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11.12.2012

16:51 Uhr

Aus für Bochumer Werk

Keine staatlichen Hilfe für Opel

Die Politik will keine Steuergelder in die Rettung des Bochumer Opel-Werks investieren. Stattdessen hagelt es Kritik an dem Mutterkonzern General Motors. Die Landesregierung will Opel selber in die Pflicht nehmen.

Arbeiter kommen zur Frühschicht im Bochumer Opel-Werk. dapd

Arbeiter kommen zur Frühschicht im Bochumer Opel-Werk.

Für die Opelaner in Bochum gibt es von den Politikern in NRW und in Berlin zwar viel Mitgefühl. Auf finanzielle Hilfen können die mehr als 3.000 von Arbeitslosigkeit bedrohten Beschäftigten und die Zuliefererfirmen in Bochum dagegen nicht hoffen. Einen Tag nach dem verkündeten Aus für die Autofertigung in der Ruhrgebietsstadt ist klar: Wenn 2016 für Opel in Bochum Schluss ist, wird die Politik das nicht mit Steuergeldern zu verhindern versuchen. Was bleibt, ist heftige Schelte für den Opel-Mutterkonzern General Motors (GM). Die Arbeitsagentur bereitet sich derweil schon auf Hilfen vor.

Bundeswirtschaftsminister und FDP-Chef Philipp Rösler kritisierte das Management des US-Konzerns. Der Umgang mit den Beschäftigten sei nicht akzeptabel, sagte Rösler in Berlin. Er bekräftigte, dass sich der Bund nicht an einer Rettung des Bochumer Werkes beteiligen könne. Der Hauptgrund für die Opel-Schwäche sei hausgemacht, da GM nicht dafür gesorgt habe, dass die deutsche Tochter mehr Autos in China, Brasilien und Indien verkaufen kann. „Das macht mich wütend, das macht mich sauer", sagte Rösler.

Aus für das Werk Bochum: Opelaner müssen wieder ans Band

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Rösler wirft GM Managementfehler vor

General Motors habe nicht alles getan, um eine Schließung zu verhindern.

Die Pläne des derzeitigen Opel-Chefs Thomas Sedran sehen vor, dass ab Ende 2016 in Bochum keine Autos mehr gebaut werden. Lediglich ein Logistikzentrum und gegebenenfalls eine Komponentenfertigung sollten noch betrieben werden. Wie viele der über 3.000 Jobs gestrichen werden sollen, ist unklar.

Die Linke weist der Bundesregierung eine Mitverantwortung für das Opel-Aus in Bochum zu. Fraktionschef Gregor Gysi sagte, Opel sei von zwei Seiten in die Zange genommen worden. Einerseits habe GM dem Opel-Management zu wenig Spielraum gegeben. Schuld sei aber auch die falsche Euro-Politik der Bundesregierung, die dazu geführt habe, dass in Südeuropa die Kaufkraft fehle, um Autos zu kaufen.

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Jürgen Trittin warf GM vor, Opel keine Perspektive gegeben und von Wachstumsmärkten abgehängt zu haben. Trittin forderte den Mutterkonzern auf, den Belegschaften die „ganze Wahrheit" zu sagen.

Kommentare (2)

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Friede-den-Huetten

11.12.2012, 17:46 Uhr

Seit Jahren ist in fast allen Medien von Überkapazitäten in der Automobilbranche zu lesen. Die Staats-Schulden-Krise hat die Situation nun verschärft, Verlierer hätte es früher oder später auch ohne gegeben, und Opel war hier der Favorit.

Spätestends seit dem letzten Rettungsversuch mit Staatsbeteiligung in der Finanzkrise von 2008 wußte die Politik um die Brisanz der Situation.

Doch hoch verschuldete Kommunen haben nun mal kein Geld, teure Beschäftigungsalternativen zu schaffen, und anscheinend auch keine Ideen für andere Alternativen.

Dabei spricht man doch im Lande seit dem Niedergang von Stahl und Kohle vom Strukturwandel. Wem ist denn da die Puste ausgegangen?

Bochum, ... Dein Grubengold hat uns wieder hoch geholt! ... Dieses amerikanische Roulette hast Du wirklich nicht verdient.

Account gelöscht!

12.12.2012, 12:06 Uhr

12.12.12 Der Raubeinkapitalismus schlägt bei Opel erbarmungslos zu. Es sind nicht der Mangel von schöpferischem Erfindergeist, nicht mangelhafte Serviceleistungen oder gar mangelnde Qualität, die Opel in Bochum in die Knie zwingen sollen. Opel baut hervorragende Autos seit Jahrzehnten, PKWs erster Güte. Auszeichnungen stehen als Beweis. Doch wenn der Werkseigner GM den Opelanern Zukunftsmärkte in Asien und sonst wo in der Welt sperrt, muss man dies als einen Raubeinkapitalismus übelster Art verurteilen. So funktioniert Globalisierung nicht. Eher handelt es sich um einen Rückfall in Zeiten des kalten Krieges, in denen Handelseinschränkungen der Wirtschaft ganze Märkte verwehrt hatten. Opels Mitbewerber am Automarkt fahren volle Schichten, deren Mitarbeiter streichen Sonderprämien ein, weil ihnen die Welt offen steht. Wie grausam kann der Kapitalismus wüten, solange es noch keine politischen Regeln gibt, die einzelne Werke und deren Beschäftigte vor der Allmacht von arroganten Konzernherren in Detroit und anders wo schützen. Wolfgang Werkmeister, Eschborn

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