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12.06.2013

15:48 Uhr

Auf nach Übersee

Deutsche Autohersteller wandern aus

Viele deutsche Autohersteller machen glänzende Geschäfte in Übersee. Deshalb fertigen die Firmen längst einen erheblichen Anteil ihrer Autos im Ausland. Das koste daheim aber keine Jobs, beschwichtigen die Hersteller.

Weil das Geschäft im Ausland floriert, wandern viele deutsche Autohersteller aus. dapd

Weil das Geschäft im Ausland floriert, wandern viele deutsche Autohersteller aus.

München/GyörDie Globalisierung hat Kennzeichnungen à la „Made in Germany“ längst überholt. Die auch in China oder den USA so heiß begehrten deutschen Autos kommen immer seltener aus dem Mutterland des Automobils. Allein VW hat in seinem verzweigten Reich 100 Standorte in weltweit 27 Ländern. Opel wird ab 2015 sein wichtigstes Modell, den Astra, nur noch in England und Polen und gar nicht mehr in Deutschland zusammenbauen lassen. Es kann sein, dass ein Kunde in den USA ein in Deutschland gebautes Auto fährt, während der deutsche Autokäufer einen einheimischen Importwagen hat.

2012 liefen noch 5,4 Millionen der insgesamt 13,6 Millionen von deutschen Herstellern gebauten Fahrzeugen hierzulande vom Band. Auch angesichts des Produktionsstarts bei Audi in Ungarn wird die Zahl der im Ausland gebauten Wagen weiter wachsen. Seit vor drei Jahren die Auslands- die Inlandsproduktion überholt hat, öffnet sich die Schere weiter. Auch für 2013 rechnet der Verband der Automobilindustrie (VDA) damit, dass bei etwa gleichbleibender Produktion in Deutschland das Ausland deutlich zulegt.

Es gibt mehr als einen Grund für diese Entwicklung. Einer ist, dass die Produktion den Märkten folgt - und die wachsen nun mal vor allem in Übersee. Dazu kommen die deutlich niedrigeren Kosten in vielen Ländern.

Ungarn liegt zwar nicht in Übersee, lockt die Hersteller aber mit niedrigen Löhnen und der Nähe zu wichtigen europäischen Märkten mit deutlich höheren Lohnkosten. Seit Jahren investieren Autobauer und Zulieferer in dem Binnenland - von Daimler, Opel, Audi über ZF, Faurecia, Conti oder Bosch. Das gilt auch für andere Länder. Vor wenigen Wochen begann Audi mit dem Bau einer Fabrik in Mexico. „Wenn Mitte 2016 der erste Audi Q5 in Mexiko vom Band fährt, produzieren wir zum ersten Mal in unserer Geschichte außerhalb Europas ein Auto komplett für den Weltmarkt“, sagt Audi-Chef Rupert Stadler.

Die innovativsten Autostandorte

Quelle

In der Studie „European Automotive Survey 2013“ haben die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young 300 europäische Unternehmen der Automotive-Branche befragt, wie sie die Innovationskraft der Automobilstandorte bewerten.

Platz 18

Spanien
Die Spanier verlieren im Innovationsranking satte 12 Prozentpunkte. Drei Prozent halten das Land in punkto Innovationskraft für sehr wettbewerbsfähig, 14 Prozent für eher wettbewerbsfähig. Damit sind die Spanier Schlusslicht in Europa.

Platz 17

Ungarn
Mit Daimler und Audi haben zwei deutsche Hersteller große Werke in Ungarn. In punkto Innovationskraft hat das osteuropäische Land enormen Nachholbedarf. Ein Prozent halten die Ungarn in diesem Feld für sehr wettbewerbsfähig, 17 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 16

Türkei
Gleichauf mit Ungarn sind die Türken in punkto Innovationskraft. Auch die Türkei ist für ein Prozent der befragten Unternehmen sehr wettbewerbsfähig, für 17 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Platz 15

Polen
Der Nachbar ist ein wichtiger Produktionsstandort für deutsche Autokonzerne, doch nicht sonderlich innovativ. Drei Prozent halten die Polen für sehr wettbewerbsfähig, 17 Prozent für wettbewerbsfähig. Das sind acht Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.

