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04.11.2011

10:01 Uhr

Atomkonzern

Fukushima-GAU bringt Tepco Milliardenverlust

Der japanische Atombetreiber Tepco zahlt die Zeche für das Fukushima-Desaster. Von April bis September verlor der Konzern fast sechs Milliarden Euro.

Das zerstörte AKW in Fukushima. dapd

Das zerstörte AKW in Fukushima.

Der Betreiber des schwer beschädigten Atomkraftwerks Fukushima ist in Folge des Nuklearunfalls im ersten Geschäftshalbjahr tief in die roten Zahlen gerutscht. Wie Tokyo Electric Power Co. (Tepco) am Freitag bekanntgab, fiel zwischen April und September unter dem Strich ein Fehlbetrag von 627,30 Milliarden Yen (5,8 Mrd Euro) an. Im Vorjahreszeitraum hatte Tepco noch einen Gewinn von 92,29 Milliarden Yen erwirtschaftet. Der Umsatz von Tepco schrumpfte um 7,7 Prozent auf 2,5 Billionen Yen. Hintergrund sind geringere Stromeinnahmen, da wegen des Ausfalls des Atomstroms in Fukushima verstärkt Elektrizität eingespart wird.

Für das noch bis zum 31. März 2012 laufende Gesamtjahr rechnet der Energiekonzern gleichwohl, den Vorjahresverlust in Höhe von 1,25 Billionen Yen auf 600 Milliarden Yen verringern zu können. Das AKW Fukushima war bei dem schweren Erdbeben und Tsunami vom 11. März massiv beschädigt worden. Zehntausende Anwohner mussten fliehen. Tepco war dabei als Betreiber stark in die Kritik geraten. Dem Konzern wurde vorgeworfen, die Öffentlichkeit nur unzureichend über die Vorgänge in den havarierten Reaktoren informiert zu haben. Kritik gab es auch am Umgang mit Arbeitern in der AKW-Ruine, an der Kommunikation der Strahlungswerte sowie an schleppenden Entschädigungszahlungen.

Die japanische Regierung segnete derweil Pläne ab, Tepco erstmal mit 900 Milliarden Yen (8,4 Mrd Euro) unter die Arme zu greifen, um massive Entschädigungszahlungen an die Leidtragenden des Atomunfalls leisten zu können. Im Gegenzug versprach Tepco, über die nächsten zehn Jahre die Kosten im Umfang von mehr als 2,5 Billionen Yen zu senken, unter anderem durch die Kürzung von Pensionszahlungen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

04.11.2011, 11:58 Uhr

Ist das noch Marktwirtschaft oder immernoch bzw. schon wieder der "kaiserliche" Feudalismus ?!

Eine private Firma macht mit einem Geschäftsmodel einen riesigen Verlust und der japanische Steuerzahler, mit rund 200 Prozent seiner jährlichen Wirtschaftsleistung steht der japanische Staat bei Anleihengläubigern in der Kreide - der Schuldenberg ist relativ gesehen also doppelt so hoch wie der der Amerikaner und überragt selbst den griechischen deutlich, ist offensichtlich gezwungen dieser Privatfirma ein Geschenk, ja richtig kein Darlehen und keine Unternehmensanleihe, in Höhe von 8,4 Mrd. Euro zu offerieren.
Mal abgesehen vom japanischen Wahlberechtigten, wie finden das eigentlich die kleineren japanischen Konkurenten dieser Firma, die die nicht mit AKW`s ihr Stromangebot produzieren und Ihr Produkt am "Energiemarkt" unsubventioniert verkaufen müssen ? Das spricht doch gegen alle marktwirtschaftlichen Vorstellungen ! Was sagt die WTO dazu ?

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