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04.07.2013

15:08 Uhr

Aufsichtsrat Nieke

Daimler-Vorstand sollte von BMW lernen

Daimler-Aufsichtsrat Wolfang Nieke hält seinem Unternehmen den Spiegel vor. In der Mitarbeiterzeitung hinterfragt er Daimlers Entwicklungspolitik – und empfiehlt, sich bei BMW anzuschauen, wie Innovation wirklich geht.

Ein Mercedes-Logo auf einer Felge: Kritik vom Aufsichtsrat an Daimlers Innovationspolitik. dpa

Ein Mercedes-Logo auf einer Felge: Kritik vom Aufsichtsrat an Daimlers Innovationspolitik.

StuttgartDer Autobauer Daimler sollte sich nach Einschätzung eines Aufsichtsratsmitglieds ein Vorbild am Wettbewerber BMW nehmen. „Was hat BMW, was Daimler nicht hat?“, schrieb Betriebsrat und Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Nieke in der Mitarbeiterzeitung des Werks Stuttgart-Untertürkheim. Er gab selbst die Antwort: BMW habe – wie auch Konkurrent Audi – das „Image eines innovativen Unternehmens“, ähnlich wie Apple. „Aber das Entscheidende ist: BMW verfolgt eine langfristig orientierte Unternehmensstrategie“, so Nieke. „Daimler dagegen ist von einer Vielzahl von Investoren abhängig, was ein erheblicher Unterschied ist.“ Bei BMW schütze die Familie Quandt mit ihrer Sperrminorität den Autobauer vor einer ungebetenen Übernahme.

Auch beim Zukunftsthema Elektromobilität sei BMW besser aufgestellt als Daimler, kritisierte der in diesem Jahr erstmals in den Aufsichtsrat eingezogene Betriebsrat. BMW betreibe in Landshut ein Technologiezentrum für Elektromotoren, wo auch Hochvolt-Batterien, Getriebe sowie kleine Verbrennungsmotoren als Reichweiten-Verlängerung für Elektro-Autos produziert werden.

Daimler arbeite hingegen bei Elektromotoren mit Bosch zusammen, die Antriebe für E-Autos liefen im Bosch-Werk in Hildesheim vom Band. Am Stammsitz in Stuttgart sei hingegen die Produktionsplanung für Elektromotoren aufgelöst worden, ebenso ein im schwäbischen Nabern ansässiger Produktionsbereich.

„All diese Entscheidungen haben die Daimler-Vorstände zu verantworten“, schrieb Nieke. Welche Strategie dahinter stecke, sei fraglich. BMW dagegen gehe konsequent seinen Weg und ziehe daraus „seine Stärke“. „Vielleicht sollte der Daimler-Vorstand an dieser Stelle von BMW lernen“, empfahl der Betriebs- und Aufsichtsrat.

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Mit dieser offenen Kritik am Daimler-Management nährt Nieke den schwelenden Konflikt mit Vorstandschef Dieter Zetsche, dessen Vertrag im Februar auf der Druck der Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat nur um drei - statt der bei Daimler üblichen fünf - Jahre verlängert wurde.

Zetsche, dessen Vertrag damit 2016 endet, hatte es sich eigentlich zum Ziel gesetzt, Daimler mit der Pkw-Marke Mercedes-Benz bis spätestens 2020 zum größten und rentabelsten Autobauer in der Oberklasse zu machen. Dazu soll unter anderem ein Sparprogramm über zwei Milliarden Euro, mit dem sich Daimler mehr Spielraum für neue Modelle und bei Forschung und Entwicklung schaffen will. Derzeit fahren BMW und Audi bei Absatz und Rendite weit voraus.

Von

rtr

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