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31.05.2012

13:54 Uhr

Aufbau in China

Preisdruck zwingt Voith zur Verlagerung

Die Billigkonkurrenz in China macht Voith Probleme beim Absatz seiner Papiermaschinen. Auf wichtigen Märkten droht der Konzern abgehängt zu werden. Jetzt werden in Deutschland Stellen abgebaut, in China wird aufgebaut.

Ein Arbeiter der Firma Voith montiert in Heidenheim an der Brenz einen Schiffsantrieb. dpa

Ein Arbeiter der Firma Voith montiert in Heidenheim an der Brenz einen Schiffsantrieb.

Stuttgart/HeidenheimEinbrüche am Papiermarkt bescheren dem Anlagenbauer Voith im ersten Geschäftshalbjahr 2011/12 (30.9.) einen kräftigen Dämpfer. „Das schlägt sich auf die Ergebnislage im gesamten Konzern nieder“, sagte Unternehmenschef Hubert Lienhard am Donnerstag in Heidenheim.

Im ersten Halbjahr ging der Gewinn um 32 Millionen auf 63 Millionen Euro zurück. In dieser Zeit verbuchte Voith im Papiersegment einen „unerwarteten“ Rückgang beim Auftragseingang um ein gutes Drittel. Beim Umsatz konnte der Konzern die Einbrüche über das breite Portfolio aber auffangen und erlöste mit 2,7 Milliarden Euro vier Prozent mehr. Voith-Paper hat den größten Anteil am Umsatz, er soll weiter führender Anbieter in dem Bereich bleiben.

Insgesamt schrumpfte der Auftragsbestand leicht auf 5,9 von sechs Milliarden Euro vor Jahresfrist. Insbesondere bei Papiermaschinen waren Aufträge Mangelware: Der Ordereingang brach im Halbjahr um gut ein Drittel auf 785 Millionen Euro ein. Voith habe als Misch-Konzern dennoch „Robustheit“ bewiesen und den Einbruch im größten Geschäftsfeld weggesteckt, sagte Lienhard.

Der Konzern blickt vorsichtig positiv auf das Gesamtjahr. „Wir haben einen kerngesunden Konzern“, sagte Lienhard. So werde der Umsatz - angetrieben von den im vergangenen Jahr hereingeholten Großaufträgen für Wasserkraftturbinen und weiter guter Nachfrage nach Antrieben und Industrie-Dienstleistungen - bis Geschäftsjahresende zulegen. Er erwarte zudem ein „deutlich positives“ Ergebnis.

Angesichts „grundlegender Veränderungen“ am Papiermarkt hatte Voith in der vergangenen Woche den Abbau von 710 Stellen in Deutschland und Österreich angekündigt. „Wir sehen zum einen eine klare Rezession am Papiermarkt in Europa“, sagte Lienhard. Zudem könne Voith derzeit nicht mit den Preisen am Zukunftsmarkt China mithalten. Voith habe ein „Preisproblem“, räumte Lienhard ein. Daher werde sich Voith Paper in dem stark nachgefragten Segment mittelgroßer Anlagen in China positionieren und dort Stellen aufbauen, sagte Lienhard. er.

„Mit einem Export aus Deutschland nach China können wir dort nicht am Wettbewerb teilnehmen“, sagte der Manager. Daher müsse Voith als Weltmarktführer bei seiner Papiermaschinen-Produktion in Deutschland und im Nachbarland Österreich abspecken und in China eine komplett neue Maschine für asiatische Kunden zur Herstellung von Papier für Verpackungen, Aufkleber und Hygiene-Artikel entwickeln. Diesen wachsenden Absatzmarkt müsse Voith besetzen, andernfalls riskiere das Unternehmen vom Markt verdrängt zu werden.

Der erneute Stellenabbau - 2008 hatte Voith wegen der Auftragsflaute im Zuge der Wirtschaftskrise rund 1000 Jobs gestrichen - koste zwischen 50 und 90 Millionen Euro. Er werde das Konzernergebnis im noch bis Ende September laufenden Geschäftsjahr unter das Vorjahr drücken, sagte Lienhard.

Von

rtr

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