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01.04.2011

14:15 Uhr

Aufsichtsrat

Bei Hochtief kämpft die alte Garde

VonWolfgang Reuter

Den Übernahmekampf gegen ACS aus Madrid hat Hochtief verloren - doch die Schlacht geht weiter. Doch das Prinzip "nach uns die Sintflut" ist verheerend. Ein Kommentar von Wolfgang Reuter.

Den siegreichen Spaniern, die inzwischen 41 Prozent der Anteile von Hochtief halten, weitere Sitze im Aufsichtsrat verweigern zu wollen - das ist eine Provokation. Sie lässt ACS nur eine Wahl: Sie müssen bei der Hauptversammlung ihre Interessen in einer Kampfabstimmung durchsetzen.

Die Sache wäre vielleicht ja noch halbwegs verständlich, wenn Detlev Bremkamp, der Vorsitzende des Hochtief-Aufsichtsrates, wenigstens eine überzeugende Liste präsentiert hätte. Doch mit Wilhelm Simson, dem ehemaligen Eon-Manager, soll ein 72-Jähriger in dem Gremium bleiben. Auch Heinrich von Pierer, der ehemalige Chef von Siemens, soll wieder gewählt werden, obwohl die Rolle des 70-Jährigen in der Schmiergeldaffäre des Elektronikkonzerns nicht gerade für seine Qualitäten als Kontrolleur spricht.

Doch hier geht es nicht um professionelle Qualitäten und auch nicht um Aktionärsdemokratie. Hier verfährt eine Clique alter Herren nach dem Motto: nach uns die Sintflut. Eher lassen wir uns rauswerfen oder abwählen, als dass wir freiwillig das Feld räumen. Lieber mit fliegenden Fahnen untergehen, als klein beizugeben und einen Kompromiss zu suchen. Denn dass sie untergehen werden, ist völlig klar: ACS wird mit seinen Stimmen die Mehrheit auf der Hauptversammlung haben - zumal die Spanier bis zum Sommer noch Aktien zukaufen wollen.

Niemandem sei verwehrt, dem Verlust der Unabhängigkeit von Deutschlands größtem Baukonzern nachzutrauern. Doch der Kampf ist verloren - und ordnungspolitisch ist es nun einmal so, dass derjenige mit den meisten Stimmen auch am meisten zu sagen hat.

Die Unsinnigkeit der mangelnden Kompromissbereitschaft verwundert - und verärgert. Wie verantwortungslos dieses Verhalten ist, das lässt sich nur vor dem Hintergrund der Ereignisse der letzten Monate verstehen. Die Schlacht um Hochtief war eine der härtesten Übernahmekämpfe der Republik - auch weil es bis zum Schluss kein Einlenken der Essener gab. Sie hatten sogar einen Vermittler abgelehnt und sich einer Investorenvereinbarung kategorisch verweigert. Anders übrigens, als die Gewerkschaften.

Dass die alte Garde gerade dabei ist, die Stimmung und das Klima in dem Konzern weiter zu verschlechtern, stört sie offenbar nicht. Dabei müsste sie wissen, dass ein Unternehmen niemals gegen seinen größten Aktionär geführt werden kann. Doch daran denkt sie offenbar nicht. Nach ihrer Abwahl ist es ja nicht sie, die das Ganze ausbaden muss.

Der Autor leitet das Ressort Unternehmen und Märkte.

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