Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.01.2011

21:42 Uhr

Auf US-Automesse

Fiat-Boss Marchionne erteilt VW und Daimler Abfuhr

VonAstrid Dörner, Katharina Kort

Schlagabtausch in zwei Akten und mit ernstem Hintergrund: Nach Spekulationen über den Verkauf einzelner Sparten hat Fiat-Chef Sergio Marchionne die US-Automesse genutzt, um der deutschen Konkurrenz die Meinung zu sagen. Der Italiener erteilte dem Interesse von VW an Alfa Romeo und von Daimler an der Industriesparte in Detroit eine deutliche Abfuhr.

Fiat- und Chrysler-Boss Sergio Marchionne: Derzeit kursieren viele Gerüchte über mögliche Verkäufe einzelner Marken. DAPD

Fiat- und Chrysler-Boss Sergio Marchionne: Derzeit kursieren viele Gerüchte über mögliche Verkäufe einzelner Marken.

DETROIT/MAILAND. Sergio Marchionne, Super-Boss von Fiat und Chrysler - wie meist mit schickem schwarzem Pullover gekleidet -, ist es mit den Deutschen zu bunt geworden. "Wir wären daran interessiert, Teile von VW zu kaufen", wiederholt er seine Attacke vom Vortag.

"War das eigentlich als Witz gemeint", wird er von einem deutschen Journalisten gefragt und entgegnet prompt: "Das ist genauso wenig ein Witz, wie euer Versuch, Alfa zu kaufen."

Es ist der zweite Akt der deutsch-italienischen Spiegelfechterei. Tags zuvor hatte der Fiat-Boss bereits geraunzt: Die Rassepferde des italienischen Rennstalls könnten sich die Deutschen abschminken. Weder die Sportmarke Ferrari noch Alfa Romeo oder Iveco stünden zum Verkauf. Im Gegenteil: "Wenn Volkswagen sein Lkw-Geschäft verkaufen will, wäre Fiat Industrial ein potenzieller Käufer." Die Stichelei ging eindeutig an den Adressaten Martin Winterkorn, den VW-Chef, der sein Interesse an Alfa Romeo immer wieder betont.

Marchionne wirkt beim Thema VW angefressen. Leise spricht der Manager und undeutlich, zusammengesackt in dem schwarzen Ledersessel, die Hände umschlingen eine Plastikflasche mit "Diet Green Tea". Doch die Aussagen des Fiat-Bosses sind alles andere als kalorienarm. "Sie schreiben auf einem Notizblock von VW", raunzt er einen Reporter an.

Direkt miteinander über das Thema gesprochen haben die Deutschen und italienischen Autobosse allerdings noch nicht. "Das ist eine Art Spielchen zwischen den beiden. Weil VW immer wieder Alfa Avancen macht, war das die Chance zur Replik", sagt Autoanalyst Thierry Huon von BNP Paribas. Der VW-Chef hatte in Detroit zuvor aber klar gemacht: "Unsere Pläne für die Zusammenarbeit zwischen VW, MAN und Scania sind klar. Die Frage ist nur, wann und wie wir sie umsetzen."

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×