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13.05.2011

06:24 Uhr

Atombetreiber

Tepco bekommt milliardenschwere Staatshilfe

Tepco bekommt das dringend benötigte Geld. Die japanische Regierung will den Betreiber der Atomruine Fukushima vor dem finanziellen Zusammenbruch bewahren. Die Katastrophe kommt Japan sehr teuer zu stehen.

Fukushima von innen: Neun Milliarden Euro muss Tepco wegen der Katastrophe abschreiben. Quelle: Reuters

Fukushima von innen: Neun Milliarden Euro muss Tepco wegen der Katastrophe abschreiben.

Tokio

Die japanische Regierung hat dem Betreiber der Atomruine in Fukushima finanzielle Hilfe bei der Bewältigung der horrenden Entschädigungszahlungen für die Opfer der Atomkatastrophe zugesichert. Zu diesem Zweck soll eine staatliche Finanzierungsgesellschaft gegründet werden, wie die Regierung am Freitag beschloss. Der Betreiber Tepco wird wegen der Katastrophe in diesem Geschäftsjahr voraussichtlich eine Billion Yen (8,7 Milliarden Euro) abschreiben. Die gleiche Summe benötigt Tepco, um Gas, Öl und Kohle für konventionelle Kraftwerke einzukaufen.

Diese sollen die in Fukushima ausgefallenen Kapazitäten ersetzen. Im Gegenzug für die Staatshilfe akzeptierte Tepco die Bedingung der Regierung, harte Sparmaßnahmen zu ergreifen. Zudem soll ein unabhängiger Ausschuss das Finanzgebaren des Konzerns überprüfen. Weder die Regierung noch Tepco haben bisher Schätzungen über die Höhe der erwarteten Kosten abgegeben. Medien beziffern die Höhe der Kosten auf bis zu über zehn Billionen Yen (87 Milliarden Euro). Die Regierung will daher Tepco helfen, nicht unter dieser Last zusammenzubrechen.

Der Rettungsplan sieht vor, das der Staat der zu gründenden Finanzierungsgesellschaft unverzinste Anleihen zur Verfügung stellt. Diese können jederzeit eingelöst werden, um damit Tepco mit Krediten zu versorgen. Darüber hinaus sollen andere Atombetreiber im Lande ebenfalls Mittel beisteuern. Manche Politiker sorgen sich jedoch, dass dies zu höheren Stromrechnungen führt und die Kosten am Ende auf den Steuerzahler abgewälzt werden. Das Regierungsvorhaben bedarf der parlamentarischen Zustimmung. Es sollen entsprechende Gesetzesanträge noch in der laufenden Sitzungsperiode dem Parlament vorgelegt werden.

Kommentare (6)

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Revision

13.05.2011, 07:12 Uhr

im Verhältnis zum PIIGS-Party-Bailout war Fukushima, finanziell gesehen, ein Kindergartenausflug!

Delloman

13.05.2011, 08:02 Uhr

Na, da werden sich die Anwohner ja herzlich bei dir bedanken.

Herbert

13.05.2011, 08:13 Uhr

Eine gute Gelegenheit, einmal über eine angemessene Haftpflichtversicherung für die Betreiber von Atomkraftwerken nachzudenken.

Wenn in Deutschland ein Atomkraftwerk in die Luft fliegt, zahlt auch der Steuerzahler, weil die Atomkonzerne keine angemessene Haftpflichtversicherung haben. Prognos hat im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums die Kosten einer Atomkatastrophe in Deutschland geschätzt:

Kosten einer schweren Atomkatastrophe in Deutschland laut Prognos: 10.000 Milliarden.

Deckungssumme der Haftpflichtversicherung der Betreiber: 0,25 Milliarden.

Wer unter diesen Umständen auch noch über weitere Steuergeschenke für die Atomindustrie in Form von gestrichenen Brennstoffsteuern nachdenkt, dem ist nicht mehr zu helfen.

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