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10.01.2003

10:09 Uhr

Aufsichtsrat hat Restrukturierungsmodelle diskutiert

EnBW will Salamander zerlegen

Lurchi, das Maskottchen der Salamander AG, muss sich auf neue Eltern und einen harten Sanierungskurs einstellen. Ein deutsches Schuhunternehmen zeigt Interesse an der Schuhsparte. Doch vorher wird dort noch aufgeräumt: Ein Drittel der Stellen fallen weg, zwei Schuhfabriken in Ungarn werden geschlossen. Das beschloss am Donnerstagabend der Aufsichtsrat der Salamander AG.

brb/rtr STUTTGART. Seit Monaten sucht die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) für ihre Tochter Salamander einen Käufer. Jetzt zeichnet sich zumindest für die tief defizitäre Schuhsparte von Salamander eine Lösung ab. Ein deutscher Schuhkonkurrent soll Interesse bekundet haben. Dies hat das Handelsblatt aus EnBW-Kreisen erfahren. Der Vertrag könnte noch im Januar unterschrieben werden.

Parallel zum Verkauf hat die EnBW die Sanierung der Schuhsparte zumindest noch auf den Weg gebracht. Der Aufsichtsrat der Salamander AG hat am Donnerstag über harte Maßnahmen entschieden. Der traditionsreiche Konzern streicht in seiner verlustreichen Schuh-Sparte mehr als ein Drittel der Stellen. Die in Deutschland angesiedelte Produktion in den Werken Vinningen (Südpfalz) und Schrozberg wird ebenso geschlossen wie eine von zwei Schuhfabriken in Ungarn, teilte Salamander nach einer Sitzung des Aufsichtsrats am Freitag mit. 20 Schuhgeschäfte in Deutschland werden ebenfalls dicht gemacht, die Verwaltung in Kornwestheim wird verkleinert. Dadurch fallen nochmals 430 der rund 3500 Stellen in der Sparte weg. Mit der Schließung der genannten Werke werde die Produktionskapazität in den nächsten Monaten um rund die Hälfte verringert, sagte ein Sprecher am Freitag in Kornwestheim. Die einschneidenden Maßnahmen sollen den geplanten Verkauf des Unternehmens erleichtern.

Die als profitabel geltenden Marken „Sioux“ und „Apollo“ werden künftig ebenso wie die Damenschuhe der Lizenzmarke „Betty Barclay“ im ungarischen Saltis statt in Deutschland genäht. Auch das zweite ungarische Werk in Bonyhad mit 900 Mitarbeitern wird geschlossen. Allein in der Produktion fallen damit 1100 von 2800 Stellen weg. Künftig sollen nach Salamander-Angaben mehr Schuhe von Lieferanten bezogen und unter den eigenen Marken verkauft werden. Das Sortiment werde weiter ausgedünnt, der Anteil der Eigenmarken in den Salamander-Läden, der bisher bei 40 Prozent liegt, soll dennoch steigen.

Die vor Jahren organisatorisch getrennten Produktions- und Handelsfirmen sollen wieder vereinigt werden, um beide Bereiche besser aufeinander abzustimmen. Dem fallen 130 von 500 Stellen in Kornwestheim zum Opfer. Insgesamt sind in der Schuhsparte 4800 Mitarbeiter beschäftigt.

Für den scheidenden EnBW-Chef Gerhard Goll ist Salamander kein Ruhmesblatt. Seit vergangenem Jahr will er den drittgrößten deutschen Energiekonzern auf das Kerngeschäft konzentrieren. Salamander passte nicht mehr dazu. Der Mischkonzern hat neben neben Schuhen, die etwa ein Drittel des Umsatzes von 1,2 Mrd. Euro bringen, noch Parkhäuser, Gebäudereiniger und Industriefirmen im Portfolio. Goll war zuletzt auch „die ewige Baustelle Schuhsparte leid“ und hatte auf der EnBW-Hauptversammlung 2002 den Aktionären versprochen, bis zum Jahresende Salamander aus der Bilanz zu nehmen. Das Investmenthaus Morgan Stanley beauftragte er mit dem Verkaufsprozess.

Parallel dazu beschloss Goll bei Salamander ein Squeeze-out-Verfahren, das inzwischen fast abgeschlossen ist. Demnächst wird Salamander an der Börse verschwinden und Goll hat freie Hand.

Dem EnBW-Chef ist es nicht geglückt, den Verkauf noch 2002 abzuschließen. Morgan Stanley sollte vor allem Finanzinvestoren suchen, die Salamander als Ganzes übernehmen. Goll ist mit keinem Finanzinvestor einig geworden. Zuletzt war Prudential Portfolio Managers (PPM) heißer Favorit, drückte jedoch zu sehr den Preis. PPM wollte die guten Teile, nicht aber die Schuhe. Daraufhin ging Goll selbst wieder auf Käufersuche. In EnBW-Kreisen heißt es, Morgan Stanley sei nicht mehr eingebunden.

Salamander soll jetzt offenbar in Teilen verkauft werden. Für die Parkhausfirma Apcoa gibt es genügend Interessenten. Auch die Deutsche Bahn AG hat Interesse bekundet. Ähnlich sieht es auch bei den anderen attraktiven Salamander-Töchtern aus. Für den Verkauf der Schuhsparte hat EnBW offenbar mit den vier deutschen Schuhfirmen Deichmann, Gabor, Görtz und Wortmann verhandelt und ist mit einer dieser Firmen vorangekommen. Ein EnBW-Sprecher will die Verhandlungen nicht kommentieren. Die Schuhfirmen, meist verschlossene Familienunternehmen, hüllen sich ebenfalls in Schweigen.

Salamander-Chef Gaßner hat jetzt grünes Licht bekommen, die Schuhsparte zu sanieren. Seit Sommer arbeitet er an einem Konzept, wurde aber in der Umsetzung von Goll gebremst. Bei der Schuhsparte schrillen inzwischen auch die Alarmglocken. Sie ist 2002 noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Schon 2001 hat sie bei einem Umsatz von 411 Mill. Euro einen Verlust von 18,8 Mill. Euro ausgewiesen. Seit dem schwierigen Konsumjahr 2002 schreibt auch das deutsche Schuhandelsgeschäft von Salamander Verluste. Dank der profitablen Dienstleistungssparten (Sicherheitsdienste, Gebäudemanagement, Parkhäuser) werde der Konzern im Jahr 2002 insgesamt aber schwarze Zahlen schreiben, sagte der Sprecher.

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