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16.04.2011

12:55 Uhr

Atomausstieg

EnBW-Chef Villis will Beteiligungen prüfen

Mit dem Verkauf von Minderheitsbeteiligungen will EnBW-Chef Villis die Verluste aus dem vorzeitigen Atomausstieg ausgleichen. Sein ambitioniertes Ziel, den Umsatz bis 2016 zu verdoppeln, gibt er auf.

EnBW-Chef Hans-Peter Villis will Beteiligungen verkaufen. Quelle: dapd

EnBW-Chef Hans-Peter Villis will Beteiligungen verkaufen.

FrankfurtDer Energiekonzern EnBW will Ergebniseinbußen durch den von der Politik forcierten Atomausstieg durch Verkäufe auffangen. „Wir können nicht mehr so viel investieren, wie wir wollen. Und wir werden unter anderem Verkäufe von Minderheitsbeteiligungen prüfen“, kündigte EnBW-Chef Hans-Peter Villis in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ an. „Da ist einiges drin - ein Volumen von 1,8 Milliarden in den nächsten drei Jahren“, merkte er an. Villis räumte ein, dass durch den Verzicht auf Atomenergie der Karlsruher Versorger sein Ziel, den Umsatz von 2008 bis 2016 zu verdoppeln, nicht mehr erreichen könne. „Auch die Gewinne werden kleiner ausfallen“, sagte der Manager. So habe EnBW für 2011 im operativen Ergebnis wegen der Brennstoffsteuer und Marktpreisrisiken Einbußen von zehn bis 15 Prozent veranschlagt. „Wir werden wohl einige Zeit brauchen, bis wir wieder das Ergebnisniveau von 2010 erreichen können.“ 

EnBW gehören vier der 17 deutschen Atomkraftwerke. Seit dem im März für drei Monate verhängten Atom-Moratorium sind die beiden EnBW-Meiler Neckarwestheim 1 und Philippsburg 1 vom Netz. 

Während sich der Betrieb von Neckarwestheim 1 angesichts der zu erwartenden Sicherheitsauflagen wohl nicht mehr lohnen dürfte, würde Villis dagegen Philippsburg 1 nach dem Moratorium gerne wieder anfahren. „Die beiden jüngeren Kraftwerke wollen wir in jedem Fall am Netz lassen“, sagte der Manager. Er schloss eine Klage nicht aus, sollte der Konzern zum endgültigen Aus für Philippsburg 1 gezwungen werden. „Ich bin als Chef von EnBW verpflichtet, das Vermögen der Gesellschaft zu schützen. Aber diese Entscheidung steht noch nicht an.“ 

Bis 2020 will der EnBW-Manager den Anteil Erneuerbarer Energien auf rund 20 Prozent verdoppeln. „Wir müssen uns neue Geschäftsmodelle überlegen und wollen zum Beispiel selbst zum Entwickler von Windparks werden“, sagte Villis. Dabei dürfte auch das Land Baden-Württemberg, das 45 Prozent an dem Versorger hält, ein gewichtiges Wort mitreden. Es wird erwartet, dass eine neue Landesregierung unter dem designierten grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann EnBW zu einem stärkeren Kurs in Sachen Ökostrom drängen wird. „Ich habe mit Herrn Kretschmann schon gute Gespräche geführt. Sicher, wir haben in der Atompolitik zum Teil andere Auffassungen - aber ich bin überzeugt, dass er mit der Beteiligung des Landes an EnBW sehr verantwortungsvoll umgehen wird“, sagte Villis.

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