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19.01.2012

21:33 Uhr

Auftakt der Bilanzsaison

Die Zeit des satten Gewinnwachstums ist vorbei

VonRolf Benders, Ulf Sommer

Die Erträge der Unternehmen steigen - aber nicht mehr so schnell wie bisher. Der Dämpfer wiegt schwer. Denn die eingetrübte Stimmung drückt auf die Kauf- und Investitionslaune. Eine Analyse.

Die Öl- und Gasindustrie verdient weiterhin prächtig. Reuters

Die Öl- und Gasindustrie verdient weiterhin prächtig.

New York/DüsseldorfGrenzenloses Wachstum gibt es nur in der Mathematik - als theoretische Option. Es endet nie oder im Unendlichen. In der Wirklichkeit hingegen stößt Wachstum zwangsweise an Grenzen. Zu beobachten ist dies gerade bei den Unternehmensgewinnen in den USA.

Acht Quartale lang sind die Gewinne der 500 größten amerikanischen Konzerne ohne Unterbrechung stets zweistellig gewachsen - und die Analysten mussten ihre Prognosen jedes Mal nach oben korrigieren. Jetzt, im vierten Quartal 2011, hat die Dynamik an Fahrt verloren: Zu Jahresschluss legten die Ergebnisse der Firmen im S&P-500-Index nach Prognosen der von Thomson Reuters befragten Analysten nur noch um 7,6 Prozent zu.

Eigentlich ist das keine große Sache. Nichts kann schließlich unendlich wachsen, irgendwann ist eine Korrektur unvermeidlich. Und dennoch wiegt der Dämpfer schwer. Der Grund dafür findet sich in einer anderen Wissenschaft: der Psychologie. Denn die Analysten waren zu Beginn des Quartals, also Anfang Oktober, noch von einem doppelt so starken Gewinnwachstum ausgegangen - von rund 15 Prozent. Im dritten Quartal 2011 lag das Plus sogar bei 18 Prozent, deutlich über den damaligen Erwartungen der Experten.

Gerissene Prognosen aber gelten als besonders böses Omen, auch wenn alle Beteiligten stets bemüht sind, rational zu argumentieren. „Wir glauben nicht an eine Wiederholung der guten Entwicklung aus den vergangenen Quartalen. Die Lage ist heute eine andere, und es gibt erhebliche Risiken“, meint Barry Knapp, Analyst bei Barclays Capital in New York.

Die eingetrübte Stimmung schlägt auf die Kauf- und Investitionslaune, wodurch die Wirtschaftsleistung sinkt, was die Stimmung weiter eintrübt. Das ist die Dynamik hinter einer Trendwende. Berry Knapp kennt sie. Auch deshalb hält er die Chancen auf eine kräftige Zunahme des für die USA so wichtigen privaten Konsums, der 70 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht, für begrenzt. Zudem sind die Einkommenszuwächse gering, und viele Verbraucher sind immer noch mit dem Abbau ihrer Kreditkartenschulden beschäftigt.

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