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30.04.2011

18:03 Uhr

Aufstieg mit Risiken

Volkswagen wird zu Volkswagens größter Gefahr

VonMark Christian Schneider

Unterläuft Europas größtem Autobauer kein Fehler, steigt er in den nächsten Jahren zum erfolgreichsten Konzern der Branche auf – doch damit steigt auch das Risiko, Fehler zu machen.

Der Volkswagen-Konzern steht gut da - und vor großen Herausforderungen. Quelle: dapd

Der Volkswagen-Konzern steht gut da - und vor großen Herausforderungen.

HamburgAuf der Dienstag um 10 Uhr in Hamburg startenden Hauptversammlung kann VW-Chef Martin Winterkorn den Aktionären starke Zahlen präsentieren: Die Bilanz weist Rekorde bei Absatz, Umsatz und Gewinn auf. Das lohnt sich auch unter dem Strich: In der Kasse horten die Wolfsburger nach dem ersten Quartal fast 20 Milliarden Euro aus dem Konzernbereich Automobile – und das trotz des Kaufs der Porsche Holding in Salzburg, einer der größten Autohandelsgruppen der Welt, im März für 3,3 Milliarden Euro.

Zum Vergleich: Konkurrent Daimler verfügt über eine Nettoliquidität im Industriegeschäft in Höhe von 12,4 Milliarden Euro. Analysten wie Branchenkenner reiben sich die Augen angesichts der Fortschritte des schon lange großen, aber dafür als behäbig bekannten Autokonzerns. Die Profitabilität, Achillesferse der technikversessenen und dafür renditeschwachen Wolfsburger, stieg in den ersten drei Monaten beachtlich. Volkswagen erzielte 7,8 Prozent operative Umsatzrendite.

Daimlers Chef Dieter Zetsche hat trotz erheblicher Fortschritte das Nachsehen, Analysten vermissen bei den Stuttgartern die Dynamik der Wolfsburger. Mit einer operativen Umsatzrendite von 8,2 Prozent im ersten Quartal ist Daimlers Abstand zu Volkswagen zusammengeschmolzen. Die Anleger straften Daimler dafür am Freitag nach Vorlage der Zahlen ab, griffen einmal mehr bei Volkswagens Vorzugsaktien zu.

Die VW-Vorzüge schnitten Freitag als Tagessieger ab und stiegen um zwei Euro auf 133 Euro. Trotz deutlicher Kursgewinne in den vergangenen Tagen dürfte nach oben noch Luft sein, HSBC-Analyst Horst Schneider hob das Kursziel für die Vorzugsaktien nach den Quartalszahlen vergangene Woche von 160 auf 170 Euro.

Schneider rechnet für das laufende Jahr mit einem neuen Rekordergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von elf Milliarden Euro, mehr als zehn Milliarden trauen den Niedersachsen viele seiner Kollegen zu – trotz immer teureren Rohmaterialien, ungünstigen Wechselkursen und angesichts der Expansion steigenden Fixkosten. Der Gewinnsprung wäre gewaltig: Im Jahr 2010 erwirtschaftete Volkswagen ein Ebit von 7,1 Milliarden Euro.

Kommentare (2)

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Stefan-L-Eichner

30.04.2011, 19:05 Uhr

"Größe ist kein Garant für dauerhaften Erfolg" - sagt Herr Winterkorn. Warum setzt er dann alles daran, dass Volkswagen immer noch größer wird?

Erinnern wir uns an den überraschenden Wirtschaftseinbruch nach der Lehman-Pleite und bedenkt man, wie sehr die Risiken an den Finanzmärkten gestiegen sind (u. a. US-Immobilienmarkt, Rohstoffpreis-Explosion, Staatsschuldenkrise), dann kann sich das Desaster leicht wiederholen. Wie gut kann Volkswagen im Ernstfall einen plötzlichen Absatzeinbruch von 20 Prozent und mehr verkraften?

Wenn nicht, dann werden wir - wie seinerzeit im Falle Opels - auch dann wieder das Thema "Too big to Fail" auf dem Tisch haben. Nur leider sind die Staatsfinanzen derart gebeutelt, dass es wohl kaum mit neuen milliardenschweren Rettungsaktionen zu rechnen sein dürfte. Was dann?

Einanderer

01.05.2011, 09:48 Uhr

Und dann kommt urplötzlich und unvorhersehbar, aber notgedrungen, die Energiewende, und alles wird anders als im Zehnjahres-Schönwetterplan vorhergesehen.

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