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16.07.2015

12:36 Uhr

Audi-Absatz schwächelt

China wird zur nächsten VW-Baustelle

China war bisher einer der wenigen Lichtblicke für Volkswagen. Nun bekommen die Wolfsburger auch dort Probleme. Die Premiummarke Audi, bisher wichtigste Gewinnmaschine in der Volksrepublik, stellt ihr Absatzziel infrage.

Auch die VW-Tochter bekommt nun in der Volksrepublik Probleme. obs

Audi-Fertigung in China

Auch die VW-Tochter bekommt nun in der Volksrepublik Probleme.

HamburgFür Volkswagen verdunkeln sich die Aussichten auf dem weltgrößten Pkw-Markt China zusehends. Nach der Hauptmarke VW schwächelt nun auch die Oberklassetochter Audi. Der größte Gewinnlieferant des Wolfsburger Autokonzerns stellte am Donnerstag sein Absatzziel in China infrage. Rabattschlachten, der Kampf der Regierung gegen Korruption und die Talfahrt des chinesischen Aktienmarkts machen den Autobauern das Leben schwer. Für den VW-Konzern steht dort besonders viel auf dem Spiel, denn die Wolfsburger fahren in China einen Großteil des Gewinns ein.

Man führe derzeit Gespräche mit Händlern, ob das Ziel, in diesem Jahr dort erstmals 600.000 Fahrzeuge zu verkaufen, noch erreichbar sei, sagte eine Sprecherin des Ingolstädter Autobauers am Donnerstag. Neuigkeiten dazu sollten bei der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen am 30. Juli bekanntgeben werden. Als Erste hatte darüber die Agentur Bloomberg berichtet.

Die Mängelliste des Volkswagen-Konzerns

Enormes Tempo

Volkswagen ist unter Konzernchef Martin Winterkorn rasant gewachsen. Seit der Schwabe 2007 das Steuer bei den Wolfsburgern übernahm, wurden der Sportwagenbauer Porsche, die beiden Lkw-Bauer MAN und Scania sowie der Motorradhersteller Ducati in das Imperium eingegliedert. Der Absatz des weltumspannenden Autokonzerns mit inzwischen zwölf Marken kletterte um zwei Drittel auf mehr als zehn Millionen Fahrzeuge. Der Umsatz stieg erstmals über 200 Milliarden Euro, für VW arbeiten nahezu 600.000 Menschen, fast doppelt so viele wie vor sieben Jahren. Bei dem enormen Tempo von VW haben sich allerdings auch zahlreiche Risse aufgetan.

Schwache Rendite

Die Ertragskraft der Wolfsburger Kernmarke VW schwächelt, weil bei ihr ein Großteil der hohen Entwicklungskosten anfallen, von denen andere Marken wie Seat und Skoda profitieren. Vom Umsatz blieben im ersten Quartal 2015 magere zwei Prozent beim Betriebsgewinn hängen. Die Marke mit dem VW-Logo ächzt unter einer zu großen Zahl an Ausstattungsvarianten und Fahrzeugmodellen. Dadurch muss VW gegen hohe Kosten anverdienen, kann seine Wagen jedoch als Massenhersteller nur zu erschwinglichen Preisen verkaufen.

Auch die anderen Pkw-Marken schöpfen nach Meinung von Experten die Möglichkeiten nicht aus, die ein Konzern von der Größe Volkswagens bietet. Zwar profitieren die Wolfsburger bei den Kosten immer mehr von der Baukastentechnik, auf der nun auch der neue Passat und der Familienwagen Touran basieren. Doch tanzt nach Wahrnehmung des Betriebsrats noch so manche Marke bei der Gleichteilestrategie aus der Reihe. Betriebsratschef Bernd Osterloh glaubt, dass VW wesentlich mehr als die angekündigten fünf Milliarden einsparen könnte, wenn sich alle an die Vorgaben hielten. Insidern zufolge will VW über alle Marken hinweg zehn Milliarden Euro sparen.

Maues US-Geschäft

Auf dem wichtigen US-Markt fristet VW ein Nischendasein - obwohl die Wolfsburger in Chattanooga ein neues Werk errichtet haben. Die Aufholjagd ist ins Stocken geraten, bevor sie richtig angefangen hat. Denn der extra auf den Geschmack der Amerikaner abgestimmte US-Passat verkauft sich nur schleppend, weil die Konkurrenz ihre Modelle schneller erneuert. Zudem hat VW im Land der Straßenkreuzer und Geländewagen keine entsprechenden Modelle im Angebot. Das rächt sich jetzt, da die Spritpreise niedrig sind. Die von Winterkorn angekündigten großen SUV kommen erst 2016/2017. Bis dahin könnte VW jenseits des Atlantiks vollends ins Abseits geraten, fürchten Experten.

