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18.12.2014

16:07 Uhr

Audi, Opel und Jaguar

Russische Autohändler werden nicht mehr beliefert

Der Rubelverfall frisst die Gewinne der Autobauer in Russland. Audi und Opel haben die Auslieferungen an ihre Händler vorübergehend eingestellt. Der einstige Wachstumsmarkt rutscht immer tiefer in die Krise.

Vom Wachstumsmarkt zum Millionengrab: Auf dem russischen Automarkt herrscht Eiszeit. Reuters

Vom Wachstumsmarkt zum Millionengrab: Auf dem russischen Automarkt herrscht Eiszeit.

MoskauDer russische Automarkt muss die nächste Schockwelle verdauen: General Motors, Audi und Jaguar Land Rover stoppten diese Woche vorübergehend die Auslieferung von Neuwagen an ihre Händler. Damit reagierten die Autobauer auf den Einbruch des Rubels.

Ohnehin waren die Umsätze auf dem einstigen Wachstumsmarkt seit Juni um 40 Prozent eingebrochen - die größte Krise seit 1998. Einige Russen investierten ihr Erspartes zwar in teure Autos, um es vor dem Wertverlust zu schützen. Doch der starke Rubelverfall frisst die Verkaufsgewinne der Hersteller wieder auf.

Der US-Autobauer General Motors (GM) hatte seine Händler am Dienstag angewiesen ihre "Geschäftsrisiken in den Griff zu bekommen", wie es in einer E-Mail aus Detroit hieß. Das Unternehmen hatte zudem die Auslieferung neuer Fahrzeuge ausgesetzt. Die Kunden bekommen nur noch, was vorher bestellt wurde - natürlich zum Preis zum Bestellzeitpunkt. Betroffen sind Fahrzeuge der Marken Opel, Chevrolet und Cadillac.

Die größten Automarken in Russland

Platz 10

Platz 10 - BMW - 6.095 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Die Nobelmarken laufen in Russland immer noch. Darum kann BMW mit einem Plus von drei Prozent in die Top Ten aufsteigen.

Quelle: AEB ACM

Platz 9

Mercedes-Benz - 7.326 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Noch besser sieht es für Daimler aus. Für die Schwaben legten die Verkäufe in Russland sogar um 18 Prozent zu. Eine Nobelkarosse ist für die Russen ein gute Versicherung gegen Währungsturbulenzen.

Platz 8

Skoda - 10.743 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Die tschechische VW-Tochter baut ihre Fahrzeuge in den russischen Werken in Kaluga und Nischni Nowgorod. Bestseller ist der Octavia.

Platz 7

Volkswagen - 11.969 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Auch VW-Chef Winterkorn sieht die Lage in Russland sehr kritisch. Die Verkäufe der Wolfsburger in Russland sind um satte 40 Prozent eingebrochen.

Platz 6

Toyota - 14.292 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Die Japaner bleiben in Russland ambitioniert. Auch wenn der Absatz um 29 Prozent eingebrochen ist, will der Weltmarktführer weiter schwarze Zahlen schreiben und Marktanteile gewinnen.

Platz 5

Renault - 17.909 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Die Franzosen profitieren von ihrem hohen Anteil lokaler Produktion. Dem Abwärtstrend des Markten können sie sich trotzdem nicht entziehen. Die Verkäufe brachen um satte 40 Prozent ein.

Platz 4

Nissan - 18.548 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Auch der japanische Partner von Renault hat mit Problemen zu kämpfen. Weil der Absatz um 34 Prozent eingebrochen ist, wurde nun auch die Produktion in einigen russischen Werken vorübergehend gestoppt.

Platz 3

Kia - 23.909 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Die Koreaner fahren in Russland gerade die Strategie "Augen zu und durch". Trotz Verlusten halten sie die Preise stabil. Darum fällt das Minus mit zwei Prozent sehr klein aus.