Platz 14

Slowakei
Die Heimat von VW-Tochter Skoda schneidet im Innovationsranking ebenfalls eher schlecht ab. Zwei Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 23 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 13

Italien
Satte neun Prozentpunkte haben die Italiener im Innovationsranking eingebüßt. Die Heimat von Fiat und Ferrari halten mittlerweile nur noch vier Prozent aller befragten Unternehmen für sehr wettbewerbsfähig,  24 halten Italien für eher wettbewerbsfähig.

Platz 12

England
Das Vereinigte Königreich war einst eine stolze Autonation. In punkto Innovation ist davon wenig geblieben. Erneut büßen die Briten 11 Prozentpunkte ein – und rutschen damit im Ranking ab. Sieben Prozent bewerten UK als sehr wettbewerbsfähig, 23 Prozent als eher wettbewerbsfähig.

Platz 11

Tschechien
Unter Osteuropas Ländern belegen die Tschechen einen Spitzenplatz, insgesamt reicht das aber nur fürs Mittelfeld. Vier Prozent halten Tschechien für sehr wettbewerbsfähig, 27 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 10

Russland
Die große Wachstumshoffnung in Europa, doch in punkto Innovationskraft besteht Nachholbedarf. Sieben Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 24 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 9

Frankreich
Der große Verlierer im Innovationsranking. 21 Prozentpunkte büßt der Standort Frankreich ein. Nur noch sechs Prozent aller befragten Unternehmen halten das Land in punkto Innovationskraft für sehr wettbewerbsfähig, 28 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 8

Schweden
Die Heimat von Volvo gehört zu den großen Gewinnern des Innovationsrankings. Neun Prozentpunkte haben die Skandinavier im vergangenen Jahr hinzugewonnen. 13 Prozent aller befragten Unternehmen halten Schweden für sehr wettbewerbsfähig, 30 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 7

Indien
Auf Indiens Automarkt regieren die Billigmodelle. Trotzdem wird das Land von den Automobilunternehmen als relativ innovativ angesehen. Zehn Prozent bewerten den Standort als sehr wettbewerbsfähig, 35 als eher wettbewerbsfähig.

Platz 6

Brasilien
Den zweitgrößten Sprung im Ranking macht das südamerikanische Land (+13 Prozentpunkte). Zuletzt haben mehrere Autokonzerne in Brasilien investiert. Die Innovationskraft bewerten zehn Prozent als sehr wettbewerbsfähig, 39 als eher wettbewerbsfähig.

Platz 5

USA
Volkswagen feiert in Amerika immer neue Wachstumsrekorde, auch in punkto Innovationskraft hat das Land zugelegt. 13 Prozent halten den Standort USA für sehr wettbewerbsfähig, 43 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 4

China
Obwohl der chinesische Automarkt sich zuletzt wieder abgekühlt hat, belegt das Land im Innovationsranking einen der Spitzenplätze. 18 Prozent halten China für sehr wettbewerbsfähig, 42 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 3

Südkorea
Hyundai und Kia sorgen auf dem europäischen Automarkt für Wirbel. Das liegt vor allem an der Innovationskraft der südkoreanischen Konzerne. Der Standort gewinnt im Innovationsranking satte 21 Prozentpunkte – mehr als jedes andere Land. Für 20 Prozent aller befragte ist das Land sehr wettbewerbsfähig, für 41 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Platz 2

Japan
Die japanische Autoindustrie hat sich erholt und greift nun wieder nach der Weltspitze – auch in punkto Innovationskraft. 24 Prozent bewerten Japan als sehr wettbewerbsfähig, 41 als eher wettbewerbsfähig.