Zu stark in China

Auf dem weltgrößten Automarkt kann VW dagegen seine ganze Stärke ausspielen. In der Volksrepublik sind die Wolfsburger mit fast 40 Prozent Marktführer. Die Stärke kann sich jedoch schnell in ein Risiko verwandeln. Denn der chinesische Markt wächst bei weitem nicht mehr so rasant wie noch vor einigen Jahren. In den ersten Monaten 2015 sanken die Absätze der Kernmarke VW sogar.

Südamerika

In Südamerika, wo die Wolfsburger einst der Konkurrenz davon fuhren, schrumpft der Absatz seit einiger Zeit dramatisch, weil sich der VW zu lange auf dem Erfolg der vergangenen Jahre ausgeruht hat. Piëch soll dies neben anderen Themen im Aufsichtsrat offen angeprangert haben.

Schwerfällige Lkw-Allianz

Die vom mittlerweile als AR-Chef abgetretenen Ferdinand Piëch geforderte Allianz der beiden Lkw-Töchter MAN und Scania kommt nur schleppend in Gang. Am Montag beschloss der Aufsichtsrat die lang erwartete Gründung einer Holding für die beiden Lkw-Marken. Piëch hatte seit Jahren einen eigenen Lkw-Konzern schaffen wollen, um VW auf Augenhöhe mit Konkurrenten wie Daimler und Volvo zu bringen. Für mehr Bewegung soll nun der von Daimler zu VW gewechselte Lkw-Boss Andreas Renschler sorgen.

Keine Billigautos

Seit Jahren versuchen die Wolfsburger vergeblich, im Billigsegment Fuß zu fassen. Die Hoffnungen, dies zusammen mit Suzuki zu schaffen, sind geplatzt, weil sich der japanische Kleinwagenspezialist von VW dominiert sah. Aus der angestrebten Partnerschaft wurde ein Rosenkrieg. Währenddessen machen andere wie der französische Konkurrent Renault mit seiner Billigtocher Dacia das Geschäft. VW hat Insidern zufolge zuletzt mit dem chinesischen Hersteller Great Wall über eine Zusammenarbeit bei der Entwicklung günstiger Autos gesprochen.

Im Juni war der Absatz von Audi in China bereits um knapp sechs Prozent geschrumpft. Im vergangenen Jahr hatte die Marke mit den vier Ringen im Reich der Mitte 578.900 Fahrzeuge losgeschlagen, ein Plus von fast 18 Prozent.

Die Hauptmarke VW-Pkw kämpft dort bereits seit einigen Monaten mit rückläufigen Verkaufszahlen. Und ein Ende der Talfahrt ist nicht absehbar. Der chinesische Branchenverband hatte jüngst seine Absatzprognose für den weltgrößten Automarkt von sieben auf nur noch drei Prozent zurückgeschraubt. Der Wachstumsrückgang trifft die deutschen Autobauer wegen ihres hohen Marktanteils im Reich der Mitte besonders.

Damit steigt die Zahl der Baustellen für Europas größten Autobauer: China war bisher einer der wenigen Lichtblick für Volkswagen. Denn in Brasilien und Russland befindet sich der Absatz schon seit einiger Zeit im Rückwärtsgang. In den USA zuckeln die Wolfsburger zudem wegen einer verfehlten Modellpolitik hinter der Konkurrenz hinterher.

In der Volksrepublik sprudelt der Gewinn dagegen bisher. Die Analysten von Morgan Stanley schätzen, dass der Anteil der beiden chinesischen VW-Gemeinschaftsunternehmen am Nettogewinn des Wolfsburger Imperiums einschließlich Lizenzgebühren und Einnahmen aus dem Import von Autos bei mehr als 50 Prozent liegt.

Wenn nun auch Audi schwächelt, könnte dies Spuren beim Gewinn des Zwölf-Marken-Konzerns in den kommenden Monaten hinterlassen, befürchten einige Experten. Nach Ansicht von Arndt Ellinghorst vom Analysehaus Evercore ISI ist die Prognosekorrektur in China allein noch kein Drama: „Ob Audi 30.000 oder 40.000 mehr oder weniger in China verkauft, ändert nichts“, sagte er. VW habe vor allem strukturelle Probleme zu lösen. Er sei daher gespannt, was das Management im September präsentieren werde. Konzernchef Martin Winterkorn will dem Aufsichtsrat Ende September sein Konzept für den Umbau des Zwölf-Marken-Imperiums präsentieren.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Herr Marc Otto

16.07.2015, 12:51 Uhr

Ach WICO

du landest einen Flop nach dem anderen.

Frau Ich Kritisch

16.07.2015, 13:39 Uhr

es gibt kein unbegrenztes Wachstum.

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