Platz 2

Hyundai - 25.940 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Auch die Schwestermarke finanziert das Wachstum in Russland aus der Kriegskasse. Für Hyundai geht es gegen den Markttrend sogar um vier Prozent aufwärts.

Platz 1

Lada - 41.131 verkaufte Fahrzeuge im Januar und Februar 2015

Auf dem Heimatmarkt profitieren die Russen zwar von einer Abwrackprämie. Doch auch der Marktführer bekommt das raue Klima des Marktes zu spüren. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Absatz um ein Viertel eingebrochen.

Und auch bei der VW-Premiumtochter Audi werden die Händler vorerst nicht mehr mit neuen Autos beliefert. Verkauft wird nur noch, was im Bestand ist. Man wolle die Lieferungen wieder aufnehmen, wenn man die Preisliste überarbeitet habe, so ein Sprecher von Audi gegenüber Handelsblatt Online. Darum habe man die Lieferungen um eine Woche verschoben. Auf dem russischen Markt ist Audi der zweitgrößte Premiumhersteller. Der sinkende Absatz wirkt sich auch auf die Produktion aus: Im russischen Werk Kaluga sollen die Bänder vom 22. Dezember 2014 bis zum 12. Januar 2015 stillstehen.

Der Rubel steht unter anderem wegen des fallenden Ölpreises seit Monaten unter Druck. Zwischenzeitlich verlor die Währung im Vergleich zum Dollar seit Jahresbeginn mehr als 50 Prozent - entsprechend brachen die Preise bei der Umrechnung in Dollar oder Euro ein.

In der Autoindustrie sorgt der Rubelverfall für "ziemliche Schmerzen", wie Analyst Arndt Ellinghorst von Evernote ISI die Lage kommentiert. Neben GM und Audi haben auch kleinere Marken wie Land Rover Jaguar ihre Verkäufe vorübergehend eingestellt. Erst ab dem 19. Dezember wollen die Briten wieder in Russland verkaufen.

In erster Linie vermeiden die Autobauer damit unnötige Verluste. Allein BMW dürfte der Rubeleinbruch auf die Hälfte100 bis 150 Millionen Euro kosten, schreibt Ellinghorst. Für Daimler, Volkswagen, Renault und Hyundai dürften die Effekten noch heftiger sein, so der Analyst weiter.

Bei VW will man die Verkäufe trotzdem fortsetzen. Den Markt würde man aber sehr genau im Blick behalten, hieß es aus dem Unternehmen. Ganz einstellen will BMW die Verkäufe trotzdem nicht. Bereits im Frühsommer habe man aber Autos in "attraktivere Märkte" verlegt, so BMW-Sprecher Nikolai Glie. Im November haben die Münchener in Russland rund 33.500 Fahrzeuge verkauft - satte 17 Prozent weniger als im Vorjahr.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

18.12.2014, 14:12 Uhr

Der Rubelverfall frisst die Gewinne der Autobauer in Russland. Audi und Opel haben die Verkäufe vorübergehend eingestellt. Der einstige Wachstumsmarkt rutscht immer tiefer in die Krise.


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Warten wir es ab bis...

aus CHINA auch Konflikte kommen...

und fragen wir dann an " VW und AUDI " ...

" WARUM HABT IHR MEHR IN CHINA INVESTIERT...

ALS IN EURE HEIMAT DEUTSCHLAND ??? "








Herr Thomas Ungläubig

18.12.2014, 14:35 Uhr

Sanktionen sollen schließlich auch wirken, oder?

Account gelöscht!

18.12.2014, 14:52 Uhr

"Sanktionen sollen schließlich auch wirken".

Und das tun sie mit Erfolg. Westliche Automobilbauer können kaum noch Neuwagen nach Rußland verkaufen.

Super: Das wird die Aktionäre von GM, VW, Daimler etc. ja in helle Freude versetzen. Ein Absatzmarkt bricht ihnen weg. Welche ein Grund zum Jubel! Sie sollten glatt "Jauchzet, frohlocket!" singen.

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