Platz 1

Deutschland
Geht es nach der Einschätzung der europäischen Automotive-Unternehmen ist kein Land in Europa innovativer als Deutschland. Satte 44 Prozent halten den Standort für sehr wettbewerbsfähig in punkto Innovationskraft, 37 bewerten die Deutschen als eher wettbewerbsfähig

Eine wichtige Begründung liefert er gleich mit. „Nur globale Präsenz kann regionale Schwankungen ausgleichen und unsere Heimatstandorte stärken.“ Auch bei BMW legt man Wert auf die Feststellung, dass der Ausbau der Produktion im Ausland, keine Jobs hierzulande koste. Die Münchner bauen ebenfalls im Ausland Autos. Dabei geht es nicht nur um die niedrigeren Löhne, die in vielen Ländern gezahlt werden. Es geht auch um den Zugang zu Märkten. So erheben manchen Länder etwa Zölle auf importierte Fahrzeuge und wollen Firmen auf diesem Weg dazu bringen, im Land zu investieren. Zudem können Wechselkursschwankungen besser ausgeglichen werden.

„Die Autohersteller haben gar keine Wahl“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Die Produktion in Deutschland habe ihren Höhepunkt überschritten, nun gehe es darum, das Niveau hier stabil zu halten. Mittelfristig werde das die Zahl der Arbeitsplätze in der Autoindustrie drücken, denn um die höheren Kosten der heimischen Fertigung auszugleichen, müsste die Produktion noch weiter automatisiert werden. Zunächst bedrohe der Trend zur auswärtigen Produktion die Belegschaften hier nicht. Der Autoboom in vielen Teilen der Welt lasse die Kassen der deutschen Hersteller klingeln, das komme auch den Beschäftigten in der Heimat zu Gute.

Die Kunden scheint das alles nicht umzutreiben. Sie wollen eine deutsche Marke fahren. Wo der Wagen gebaut wurde, scheint angesichts der hohen Zuwächse zweitrangig. Apple macht es vor: Auf der Rückseite etwa des iPhones steht „Designed by Apple in California Assembled in China“. Bei Audi beschwört Konzernchef Stadler nicht mehr das „Made in Germany“ sondern das „Made by Audi“. Die Qualität, die die hohen Preise der Oberklassehersteller rechtfertigen soll, habe nichts mit dem Ort zu tun. Sorgen, dass etwa in Schwellenländern die Qualität leiden könne, weist die gesamte Branche zurück.

Im Gegenteil: Neue Fabriken mit modernsten Maschinen liefern laut Dudenhöffer sogar bessere Ergebnisse als ältere Fertigungsstätten in der Heimat. Länder wie Ungarn freuen sich jedenfalls über das Engagement der Branche, schafft sie doch tausende Jobs, allein Audi beschäftigt dort inzwischen rund 9000 Menschen. Die vor 20 Jahren gegründete Fabrik in Györ war Audis erster Standort außerhalb Deutschlands, inzwischen sind es sieben, das künftige Werk in Mexico nicht mitgezählt.

Von

dpa

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

12.06.2013, 16:04 Uhr

Daß
1. in einem belanglosen Artikel auch

2. der völlig belanglose Dödelhöfer mit seinem

3. absurd belanglosen Kommentar ("Neue Fabriken mit modernsten Maschinen liefern sogar bessere Ergebnisse als ältere Fertigungsstätten in der Heimat") zitiert wird, macht

4. alles nur noch belangloser.

Bmehrens

12.06.2013, 16:59 Uhr

Deutsche Autohersteller WANDERN aus - haben die kein Auto?

Account gelöscht!

12.06.2013, 17:02 Uhr

Um richtig erfolgreich zu sein, muessen die nicht nur die Produktion auslagern, sondern auch die Gewinne. Apple ist das beste Vorbild. Aber es gibt auch viele andere Unternehmen, welche dies als Vorteil erkannt haben.

Arbeitsplaetze in Deutschland und Staatschulden aus dieser Strategie? Nun ja, die FED druckt doch staendig neue Arbeitsplaetze, wenn auch mit wenig Erfolg. Vielleicht kann es die EZB besser.

Aber mal ehrlich, wirklich Erfolgreiche verdienen doch ihr Geld am Kapitalmarkt und nicht bei einem Arbeitgeber. Da hilft das Konzept der Zentralbanken mit der Geld(er)pressung hervorragend. Also alles im Lot!

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