anlass, ihre Gewinnaussichten im Zuge der möglichen Neuausrichtung der Atom-Politik zu korrigieren.

2011 werde der um Sondereffekte bereinigte Betriebsgewinn (Adjusted Ebit) 15 bis 25 Prozent unter dem Vorjahreswert von 1,93 Milliarden Euro liegen, sagte der im Januar berufene EnBW-Finanzvorstand. Bisher war EnBW lediglich von einem Minus von zehn bis 15 Prozent ausgegangen. Damit hatte EnBW bereits den fälligen Ausgaben durch die Kernbrennstoffsteuer und in den Ökoenergiefonds Tribut gezollt, die den Versorgern im vergangenen Jahr im Gegenzug zur Verlängerung der AKW-Laufzeiten auferlegt worden waren. Auch nach dem angeordneten dreimonatigen Atom-Moratorium der Bundesregierung hatte EnBW als drittgrößter deutsche Versorger seine Prognose noch bekräftigt, obwohl die die älteren Atomkraftwerksblöcke Neckarwestheim I und Philippsburg I vom Netz genommen werden mussten.

Der voraussichtliche Stillstand für drei Monate koste rund 80 Millionen Euro, rechnete Finanzchef Kusterer vor. Ein Betriebsstopp beider Meiler bis Jahresende schlüge mit einer knapp doppelt so hohen Ergebniseinbuße zu Buche, rechnete der Manager vor. Neckarwestheim I soll dauerhaft abgeschaltet bleiben soll, den Reaktor Philippsburg I will EnBW hingegen nach der dreimonatigen Zwangspause wieder anfahren.

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