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10.12.2012

14:57 Uhr

Aus für das Werk Bochum

Die Schreckensmeldung zu Opels 50. Geburtstag

VonDana Heide

Entsetzen in Bochum: Der Autobauer Opel will ab 2016 keine Autos mehr am traditionsreichen Standort im Ruhrgebiet bauen. Die Mitarbeiter reagieren entsetzt und wütend. Ein Bericht aus Bochum.

Aus für Opel-Werk

Berichte von Tumulten in Bochum

Aus für Opel-Werk: Berichte von Tumulten in Bochum

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BochumDie Opel-Mitarbeiter in Bochum sind Kummer gewohnt. Doch an diesem Montag ist ein neuer Tiefpunkt erreicht: Das kriselnde Unternehmen kündigt an, dass es in dem Werk im Ruhrgebiet ab 2016 keine Autos mehr bauen will. Die Opelaner sind wütend – und sie schämen sich für ihre Führungsspitze.

Von außen sieht alles normal aus. Das rote Backsteingebäude des Opel-Werks steht so da wie immer, nur der graue Himmel scheint noch grauer zu sein als sonst. Der Parkplatz ist nur zu einem Drittel voll. Es muss hier einmal bessere Zeiten gegeben haben. Bald wird er noch leerer sein: 2016 soll die Autofertigung geschlossen werden, lediglich ein kleiner Bereich des Werkes bleibt erhalten.

Die Sanierungspläne von Opel

Der „Deutschland-Plan“

Das Opel-Management hatte seine Absichten für das Werk Bochum bereits im Juni in einem „Deutschland-Plan“ skizziert, der die Grundlage der Sanierung des verlustreichen Herstellers sein soll. Die Eckpunkte haben sich seitdem kaum verändert. Hier die wichtigsten Bestandteile.


Werk in Bochum schließt

Mit dem Verlegung der aktuellen Generation des Familien-Vans Zafira nach Rüsselsheim endet die Fahrzeugproduktion im Traditionswerk Bochum Ende 2014. Erhalten wird nur ein Warenverteilzentrum.

Bessere Auslastung für andere Werke

Die übrigen Opel-Werke könnten durch die Produktion für andere Automarken, etwa die Schwester Chevrolet, besser ausgelastet werden.

Hoffnung auf Nischenmodelle

Nischenmodelle wie der Mini-SUV Mokka oder der Kleinwagen Adam sollen zusätzlichen Absatz bringen.

Neue Märkte erschließen

Über den Mutterkonzern General Motors will Opel wachsende Auslandsmärkte wie Russland oder die Türkei besser erschließen.

Sparen dank Kooperation

In der Zusammenarbeit mit dem Partner PSA Peugeot Citroën will GM für Opel Spareffekte nutzen, etwa in der Konstruktion oder womöglich sogar beim Bau von Fahrzeugen.

Die Opel-Mitarbeiter sind stinksauer. Nicht nur weil ihre Fabrik nach 50 Jahren geschlossen werden soll. Die Art und Weise, wie die Botschaft überbracht wurde, ärgert sie. Der Opel-Interimschef Thomas Sedran verdrückte sich bei der Belegschaftsversammlung nach einer kurzen Ansprache durch die Hintertür. Die zahlreichen Opel-Mitarbeiter, die an die Mikrofone im Saal getreten waren und wissen wollten, was nun passiert, ließ er einfach stehen. Als er gehen wollte, kam es zum Tumult: Ein IG-Metall-Vertrauensmann versuchte, Sedran aufzuhalten. Er wurde von Security-Mitarbeitern zu Boden gestoßen, blieb aber unverletzt.

Standort Bochum: Politiker greifen GM an

Standort Bochum

Politiker greifen GM an

Die Politik reagiert weitgehend hilflos auf die Schließung des Opelwerks in Bochum.

„Eigentlich wollte er sagen: 'Wir brauchen euch nicht mehr'“, sagt Betriebsratschef Rainer Einenkel anschließend bei einer Pressekonferenz verbittert. Er ist seit 40 Jahren bei Opel, schon seit Vater hat im Bochumer Werk gearbeitet.

