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10.01.2011

16:52 Uhr

Aufschwung

US-Konzerne im Gewinnrausch

VonRolf Benders

Heute nach Börsenschluss eröffnet der US-Konzern Alcoa die Berichtssaison - wohl mit einem deutlichen Gewinnplus. Und auch in vielen anderen Chefetagen der amerikanischen Wirtschaft herrscht nach den deprimierenden Krisenjahren jetzt wieder Zuversicht. Das weckt Hoffnung auf mehr Investitionen und Arbeitsplätze.

Auf Hochglanz: Für die US-Unternehmen fallen große Gewinne ab. Reuters

Auf Hochglanz: Für die US-Unternehmen fallen große Gewinne ab.

NEW YORK. In vielen großen US-Unternehmen hat sich in letzter Zeit ein dramatischer Stimmungsumschwung vollzogen. Die Weltuntergangsängste der Jahre 2008 und 2009 sind Vergangenheit, stattdessen feiert jetzt der uramerikanische Optimismus eine Renaissance. Und das mit gutem Grund.

Experten erwarten, dass die Berichtssaison der US-Konzerne für das Geschäftsjahr 2010, die der Aluminiumkonzern Alcoa heute nach Börsenschluss eröffnet, einen eindrucksvollen Beleg für die wiedergewonnene Ertragskraft der Privatwirtschaft liefern wird. Die im Aktienindex S&P 500 zusammengefassten größten börsennotierten Unternehmen des Landes dürften nach einer Erhebung des Datendienstleisters Thomson Reuters unter Analysten ein Gewinnplus von nicht weniger als 37 Prozent ausweisen.

Ganz vorne rangiert jetzt wieder die Finanzwirtschaft. Groß- und Investmentbanken gelang ein sagenhafter Ergebnissprung von 162 Prozent gegenüber dem Jahr 2009. Da fällt es kaum ins Gewicht, dass die hohen Zuwächse nicht zuletzt auf die extrem schlechten Vergleichszahlen des Jahres 2009 zurückzuführen sind.

Aber auch klassische Industrieunternehmen wie der vom ehemaligen Siemens-Chef Klaus Kleinfeld geführte Alcoa-Konzern erzielen Gewinne wie lange nicht mehr. Wegen des gestiegenen Aluminiumpreises rechnen Analysten beim größten amerikanischen Hersteller des Leichtmetalls im vierten Quartal mit einem Gewinn von 0,18 Dollar je Aktie. Im Vorjahreszeitraum stand bei Alcoa noch ein Verlust zu Buche. Aus den jüngsten Statistiken des US-Handelsministeriums geht hervor: Die Unternehmen können sich inzwischen nicht mehr nur auf stabile Auslandsgewinne stützen, hinzu kommen nun auch steigende Erträge aus dem Inland.

So stiegen die Inlandsgewinne der Firmen außerhalb des Finanzsektors im dritten Quartal 2010 gegenüber dem Vergleichszeitraum 2009 um ein Drittel. Angesichts der allgemeinen Nachfragebelebung rechnen Analysten auch für das vierte Quartal mit überaus starken Ergebnissen.

Auffällig ist allerdings, dass die US-Konzerne die Gewinne der vergangenen Zeit weniger als vor der Krise für neue Investitionen oder Dividendenzahlungen an ihre Aktionäre verwendet haben. Die Folge: Der Barmittelbestand der 419 im S&P 500 vertretenen Unternehmen außerhalb des Finanzsektors legte in den vergangenen Jahren um 49 Prozent zu.

An dieser „Bargeld-Hortung“ lässt sich eine gewisse Skepsis ablesen, ob die Gewinne nachhaltig sein werden. Diese Skepsis scheint jetzt aber endgültig vorbei zu sein. Schon seit Monaten investieren die Unternehmen wieder mehr – und eröffnen so auch Chancen für neue Arbeitsplätze.

Kommentare (7)

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k.h.a.

10.01.2011, 18:24 Uhr

Ziehmlich irrelevant:
Den Unternehmen, die im Ausland, speziell Asien, Schwerpunkt China, produzieren konnten, geht es ein wenig besser - auch wegen basiseffekten, die im US-inland noch stärker die schlechten Zahlen aufbessern. Arbeitsplätze in USA jedenfalls nehmen weiter ab trotz aller anderslautenden Reden der behörden und ihrer Kumpel in den Medien. Das ständig zunehmende Arbeitslosenheer kostet nicht allein Milliarde staatlichen Unterhalt, es konsumiert auch fast nicht. Damit fehlt jedes Potential beim wesentlichen Teil des GDP, der über 70% ausmacht: beim Konsum. Die exponentiell wachsende Verschuldung der USA, privat wie auch öffentlich, läßt schon jetzt das Vertrauen der großen investoren in die Zahlungsfähigkeit des Landes schwinden. Große Gläubiger verlieren täglich, ja stündlich, Millionen bei ihren Dollar-Anlagen. Die US-Unternehmen können jederzeit ihren Standort außer Landes verlegen, zumal die Fabriken längst fort sind. Was bleibt denn noch?

@k.h.a.

10.01.2011, 18:51 Uhr

Woher haben Sie ihr Wissen her?
ist es wirklich fundiert oder nur eine laue Prognose?

Stefan L. Eichner

10.01.2011, 19:00 Uhr

@k.h.a.
ich kann ihnen nur beipflichten. Der US-immobilienmarkt entwickelt sich zum Desaster Teil 2, Fannie und Freddie sind ein Faß ohne boden, die US-Regierung kommt mit der bisherigen Schuldengrenze von knapp über 14 billionen Dollar nicht mehr aus, die US-bundesstaaten und Gemeinden stehen mit etwa 6 billionen Dollar in den Miesen, eine Reihe von bundesstaaten (u. a. Kalifornien und Arizona), wird jetzt, nach dem Auslaufen von Obamas Hilfsprogramm "build America bonds", Schwierigkeiten haben, überhaupt noch Anleihen begeben und sich so finanzieren zu können, mit anderen Worten: ihnen droht jetzt die Zahlungsunfähigkeit und die Fed lässt die Notenpresse auf Hochtouren laufen, flutet den Markt mit billigem Geld, ohne dass dies bisher den gewünschten Wirtschaftsschub gebracht hätte, die Arbeitslosigkeit ist ein ungelöstes Problem, ebenso wie die mehr als 40 Millionen US-Amerikaner, die zum Überleben auf Essensmarken angewiesen sind. Und das alles in einem Land, dessen Wirtschaft zu 70 Prozent vom Konsum abhängig ist.

ich kann deswegen nur sagen: Ein bravo für solche berichte, die uns sagen, mit der US-Wirtschaft gehe es eindeutig bergauf.

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