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18.09.2013

08:56 Uhr

Aufsichtsratssitzung

Wenning soll Ackermann bei Siemens beerben

VonAxel Höpner

Bei Siemens sollen heute ein neuer Finanzchef und Aufsichtsrat bestimmt werden. SAP-Co-Chef Snabe könnte in das Kontrollgremium einziehen. Neuer Stellvertreter soll offenbar Ex-Bayer-Chef Werner Wenning werden.

Multiaufsichtsrat Werner Wenning könnte bei Siemens zum Cromme-Stellvertreter werden. dpa

Multiaufsichtsrat Werner Wenning könnte bei Siemens zum Cromme-Stellvertreter werden.

MünchenNach den Abtritten von Siemens-Chef Peter Löscher und Aufsichtsrats-Vize Josef Ackermann sortiert sich die Siemens-Führung neu. Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender soll nach Informationen des Handelsblatts Werner Wenning werden. „Er ist der natürliche Kandidat“, hieß es in Aufsichtsratskreisen. Wenning war Anfang des Jahres in das Kontrollgremium gewählt worden.

Neu in den Aufsichtsrat zieht laut Industriekreisen SAP-Co-Chef Jim Hagemann Snabe ein. „Das ist ein geschickter Schachzug“, sagte ein Unternehmenskenner. Hagemann Snabe bringe viel Technologiekompetenz mit – Siemens sieht sich auf dem Feld der Industriesoftware weltweit führend. Auf der anderen Seite habe Hagemann Snabe keine Ambitionen, den Vorsitz zu übernehmen. Somit festigt der nicht unumstrittene Aufsichtsratschef Gerhard Cromme seine Position weiter.

Bereits auf der Gremiumssitzung am Mittwoch in Berlin solle ein Amtserbe für Ackermann bestellt werden, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Der frühere Deutsche-Bank-Chef werde nach seinem Zwist mit Cromme über Löschers Abgang voraussichtlich gar nicht mehr zur Sitzung in die Hauptstadt kommen.

Siemens-Geschäftsfelder und ihre Zukunft

Energietechnik

Der Sektor hat dem Vorstand im vergangenen Jahr wohl den meisten Kummer bereitet. Siemens verpatzte den rechtzeitigen Anschluss von Windparks in der Nordsee und musste eine halbe Milliarde Euro Strafe zahlen. Zudem drückt verstärkt asiatische Konkurrenz auf den Markt für Transformatoren. Siemens reagierte auf den wachsenden Preisdruck mit dem Abbau Tausender Stellen.

Sortieranlagen

Nach Löschers Ansicht wirft das Geschäft mit Sortieranlagen für Postzentren und Flughäfen mit einer Rendite um die fünf Prozent bei Jahresumsätzen von 900 Millionen Euro zu wenig ab. Der Konzern sucht nun nach einem Käufer für das Segment, rund 3600 Mitarbeiter sind betroffen.

Wasseraufbereitung

Ein ähnliches Schicksal wie die Sortieranlagen-Sparte trifft auch die Wasseraufbereitungstechnik. Als Ausrüster von Wasserwerken setzt Siemens zwar rund eine Milliarde Euro um, unter dem Strich bleibt allerdings nur ein einstelliger Millionenbetrag hängen. Die Einheit soll verkauft werden.

Solarenergie-Technik

Der Ausflug in die Solarenergie-Technik erwies sich für die Münchner als teurer Flop. Mit dem Kauf der israelischen Solel für 418 Millionen Dollar und dem Erwerb von Anteilen an der italienischen Archimede wollte Siemens bei der solarthermischen Stromerzeugung mitmischen. Der Markt etablierte sich nie, Solel machte mehr Verlust als Umsatz. Die Anteile an Archimede hat Siemens bereits zurückgegeben, für Solel wurde ein Abnehmer gesucht.

Industriesoftware

Das Geschäft mit Computerprogrammen für die Industrie hat Siemens in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Für die Übernahme der belgischen LMS etwa zahlte der Konzern 680 Millionen Euro. Insgesamt elf solcher Softwareschmieden hat Siemens für zusammen mehr als vier Milliarden Euro gekauft.

Osram

Siemens verschenkt die große Mehrheit seiner Leuchtmittel-Tochter an die eigenen Aktionäre. Gut 80 Prozent sollen die Eigentümer behalten, der Rest bleibt bei der Mutter und deren Pensionsfonds. Siemens will in das Lampengeschäft nicht mehr investieren, Pläne für einen IPO waren gescheitert. Osram steckt selbst in der Sanierung, zunächst soll es keine Dividende geben. Zwischen 7300 und 8000 Stellen sollen weltweit abgebaut werden, einige Standorte geschlossen werden. Die Börsennotierung erfolgte Anfang Juli. Osram macht einen Jahresumsatz von gut fünf Milliarden Euro und erwartet für das laufende Geschäftsjahr wegen der Sanierungskosten Verlust.

Nokia Siemens Networks

Problem gelöst: Seinen Anteil an Nokia Siemens Networks hat der Münchner Konzern im Juli 2013 komplett an den finnischen Partner abgegeben.

Geklärt ist auch die Nachfolge von Finanzvorstand Joe Kaeser, der nach dem Sturz Peter Löschers den Vorstandsvorsitz übernommen hatte. Das Rennen habe Ralf Thomas gemacht, bisher CFO in der Industriesparte, hieß es in Industriekreisen. Thomas kam 1986 zu Siemens und übernahm Ende 2007 seine derzeitige Rolle.

Damit setzte er sich gegen Michael Sen durch, der Finanzchef in der Medizinsparte ist. Sen gilt als sehr selbst- und machtbewusst. Damit entschied sich Kaeser womöglich für die etwas pflegeleichtere Lösung. Allerdings wird im Umfeld des Konzerns betont, dass Sen in der Medizintechnik nahezu unabkömmlich sei. Er hatte dort das erfolgreiche Restrukturierungsprogramm „Agenda 2013“ entscheidend mitentwickelt.

Verlassen wird den Vorstand nach Informationen des Handelsblatts Personalvorstand Brigitte Ederer. Die menschlich sehr beliebte Österreicherin war fachlich nie unumstritten. Sie verlor nun einen Machtkampf mit dem Gesamtbetriebsrat und der IG Metall. Die Funktion des Personaldirektors übernimmt Technologievorstand Klaus Helmrich. Ein Unternehmenssprecher wollte die Personalien nicht kommentieren.

Kommentare (1)

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18.09.2013, 08:21 Uhr

Sieht so die von der Siemens Familie gewünschte Ruhe aus?
Der Münchner Intrigantenstadl geht weiter, da kommt noch einiges ans Licht der Öffentlichkeit. Gut, wenn man da kein Aktionär ist.
Ach ja, hoffentlich wirds Thomas, der Sen kann es nicht.

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