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12.12.2011

20:08 Uhr

Atomkonzern

Areva fährt Milliardenverlust ein

Die Folgen der Fukushima-Katastrophe drücken den Atomkonzern Areva in die roten Zahlen. Die Franzosen wollen jährlich eine Milliarde Euro einsparen. In Deutschland sind 1300 Arbeitsplätze in Gefahr.

Areva-Atomkraftwerk in Frankreich. AFP

Areva-Atomkraftwerk in Frankreich.

ParisDer französische Atomkonzern Areva will vor dem Hintergrund erwarteter Verluste von rund 1,5 Milliarden Euro bis 2015 jährlich eine Milliarde Euro einsparen. In einer am Montag veröffentlichten Erklärung betonte der Konzern, der Aufsichtsrat habe den weitreichenden „Sparplan 2016“ gebilligt. Der Handel mit der Aktie an der Pariser Börse war zuvor auf Wunsch des Unternehmens ausgesetzt worden. In der Erklärung wird für das Geschäftsjahr 2011 ein konsolidierter Umsatz von mehr als 8,9 Milliarden Euro bei einem geschätzten Auftragsbestand von 44 Milliarden Euro erwartet.

Die finanzielle Schieflage wird vor allem mit einer außergewöhnlich hohen Rückstellung für das Minengeschäft erklärt, das vor dem Hintergrund der Fukushima-Katastrophe neu bewertet werden musste. Erlöse von insgesamt 1,2 Milliarden Euro sollen durch Verkäufe erzielt werden. Die geplanten Investitionen - darunter in Namibia, Südafrika und der Zentralafrikanischen Republik - sollen bis 2016 um ein Drittel auf 7,7 Milliarden Euro reduziert werden.

In der Erklärung wurden keine Angaben zum Ausmaß der erwarteten Stellenstreichungen gemacht. In Medienberichten hatte es zuvor geheißen, dass zwischen 2700 und 2900 Jobs beim Spezialisten für Atomenergie bedroht seien. Die französische Gewerkschaft CGT berichtete in Paris, die Konzernspitze habe „die Streichung von mehr als 1200 Stellen in Deutschland“ bestätigt. Die Direktion habe jedoch nichts zur Zahl der Stellenstreichungen in den USA und Belgien gesagt, sagte der für die Atombranche zuständige CGT-Vertreter Patrick Lescure der Nachrichtenagentur AFP.

Laut Lescure will Areva im kommenden Jahr in Frankreich 1200 frei werdende Posten von Mitarbeitern mit Zeitverträgen unbesetzt lassen. Dies hatte auch die Wirtschaftszeitung „La Tribune“ berichtet. Areva-Chef Luc Oursel hatte Ende November noch versichert, dass Jobs in Frankreich nicht von den Kürzungen betroffen seien.

Derzeit beschäftigt das Unternehmen weltweit rund 48.000 Menschen. Der Hauptsitz in Deutschland befindet sich in Erlangen bei Nürnberg. Weitere Standorte gibt es in Karlstein, Offenbach, Duisburg und Lingen.

Kommentar: Die Kurzsichtigkeit des Eon-Chefs

Kommentar

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Die massiven Stellenstreichungen machen das Missmanagement bei Eon deutlich: Die Konzernspitze ruhte sich jahrelang auf fetten Gewinnen aus. Drunter leiden müssen die Mitarbeiter. Der Haussegen hängt zur Unzeit schief.

Areva als Marktführer in der Atomenergie ist nicht das einzige Energieunternehmen, das sparen muss. Der Energiekonzern Eon will in Deutschland ebenfalls rund 6000 Stellen streichen, wie ein Sprecher der „Rheinischen Post“ vom Montag sagte. „Wie viele Arbeitsplätze über welches Instrument abgebaut werden, lässt sich noch nicht sagen“, fügte er hinzu. Die Zeitung berichtete unter Berufung auf Konzernkreise, bis zu 3000 Beschäftigte sollten in den Vorruhestand gehen und bis zu 2500 Mitarbeiter in eine Transfergesellschaft wechseln. Weitere 500 Stellen sollen demnach durch das Auslaufen befristeter Verträge wegfallen.

Eon-Chef Johannes Theyssen hatte bereits im August angekündigt, dass der größte deutsche Energiekonzern wegen des Atomausstiegs weltweit bis zu 11.000 Stellen streichen wird. Der Aufsichtsrat kam am Montag zusammen, um Einzelheiten des Konzernumbaus zu beschließen. In Frankreich will Areva-Chef Oursel am Dienstag Details des Sparprogramm bekanntgeben.

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