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30.10.2012

11:38 Uhr

Auftragsrückgang

MAN verdient weniger Geld und prüft Kurzarbeit

Der Nutzfahrzeug-Hersteller erleidet einen Gewinnrückgang. Spediteure transportieren weniger Güter und sparen. Der Verkauf von Lastwagen in Europa bricht ein. Die Volkswagen-Tochter könnte die Produktion weiter drosseln.

Der Lastwagenbauer fährt die Produktion zurück. dapd

Der Lastwagenbauer fährt die Produktion zurück.

MünchenBei seinem Amtsantritt gab sich Anders Nielsen noch großspurig. „Wir wollen Daimler herausfordern“, sagte der neue MAN-Lkw-Chef. Wenige Monate nach seinem Amtsantritt ist die Euphorie verflogen. Schon auf der Nutzfahrzeug-IAA in Hannover hatte sich der Lkw-Bauer der Wolfsburger mit großen Ankündigungen zurückgehalten. Nielsen gab sich wortkarg. Er wolle sich erst einmal einen Überblick über die aktuelle Situation des Unternehmens machen. Nun liegen erste Zahlen vor. Die dürften dem neuen Chef nicht gefallen.

Denn der Nutzfahrzeug-Hersteller hat im dritten Quartal deutlich weniger Gewinn eingefahren. Unter dem Strich verdiente die Volkswagen-Tochter zwischen Juli und September 61 Millionen Euro. Vor einem Jahr waren es noch 171 Millionen Euro. Der Umsatz des Konzerns sank um gut vier Prozent auf 3,9 Milliarden Euro, wie MAN am Dienstag in München mitteilte. Das anhaltend schwierige Marktumfeld habe die Profitabilität belastet, hieß es.

Die weltgrößten Lkw-Hersteller nach Absatz

Platz 10

Ashok Leyland - Indien
Mit 80.000 verkauften Lkws kommen die Inder international auf einen Marktanteil von 2,8 Prozent. Allerdings beschränkt sich das Geschäft im Wesentlichen auf den Heimatmarkt.

Platz 9

Bejing Automotive Industry - China
Der Staatskonzern landet mit 109.400 verkauften Lkws und einem Marktanteil von 3,8 Prozent ebenfalls unter den größten Herstellern der Welt. Auch hier sind die internationalen Ambitionen begrenzt.

Platz 8

Torch - China
Ein weiterer im Westen eher unbekannter Hersteller, der mit einem Lkw-Absatz von 113.200 auf einen Marktanteil von 3,9 Prozent kommt.

Platz 7

Volvo - Schweden
Beim Profit gehören die Schweden zu den absoluten Top-Marken weltweit. Bei den abgesetzten Fahrzeugen landen sie mit 125.800 verkauften Einheiten nur bei einem Marktanteil von 4,3 Prozent.

Platz 6

MAN/Scania - Deutschland/Schweden
Das neue Doppel des VW-Konzerns kommt gemeinsam auf 152.400 verkaufte Fahrzeuge und einen Marktanteil von 5,2 Prozent. Von der Spitze sind die Marken selbst gemeinsam noch weit entfernt.

Platz 5

Tata-Motors - Indien
In Europa machten die Inder vor allem mit der Übernahme von Jaguar und einem Billigauto Furore. Doch auch bei Trucks ist der Konzern vorne mit dabei. 194.900 abgesetzte Exemplare bescheren einen Marktanteil von 6,7 Prozent.

Platz 4

China Heavy National Duty Truck - China
Zu den chinesischen Spitzenreiter gehört auch dieser Staatskonzern, der 1935 gegründet wurde. Mit 199.900 verkauften Lkws erreicht der Konzern einen Marktanteil von 6,9 Prozent.

Platz 3

First Automotive Works - China
Bronze geht nach China. Der Volkswagen-Partner in der Volksrepublik setzte 2011 rund 274.300 Trucks ab und kommt damit auf einen Marktanteil von 9,5 Prozent.

Platz 2

Daimler Trucks - Deutschland
Was Umsatz und Profit angeht, kann kein anderer Lkw-Hersteller den Stuttgartern das Wasser reichen. Doch beim Absatz muss sich der Branchenprimus geschlagen geben: Mit 280.700 verkauften Lkws und einem Marktanteil von 9,7 Prozent erreicht Daimler nur Silber.

Platz 1

Dongfeng - China
Kein Hersteller verkaufte im Jahr 2011 so viele Lkws wie die Chinesen. Ein Absatz von 300.100 Fahrzeugen ist ein Marktanteil von 10,3 Prozent und damit Gold.

Nun prüft MAN für das kommende Jahr Kurzarbeit. „Wir sind dazu in Gesprächen mit den Gewerkschaften“, sagte Nielsen, am Dienstag in München. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, betonte der Manager bei Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal. In dieser Woche schickt die VW-Tochter in Salzgitter und München bis zu 15.000 Mitarbeiter in den Zwangsurlaub. Vom 21. Dezember bis 11. Januar ruht die Produktion ebenfalls.

Der Auftragseingang ging im dritten Quartal um 14 Prozent zurück auf 3,52 Milliarden Euro. In den ersten sechs Monaten konnte MAN durch Zuwächse etwa in Russland noch Rückgänge ausgleichen. Im dritten Quartal seien vor allem die Neubestellungen für Lkw gesunken. Mit einer operativen Rendite von 3,3 Prozent im Nutzfahrzeuggeschäft lag MAN hinter Volvo (3,8 Prozent in der Lkw-Sparte), Daimler Trucks (6,3 Prozent) und dem ebenfalls zu VW gehörenden schwedischen Hersteller Scania.

Wie den Rivalen Volvo oder dem schwedischen VW-Schwesterunternehmen Scania verdirbt die Rezession in vielen Teilen Europas auch den Münchnern das Geschäft. Die Verkäufe in Europa sind eingebrochen. Nach den Statistiken des Branchenverbandes Acae sanken die europaweiten Zulassungen im September auf 150.910 Fahrzeuge - 13,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Insbesondere in Spanien und Italien brachen die Verkäufe ein, aber  auch in Deutschland gingen die Zulassungen um knapp 17 Prozent zurück.

„Die Märkte für unsere Produktion entwickeln sich nicht so gut, wie es vergangene Prognosen vermuten ließen“, warnte Nielsen seine Mitarbeiter bereits in einem internen Brief, wie die Süddeutsche Zeitung zuletzt berichtete. Die Lage sei zwar nicht so schlimm wie in 2009. Doch den Hauptabsatzmarkt Europa treffe die Krise besonders hart. „Nun ist es wichtig, dass wir angemessen und schnell auf die Situation reagieren“, so Nielsen weiter.

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