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07.09.2011

13:11 Uhr

Atomausstieg

Eon und RWE wollen Urenco-Anteile verkaufen

VonJürgen Flauger

Die beiden Energieriesen Eon und RWE wollen ihre Anteile am internationalen Urankonzern Urenco verkaufen. Die übrigen Gesellschafter sind nicht erfreut - die Eigentümerverhältnisse sind schon kompliziert genug.

Luftbild der Uran-Anreicherungsanlage der Urenco Deutschland GmbH in Gronau. dpa

Luftbild der Uran-Anreicherungsanlage der Urenco Deutschland GmbH in Gronau.

DüsseldorfNach dem Atomausstieg in Deutschland wollen sich Eon und RWE auch vom Nukleardienstleister Urenco trennen. Die Unternehmen prüfen einen Verkauf ihrer gemeinsamen Beteiligung von einem Drittel, wie das Handelsblatt aus Kreisen beider Konzerne erfuhr. Eon und RWE haben Berater engagiert, den Ausstieg vorzubereiten. Die Pläne sind aber noch in einem frühen Stadium.

Neben Eon und RWE sind mit jeweils einem Drittel Großbritannien und die Niederlande beteiligt. Die britische Regierung prüft schon länger den Verkauf ihres Anteils. Im Frühjahr musste sie die Pläne wegen des Atomunfalls im japanischen Fukushima aber zurückstellen. Im Oktober will sie den Prozess aber wieder aufnehmen. Nach britischen Medienberichten erhofft sich die Regierung für ihr Drittel einen Erlös von rund einer Milliarde Pfund.

Nach Informationen der Zeitung „Het Financieele Dagblad“ will die niederländische Regierung dagegen als einziger der Aktionäre an ihrer Beteiligung festhalten – und ist über die Verkaufspläne der bisherigen Partner auch nicht erfreut. Das könnte den Verkaufsprozess erschweren, da sich die Aktionäre in diesem Fall Mitspracherechte eingeräumt haben.

„Die Eigentumsverhältnisse sind schwierig“, hieß es aus Kreisen der deutschen Konzerne. Sprecher von Eon und RWE lehnten auf Anfrage aber einen Kommentar ab.

Urenco hat seinen Sitz in Marlow, Großbritannien, und beliefert unter anderem Atomkraftwerksbetreiber mit angereichertem Uran. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen dabei einen Anteil von 27 Prozent am weltweiten Markt für diesen Kernbrennstoff. 2010 setzte Urenco knapp 1,3 Milliarden Euro um und erzielte einen Nettogewinn von 387,1 Millionen Euro. Eine Niederlassung hat Urenco auch im westfälischen Gronau.

Ein Verkauf würde für Eon und RWE sinnvoll sein. Beide Konzerne haben Verkäufe angekündigt, um ihre hohe Verschuldung zu senken und sich trotz der Belastungen durch die Energiewende, Spielräume zu verschaffen. Gleichzeitig würden sie sich einer unpopulären Beteiligung entledigen. Auf den Hauptversammlungen der beiden Konzerne hatten sich regelmäßig Umweltaktionäre über Urenco beklagt. Viel Freude habe man an dem Anteil nicht gehabt, räumt ein Vertreter der Unternehmen ein. Und der strategische Einfluss sei auch begrenzt gewesen.

RWE hat gestern zudem den Mehrheitsverkauf an seiner Höchstspannungsnetztochter Amprion abgeschlossen. Ein Konsortium aus Finanzinvestoren aus der Versicherungswirtschaft und Versorgungswerken übernimmt knapp 75 Prozent an Amprion. Der Wert der Gesellschaft liegt bei knapp einer Milliarde Euro. RWE behält aber die strategische Führung.

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