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13.12.2011

18:47 Uhr

Atomkonzern

IG Metall erbost über Arevas Sparpläne

Die IG Metall ist sauer auf den Atomkonzern Areva. Frankreich werde beim Sparkurs geschont, Deutschland übermäßig belastet, mutmaßt die Gewerkschaft. Das deutsche Management will betriebsbedingte Kündigungen vermeiden.

Ein Atommeiler der Areva im Süden Frankreichs. AFP

Ein Atommeiler der Areva im Süden Frankreichs.

Erlangen/ParisDie IG Metall hat den französischen Atomkonzern Areva davor gewarnt, deutsche Konzernstandorte beim geplanten Arbeitsplatzabbau unverhältnismäßig stark zu belasten. Das Management in Deutschland kündigte an, betriebsbedingte Kündigungen vermeiden zu wollen. Dies sei erklärtes Ziel der Unternehmensführung, teilte Areva am Dienstag in Erlangen mit.

Zuvor hatte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Erlangen, Wolfgang Niclas, schwere Bedenken geäußert. Mit Blick auf den französischen Präsidentschaftswahlkampf im Frühjahr zeichne sich ab, das der Jobabbau in Frankreich zulasten der deutschen Standorte begrenzt werden solle, sagte Niclas der dpa. „Wenn es um Arbeitsplatzabbau geht, darf es kein deutsches Opfer für Frankreich geben“, unterstrich der Gewerkschafter. „Es müssen diejenigen Stellen angebaut werden, die in jedem Land nicht mehr benötigt werden.“

Areva plant nach Aussagen von Firmen-Chef Luc Oursel, in Deutschland 1200 bis 1500 von rund 6000 Stellen abzubauen. Grund sei die Entscheidung der Bundesregierung zum Atomausstieg, sagte Oursel der Zeitung „Le Figaro“ (Dienstag). In Frankreich will Areva in der Verwaltung einen Einstellungsstopp verfügen. Die Zahl der so eingesparten Stellen werde im Bereich von „einigen hundert“ liegen.

Der europäische Betriebsrat fordert die Aussetzung der Sparpläne, berichtete die französische Wirtschaftszeitung „La Tribune“ (Dienstag). Begründung: Er sei zuvor weder über die Umstrukturierung informiert noch konsultiert worden. „Sollte der Vorstand nicht unseren Forderungen entsprechen, bin ich beauftragt, vor Gericht zu ziehen“, sagte Betriebsrats-Mitglied Maureen Kearney dem Blatt.

Die IG Metall befürchtet, dass darüber hinaus ein weiterer Stellenabbau bei Areva ansteht. Denn derzeit stehe der Bau eines finnischen Atomkraftwerks vor dem Abschluss. „Wenn dafür keine Anschlussaufträge gefunden werden, sieht es schlecht aus für das kommende Jahr“, sagte Niclas und bestätigte einen Bericht des Bayerischen Rundfunks. Bedroht seien dadurch rund 1000 Stellen.

Allerdings sei der deutsche Ausstieg aus der Atomkraft auch eine Chance für die Beschäftigten. Es gebe einen unglaublichen Bedarf an regenerativen Energien. In diesem Bereich könnten laut Niclas auch bei Areva Arbeitsplätze entstehen. Auch beim Rückbau abgeschalteter Atomkraftwerke würden viele Spezialisten benötigt.

Kommentare (4)

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Staunen

13.12.2011, 19:59 Uhr

Die IG Metall ist ja witzig. Erst vereint man sich mit den Atomkraftgegnern und dann wundert man sich, dass bei Areva Arbeitsplätze abgeschafft werden. Erwartet man wirklich, das die Franzosen etwa deutsche Arbeitsplätze erhalten??!! Und bei E.on sehen wir gerade die Folgen des Atomaustiegs. Aber die Solarindustrie schafft ja zum Glück viele neue Jobs, ...insbesondere in China. Bezahlt wird das Ganze von den Stromverbrauchern und den Sozialkassen. Wen vertritt die IG Metall eigentlich?? Hab ich da was verpaßt?

Lemmy

13.12.2011, 20:07 Uhr

Die IG Metall ist bestimmt das letzte wa uns hier hilft, denn die sind ja fest mit den Ököfaschisten verbunden.
Es kann nur eine einvernehmliche Lösung des Konzernbetriebsrats mit der Unternehmensleitung helfen, so wie angestrebt.
P.S.: Die IG Metall ist im Areva Betriebsrat in der Minderheit.

Abronzius

13.12.2011, 20:37 Uhr

Ach ja ,die IG Metall und der DGB,der seit an Seit mit SPD,Linken und Grünen für die Vernichtung der deutschen Atomindustrie gekämpft hat...Dass das für die Arbeitsplätze in D Konsequenzen hat,hat man wohl bisher gegenüber den eigenen Mitgliedern in der Atomindustrie unter der Decke halten können.. und jetzt kommt`s: Wasch mir den Pelz ,aber mach mich ,liebe Avrea, nicht naß. Ein Witz auch,daß man jetzt Investitionen in regenerative Energien vorschlägt.. erinnert an Loriots Sketch,in dem die Ruhrstahlhütte wegen mangelnder Nachfrage nach Panzern zur Weihnachtszeit wegen der Nachfrage auf Marzipankartoffeln umgestiegen ist..

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