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12.01.2005

07:21 Uhr

Aufsichtsratschef Heinzel hält Börsengang innerhalb der nächsten anderthalb Jahre für möglich

Österreich verkauft Unternehmen

VonOliver Stock

Die österreichische Staatsholding ÖIAG steht weiter unter Privatisierungsdruck. Nach dem Beschluss dieser Woche, die Anteile an der Industriegesellschaft VA Tech an Siemens zu verkaufen, nimmt ÖIAG-Aufsichtsratschef Alfred Heinzel nun die österreichische Post ins Visier.

WIEN. Sogar einen Börsengang des Unternehmens innerhalb der nächsten anderthalb Jahre hält er für möglich. Heinzel folgt damit den Vorgaben der österreichischen Bundesregierung, die bis zum Ende der Legislaturperiode 2006 erste Erfolge bei der Postprivatisierung sehen will. Finanzminister Karl-Heinz Grasser, in dessen Auftrag die ÖIAG handelt, hatte sich jüngst in einem Handelsblatt-Gespräch als „Freund von Liberalisierungen“ bezeichnet und einen Börsengang als grundsätzlich „interessant“ bewertet.

Bei der Post stoßen diese Pläne allerdings nicht auf Gegenliebe. Das Unternehmen hat mit seinen 27 000 Mitarbeitern im Jahr 2003 einen Umsatz von 1,53 Mrd. Euro erzielt und will auch in den kommenden Jahren wie schon 2004 genau 36 Mill. Euro an Dividenden ausschütten. Um wettbewerbsfähiger zu werden, hat die Post angekündigt, in diesem Jahr 357 Postämter in kleineren Dörfern zu schließen. Für die zuständige Gewerkschaft ist schon dies eine Zumutung. Gegen weiter gehende Pläne will sie sich mit allen Mitteln zur Wehr setzen. Post-Gewerkschaftschef Gerhard Fritz lässt keinen Zweifel an der Streikbereitschaft seiner Mitglieder. Er bezeichnet die von Heinzel aufgenommene Diskussion um die Postprivatisierung als „kontraproduktiv“. Auch die Opposition schreit auf: Der sozialdemokratische Parteichef in Oberösterreich, Karl Frais, fordert bereits eine Volksabstimmung darüber, ob die ÖIAG ihr „Ausverkaufsprogramm“ fortsetzen soll.

Bei der Staatsholding ist man diesen Kummer allerdings gewohnt. Die Gesellschaft war 1946 gegründet worden, um Unternehmen in Österreich vor dem Zugriff der russischen Besatzer zu bewahren. Die staatliche Verwaltung der Unternehmen erwies sich jedoch als uneffektiv, was die ÖIAG immer wieder in Krisen stürzte und dafür sorgte, dass sie bis zum Beginn der ersten Legislaturperiode der konservativen Regierung in Österreich unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel im Jahr 1999 einen Schuldenberg von 6,2 Mrd. Euro aufgetürmt hatte. Die Regierung beschloss damals, den bereits eingeschlagenen Kurs der Privatisierung von ÖIAG-Beteiligungen zu forcieren.

Seither hat sich der Schuldenstand der Staatsholding auf 709 Mill. Euro verringert. Zieht man den Erlös aus dem voraussichtlichen Verkauf der VA Tech-Anteile ab sowie die absehbaren Einnahmen aus Unternehmensanleihen, sei der Schuldenstand bei Null angekommen und damit ein „Etappenziel“ erreicht, sagte eine ÖIAG-Sprecherin.

Beendet ist der Privatisierungskurs damit allerdings noch lange nicht. Neben der Postprivatisierung steht noch immer der Verkauf des 30,1 Prozent-Anteils der ÖIAG an der Telekom Austria auf der Tagesordnung. Hier besteht die Schwierigkeit zur Zeit in der Vorgabe der Regierung, „österreichische Kernaktionäre“ für das Unternehmen zu finden. Unter anderem an dieser Forderung der Politik war der Verkauf der Telekom Austria-Anteile an die Swisscom im vergangenen Jahr gescheitert. Als Indiz für seinen Liberalisierungskurs, will Finanzminister Grasser auch die Tatsache verstanden wissen, dass die ÖIAG bei der jüngsten Kapitalerhöhung des größten österreichischen Energiekonzerns OMV nicht mitgezogen hat. Dadurch hat sich der Anteil der ÖIAG verringert. Auch hier könnte sich offenbar langfristig ein Rückzug der ÖIAG anbahnen.

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