Die europäischen Opel-Werke im Überblick

Die Ausgangslage

Opel leidet unter sinkendem Absatz und teuren Überkapazitäten. Nun will der Autobauer in seinem Werk in Bochum keine Autos mehr bauen. Eine Übersicht über die Fertigungsstätten.

Bochum

In Bochum laufen der Astra Classic und der Zafira Tourer vom Band. Ende 2014 läuft die Produktion aus. Danach soll die Autoproduktion eingestellt werden.

Rüsselsheim

Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. 13 800 Mitarbeiter sind am Standort beschäftigt, davon 3500 in der Produktion und 7000 im Bereich Entwicklung und Design.

Eisenach

In Eisenach bauen knapp 1600 Beschäftigte den Corsa.

Kaiserslautern

In Kaiserslautern bauen knapp 2700 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.

Gleiwitz (Polen)

In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in Polen sind rund 3500 Menschen beschäftigt.

Saragossa (Spanien)

Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo. Ab 2014 soll auch der Mokka in Spanien gebaut werden.

Ellesmere Port (England)

Etwa 2100 Mitarbeiter bauen für die Opel-Schwester Vauxhall in Ellesmere Port Astra-Modelle. Dort konnte das Management zuletzt rigide Sparmaßnahmen durchsetzen.

Luton (England)

In Luton wird der Transporter Opel Vivaro von 1100 Beschäftigten gefertigt.

Sonstige

Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthárd (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1700) sowie in einem Joint Venture in Tychy (Polen) hergestellt. In Rüsselsheim und Turin hat der Hersteller Entwicklungszentren.

Bereits geschlossen wurde das Werk Antwerpen mit zuletzt mehreren tausend Mitarbeitern.

Neben ihm sitzen noch neun weitere Männer und eine Frau des Betriebsrates und der Gewerkschaft IG Metall. Ihre Mundwinkel sind tief nach unten gezogen.

„Wir schämen uns für das Verhalten von Sedran“, sagt Einenkel in die vor ihm aufgebauten Mikrofone etlicher Fernsehsender. Das Medieninteresse ist groß, die Journalisten passen fast nicht in den kleinen Raum in dem Bochumer Hotel, in das die Gewerkschafter geladen haben.

Kommentare (20)

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Jaguar.vs.Mini

10.12.2012, 15:20 Uhr

Was soll das? Das Auto u. damit der Individualverkehr, hat bedingt durch einen in den nächsten Jahren sich weiter beschleunigenden Trend zu Mega Cities, keine grosse Zukunft mehr. Deutschland ist hier eindeutig zu sehr fokussiert auf das Auto. Es wäre zu wünschen D würde endlich anfangen den Oeffentlichen Verkehr massiv auszubauen und benutzerfreundlicher zu gestalten. Auch VW und die Premiumhersteller, nebst Zulieferer, werden Entlassungen ankündigen. Denn der Trend zu MegaCities wird zu Ueberkapazitäten im Automobilbau führen.

Ich wohne in der Agglomeration Zürich(zugegeben in der Schweiz ist der Oeffentliche Verkehr wesentlich besser als in D) und habe mich von zwei Fahrzeugen auf einen Mini reduziert. Sowohl aus finanziellen als auch aus Gründen der Effizienz lohnt sich der Umstieg auf den Oeffentlichen Verkehr.

AxelSiegler

10.12.2012, 15:36 Uhr

Einfach nur widerlich, wie sich auch hier die Gewerkschaften samt Betriebsrat als Totengräber des Unternehmens noch an seinem Leichnam profilieren!

Account gelöscht!

10.12.2012, 15:51 Uhr


Da haben Sie allerdings recht; Eigennutz statt Arbeitnehmerinteressen. Die Gewerksvertreter leben ihre Neurosen auf Kosten der Arbeitnehmer aus, statt strukturelle Veränderungen zur Beteiligung der Arbeitnehmer anzustreben.

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