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21.12.2012

14:56 Uhr

Audi-Chef Stadler

„Der Wind wird deutlich schärfer“

Trotz neuer Rekordzahlen geht Audi-Chef Stadler nur mit einem vorsichtigen Ausblick ins neue Jahr. Die Autokrise in Europa bekommt auch der Premiumhersteller deutlich zu spüren.

Auch bei Audi hält die Krise Einzug. dapd

Auch bei Audi hält die Krise Einzug.

IngolstadtWegen der Krise in Europa droht dem erfolgsverwöhnten Autobauer Audi erneut ein Jahr ohne Gewinnsteigerung. "Wir werden beim Absatz - Wind und Wetter vorbehalten - weiter wachsen", kündigte Vorstandschef Rupert Stadler in einem am Freitag veröffentlichten Reuters-Interview für 2013 an. Damit werde auch der Umsatz zulegen. Eine konkrete Prognose wollte er nicht abgeben. Auf die Frage, ob das Ziel, weiter zu wachsen, auch für das Ergebnis gelte, antwortete Stadler, da lege er heute keine Hand ins Feuer. Konzernmutter VW, Europas größter Autobauer, hat sich für 2013 ein Gewinnplus auf die Fahnen geschrieben - Audi trägt normalerweise fast die Hälfte des Betriebsergebnisses bei. Der sonst zurückhaltende Münchner Rivale BMW hat sich bereits mit dem Ziel eines Gewinnanstiegs für 2013 aus der Deckung gewagt.

Stadler sagte, Audi beobachte aufmerksam, wie sich die Märkte entwickelten, und ziehe "mit gewissen vorsichtigen Einschätzungen" ins nächste Jahr. "Der Wind draußen wird deutlich schärfer." Zudem investiere man viel. Der Oberklasse-Hersteller weitet an einigen Standorten die Produktion aus und zieht ab Mitte 2013 ein neues Werk in Mexiko hoch. Für 2012 rechnen die - sonst auf Rekorde abonnierten - Ingolstädter mit einem stagnierenden operativen Gewinn. Bei der Rendite liegt Audi jedoch regelmäßig vor den Konkurrenten BMW und Mercedes.

Auch die deutschen Oberklasse-Autobauer spüren inzwischen die tiefe Absatzkrise in Europa, denn auf dem Heimatkontinent verkaufen sie fast die Hälfte ihrer Fahrzeuge. Zuletzt wurden in Europa allerdings so wenige Pkw neu zugelassen wie vor 20 Jahren. Vor allem in den schuldengeplagten Staaten des Südens trauen sich viele Menschen angesichts hoher Arbeitslosigkeit und schlechter Aussichten nicht mehr, ihr Geld für teure Anschaffungen wie Autos auszugeben. In Italien und Spanien liege die Absatzentwicklung auf dem niedrigsten Niveau seit fast 30 Jahren, erläuterte der Audi-Chef. "Die Kunden in ganz Europa sind verunsichert." Besonders betroffen von der Krise sind Massenhersteller, die ihre Klein- und Mittelklassewagen vor allem in Europa verkaufen, darunter Opel, PSA Peugeot Citroen oder Fiat.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

Audi setzt dagegen auch im schrumpfenden europäischen Markt mehr Fahrzeuge ab, nach eigenen Angaben vor allem dank neuer Modelle wie dem A6 und kleinerer Fahrzeuge wie dem Q3. Zudem können die Ingolstädter und ihre Oberklasse-Rivalen Schwächen in Europa locker anderswo wettmachen. Im weltgrößten Automarkt China ist Audi seit langem unangefochtener Marktführer im Segment der teuren Limousinen und Geländewagen. Auch in den USA sowie in vielen aufstrebenden Ländern macht der Konzern glänzende Geschäfte.

Kommentare (2)

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Fakten

21.12.2012, 16:31 Uhr

Autos kaufen keine Autos. Und vielen Bürgern fehlt das Geld für die überzogen teuren PKWs. Das Nettogeld, das immer weniger wird, erlaubt keine Autokäufe. Viele Bürger werden sich noch wundern, wenn die kommunalen Abschlagszahlungen und die Stromabschläge 2013 vorliegen. Dann ist Schluss mit lustig. Die Folgen werden sich verstärken, und hoffentlich denken zu den Wahlen 2013 mal viele Millionen Bürger über ihren Wahlquatsch nach. Denn wer wählt seinen eigenen Henker?

Account gelöscht!

23.12.2012, 12:42 Uhr

AUDI, DAIMLER und BMW (u.a.) sind Luxusmarken und Luxusmarken haben globale Kunden.

"Autos kaufen keine Autos" ist richtig, aber FALSCH wäre es zu Denken, dass Luxusattribute keinen Wert haben. Etliche teure Autos sind teuer, weil es Luxus ist und Kunden diese Markenemotion schätzen und dafür zahlen.

Konzerne wie VW werden auch "billige Autos" anbieten, aber nicht unter einem teuren Label.

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