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10.02.2016

08:24 Uhr

Aurubis

Rohstoff-Krise erreicht auch Kupferhersteller

Lange konnte sich Aurubis dem Abwärtstrend am Rohstoffmarkt widersetzen. Doch nun erreicht die Krise auch den Kupferhersteller. Negative Bewertungseffekte sorgen für einen Verlust im ersten Quartal.

Der Kupferkonzern spürt die Preisflaute auf den Rohstoffmärkten. dpa

Aurubis-Werk in Hamburg

Der Kupferkonzern spürt die Preisflaute auf den Rohstoffmärkten.

Hamburg/DüsseldorfDer Kupferhersteller Aurubis ist schwach in das laufende Geschäftsjahr gestartet. Unter dem Strich stand wegen negativer Bewertungseffekte im ersten Quartal ein Verlust von 25 Millionen Euro, wie der MDax-Konzern am Mittwoch mitteilte. Ein Jahr zuvor hatten die Hamburger noch 25 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet.

Niedrigere Kupfer- und Edelmetallpreise sorgten von Oktober bis Ende Dezember für einen Umsatzrückgang um 9 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sackte um 16 Prozent auf 41 Millionen Euro ab. Eine geringere Edelmetallproduktion bei niedrigeren Preisen sowie die geringe Verfügbarkeit von Altkupfer belasteten.

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Während weltweit die großen Konzerne bereits mit dem anhaltenden Preisrückgang an den Rohstoffmärkten kämpften, hatte sich der Hamburger Kupferkonzern dem Abwärtstrend im vergangenen Geschäftsjahr noch erfolgreich widersetzt. Unter dem Strich stand ein Rekordergebnis: Der operative Vorsteuergewinn wurde im abgelaufenen Geschäftsjahr mit 343 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Aurubis profitierte vor allem von steigenden Einnahmen für das Schmelzen und Verarbeiten von Kupfer.

Allerdings hatte Vorstandssprecher Erwin Faust bereits schlechtere Zeiten angekündigt: „Insgesamt erwarten wir eine gewisse Normalisierung unseres Geschäfts und auch für das Geschäftsjahr 2015/16 ein gutes Ergebnis, das jedoch nicht an das diesjährige Rekordergebnis anknüpfen wird.“

Die Anleger reagierten darauf prompt. Die Aktie büßte Mitte Dezember rund ein Viertel ein, nachdem sie zuvor mit gut 62 Euro ein Rekordniveau erreicht hatte. Seit 2009 hatte sich der Kurs verdreifacht. Das sich abzeichnende enttäuschende erste Quartal 2015/16 hat die Aktie dann weiter nach unten gedrückt. Mit nur noch 38 Euro war sie so billig wie zuletzt Mitte 2014.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Deutlich schlechter war es aber etwa der Aktie von Freeport-McMoran, dem weltweit größten börsennotierten Kupferproduzenten, ergangen. Seit Mitte 2014 ist das Papier von fast 30 Dollar auf zeitweise weniger als fünf Dollar abgerutscht. Der US-Konzern leidet nicht nur unter den schwachen Kupferpreisen - das Metall notierte zeitweilig auf Sechsjahrestief -, sondern ist unter anderem auch im Öl- und Gassektor aktiv, wo die Preise ebenfalls kräftig gefallen sind. Im vierten Quartal hatte Freeport-McMoran sogar einen Verlust von 4,1 Milliarden Dollar bekanntgegeben.

Aurubis, an dem der deutsche Stahlkonzern Salzgitter mit einem Anteil von 25 Prozent eine entscheidende Beteiligung hält, ist weltweit drittgrößter Produzent von raffiniertem Kupfer. Jährlich produziert Aurubis an seinen Standorten in Europa und den USA mehr als eine Millione Tonnen Kupferkathoden. Daraus entstehen diverse Kupferprodukte. Etwa zwei Drittel des Metalls wird zu Kabeln und Draht verarbeitet, die von der Elektro- oder der Automobilindustrie weiterverarbeitet werden.

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