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09.07.2015

09:25 Uhr

Audi, BMW und Mercedes

Wie Tesla die Deutschen ärgert

Der Mercedes S-Klasse, der Audi A8 und der 7er BMW sind die Geldmaschinen ihrer Konzerne. Doch US-Konkurrent Tesla gewinnt Stück für Stück Marktanteile in der Oberklasse. Bisher fehlt den Deutschen die passende Antwort.

Das Tesla Model S ist weiterhin die einzige elektrische Limousine. Die Deutschen tun sich mit dem Elektroantrieb noch schwer. AFP

Allein auf weiter Flur

Das Tesla Model S ist weiterhin die einzige elektrische Limousine. Die Deutschen tun sich mit dem Elektroantrieb noch schwer.

DüsseldorfDie deutschen Absatzzahlen von Tesla wirken auf den ersten Blick ernüchternd. Mit 696 verkauften Fahrzeugen im ersten Halbjahr hat der US-Elektropionier auf dem deutschen Automarkt immer noch einen vergleichsweise kleinen Marktanteil von 0,04 Prozent. Von den 1000 verkauften Fahrzeugen im Monat, die Firmenchef Elon Musk beim Marktstart als Ziel ausgab, ist man noch ein gutes Stück entfernt.

Doch ein Misserfolg sind die Halbjahreszahlen trotzdem nicht. Mit nur einem Modell sind die Fortschritte von Tesla in Deutschland durchaus beachtlich. Insbesondere wenn man in Betracht zieht, dass die Tesla-Zahlen nicht durch Eigenzulassungen geschönt werden wie bei der Konkurrenz und das Vertriebsnetz deutlich kleiner ausfällt. Im Vergleich zum Vorjahr konnten die Verkäufe des Model S im ersten Halbjahr deutlich zulegen, alleine im Juni um 110 Prozent.

Absatzsprung bei „Model S“: Tesla erreicht neuen Rekordwert

Absatzsprung bei „Model S“

Tesla erreicht neuen Rekordwert

Der Elektroautohersteller Tesla kann sich über deutlich gestiegene Absatzzahlen freuen, die Verkaufsprognosen wurden übertroffen. Die Auslieferungen des aktuellen „Model S“ ist im Jahresvergleich um 52 Prozent gestiegen.

Damit rückt Tesla näher an die Marktführer in der Oberklasse, wie Porsche 911 und Cayenne, die Mercedes S-Klasse und den Audi A8. Ambitionierte Modelle wie den Jaguar F-Type und den Maserati Ghibli kann Tesla im ersten Halbjahr bereits hinter sich lassen. Mit einem Modell verkaufen die Amerikaner in Deutschland mittlerweile rund 10 Prozent so viele Fahrzeuge wie Branchenprimus Porsche mit seiner gesamten Modellpalette. Im Juni verkaufte sich das Model S in Deutschland sogar besser als der auslaufende 7er von BMW und der Porsche Panamera.

Für die deutschen Hersteller sind die jüngsten Zahlen eine Warnung. „Es ist eine riskante Wettbewerbsstrategie, Tesla auf die leichte Schulter zu nehmen“, sagt Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center of Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen. Denn die Amerikaner werden für die deutschen Premiumhersteller zunehmend zum Ärgernis. In der Oberklasse sind die Margen immer noch deutlich höher als in anderen Segmenten. Und die großen deutschen Autobauer haben dem Model S derzeit wenig entgegenzusetzen.

Weltweit konnten die Verkäufe des Model S im ersten Halbjahr um 54 Prozent auf 21.500 Fahrzeuge zulegen. Auf dem Heimatmarkt USA setzt das Model S längst zum Überholmanöver an. Nach 10.200 verkauften Fahrzeugen in den ersten sechs Monaten dürfte es die S-Klasse schon im Laufe des Jahres als meistverkauftes Oberklasse-Modell in den USA ablösen. In der Schweiz landen nur der Porsche 911, der Porsche Cayenne und der Range Rover Sport vor Tesla. Und das obwohl die Schweiz keine Subventionen für Elektroautos zahlt. In Märkten wie Norwegen und den Niederlanden, wo der Kauf staatlich gefördert wird, landet Tesla längst vor den Deutschen.

Für Autoprofessor Dudenhöffer sind die Erfolge von Tesla in der Oberklasse auch ein Hinweis darauf, dass sich die Plug-in-Hybrid-Offensive der deutschen Premiumautobauer am Ende als eine teure Fehlinvestition entpuppen könnte. „Es besteht die große
Gefahr, dass die Premiumhersteller in die falsche Technologie investiert haben“, so Dudenhöffer. Beim Absatz fallen die halbelektrischen Varianten des Porsche Panamera, des Porsche Cayenne und der Mercedes S-Klasse noch deutlich hinter Tesla zurück. Selbst kompakte Modelle mit Plug-in-Hybrid wie der Audi e-tron und der Golf GTE verkaufen sich ohne Eigenzulassungen schlechter als Model S.

Porsche und Audi sollen darum bereits an einem rein elektrischen Tesla-Killer arbeiten. Doch vor dem Jahr 2018 dürfte keines der Modelle auf den Markt kommen. Bis dahin bleibt Tesla auch international unangefochten in der elektrischen Oberklasse.

Von

bay

Kommentare (28)

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A. Leitner

09.07.2015, 10:35 Uhr

Seit einem Monat auch mein Auto der Wahl und ich würde den Deutschen so schnell kein Auto mehr abkaufen. Sorry, die Deutschen Autobauer haben einfach versagt.

Herr Fred Meisenkaiser

09.07.2015, 10:54 Uhr

Aber hat die Deutsche Autolobby nicht beschlossen, dass dsa Elektroauto noch lange nicht rentabel, praktikabel und sinnvoll ist?
Und die bösen Tesla-Hersteller halten sich nicht daran? Das ist aber gemein!

Wieder einmal hat die Lobbyarbeit ins Abseits geführt!

Account gelöscht!

09.07.2015, 11:08 Uhr

Was ist denn das wieder für ein Grüner Propagandaartikel?!
Ein Tesla Fahrzeug ist so unnütz, wie Eiswürfel in der Antarktis verkaufen zu wollen.
Ohne die steuerlichen Vergünstigungen und staatlichen Subventionen der jweiligen Tesla-Absatzländer, wärde Tesla überhaupt nicht marktfähig.
Wertschöpfung und Mehrwert ist beit Tesla und allen anderen E-Fahrzeugen gleich NULL!

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