Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.12.2012

08:52 Uhr

Aus für das Werk Bochum

Opelaner müssen wieder ans Band

Das Opel-Werk in Bochum soll geschlossen werden, doch der Alltag muss weitergehen. Im ersten Zorn hatten einige Arbeiter Streiks angedroht. Trotzdem liefen die Bänder am Dienstag wie gehabt an.

Opel macht sein Werk in Bochum dicht: Der Vorstand hat angekündigt, dort die Produktion des Familienwagens Zafira 2016 auslaufen zu lassen. dapd

Opel macht sein Werk in Bochum dicht: Der Vorstand hat angekündigt, dort die Produktion des Familienwagens Zafira 2016 auslaufen zu lassen.

BochumDie Frühschicht im Bochumer Opel-Werk hat am Dienstagmorgen ihre Arbeit nach der Hiobsbotschaft vom Montag wieder ganz normal aufgenommen. Das sagte Pressesprecher Alexander Bazio der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag. Nach Schließungsankündigung für die Bochumer Autofertigung hatten einige Beschäftigte Warnstreiks angekündigt. Am Montag war die Produktion für eine Betriebsversammlung unterbrochen worden. Opel-Vorstand und General-Motors-Führung hatten entschieden, dass ab 2016 keine weiteren Autos mehr in Bochum gebaut werden sollen. Der Betriebsrat kritisierte diese Entscheidung scharf.

Die Position der Arbeitnehmer sei aktuell nicht stark genug, weil für das Werk ohnehin für Januar Kurzarbeit angemeldet ist, hieß es aus Mitarbeiterkreisen. Die Arbeitnehmervertreter halten der Unternehmensführung schwere Fehler vor. „Die Ursachen der Überkapazitäten sind nicht nur im wirtschaftlichen Umfeld zu suchen, sondern sind auch hausgemacht“, sagte Opel-Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug in Rüsselsheim. „Diese Suppe sollen nun die Kolleginnen und Kollegen in Bochum auslöffeln.“

Aus für Opel-Werk

Berichte von Tumulten in Bochum

Aus für Opel-Werk: Berichte von Tumulten in Bochum

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) hat von der Opel-Mutter General Motors (GM) eine Beschäftigungsgarantie für die gut 3000 Arbeiter am Standort Bochum gefordert. "Unsere Forderung ist ganz klar. Niemand von den Beschäftigten darf in die Arbeitslosigkeit gehen, auch nicht nach 2016", sagte Duin am Dienstag im Deutschlandfunk. Die Landesregierung setze sich derzeit dafür ein, dass sich auf den Werksflächen in Bochum neue Unternehmen ansiedeln, um dort eine Perspektive für industrielle Produktion zu entwickeln. "Was bislang fehlt, ist ein klares Bekenntnis von GM, in den Prozess verlässlich mit einzusteigen", sagte Duin.

Das Land sieht er dabei finanziell nicht in der Pflicht: "Wir können nicht ein Gesetz machen oder ganz viel Geld in die Hand nehmen, um das zu machen. Das Geld muss von Opel kommen. Die sind in der Verantwortung, die müssen dafür sorgen, dass die Menschen nicht in die Arbeitslosigkeit kommen, sondern eine Perspektive auch in industrieller Beschäftigung weiter haben." Opel könne sich aussuchen, ob das Unternehmen "einen sehr teuren Sozialplan" macht oder ob es hilft, neue Industrieansiedlungen zu realisieren.

Die Sanierungspläne von Opel

Der „Deutschland-Plan“

Das Opel-Management hatte seine Absichten für das Werk Bochum bereits im Juni in einem „Deutschland-Plan“ skizziert, der die Grundlage der Sanierung des verlustreichen Herstellers sein soll. Die Eckpunkte haben sich seitdem kaum verändert. Hier die wichtigsten Bestandteile.


Werk in Bochum schließt

Mit dem Verlegung der aktuellen Generation des Familien-Vans Zafira nach Rüsselsheim endet die Fahrzeugproduktion im Traditionswerk Bochum Ende 2014. Erhalten wird nur ein Warenverteilzentrum.

Bessere Auslastung für andere Werke

Die übrigen Opel-Werke könnten durch die Produktion für andere Automarken, etwa die Schwester Chevrolet, besser ausgelastet werden.

Hoffnung auf Nischenmodelle

Nischenmodelle wie der Mini-SUV Mokka oder der Kleinwagen Adam sollen zusätzlichen Absatz bringen.

Neue Märkte erschließen

Über den Mutterkonzern General Motors will Opel wachsende Auslandsmärkte wie Russland oder die Türkei besser erschließen.

Sparen dank Kooperation

In der Zusammenarbeit mit dem Partner PSA Peugeot Citroën will GM für Opel Spareffekte nutzen, etwa in der Konstruktion oder womöglich sogar beim Bau von Fahrzeugen.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) warf dem Opel-Mutterkonzern General Motors gravierende Management-Fehler vor. „Ich bin sauer, gerade weil das Unternehmen Fehler gemacht hat, auch beim Umgang mit den Mitarbeitern in der Vergangenheit“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Dienstag).

GM müsse sich fragen lassen, ob der Konzern in der Vergangenheit alles Notwendige getan habe, um das Aus für Bochum zu verhindern. „So war es ein Fehler, dass Opel nur in sehr geringem Umfang Autos im wichtigen Wachstumsmarkt China verkaufen durfte.“ Er erwarte, „dass das Unternehmen seiner Verantwortung gerecht wird und mithilft, die Folgen der Werksschließung für die Beschäftigten abzumildern“.

Die europäischen Opel-Werke im Überblick

Die Ausgangslage

Opel leidet unter sinkendem Absatz und teuren Überkapazitäten. Nun will der Autobauer in seinem Werk in Bochum keine Autos mehr bauen. Eine Übersicht über die Fertigungsstätten.

Bochum

In Bochum laufen der Astra Classic und der Zafira Tourer vom Band. Ende 2014 läuft die Produktion aus. Danach soll die Autoproduktion eingestellt werden.

Rüsselsheim

Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. 13 800 Mitarbeiter sind am Standort beschäftigt, davon 3500 in der Produktion und 7000 im Bereich Entwicklung und Design.

Eisenach

In Eisenach bauen knapp 1600 Beschäftigte den Corsa.

Kaiserslautern

In Kaiserslautern bauen knapp 2700 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.

Gleiwitz (Polen)

In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in Polen sind rund 3500 Menschen beschäftigt.

Saragossa (Spanien)

Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo. Ab 2014 soll auch der Mokka in Spanien gebaut werden.

Ellesmere Port (England)

Etwa 2100 Mitarbeiter bauen für die Opel-Schwester Vauxhall in Ellesmere Port Astra-Modelle. Dort konnte das Management zuletzt rigide Sparmaßnahmen durchsetzen.

Luton (England)

In Luton wird der Transporter Opel Vivaro von 1100 Beschäftigten gefertigt.

Sonstige

Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthárd (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1700) sowie in einem Joint Venture in Tychy (Polen) hergestellt. In Rüsselsheim und Turin hat der Hersteller Entwicklungszentren.

Bereits geschlossen wurde das Werk Antwerpen mit zuletzt mehreren tausend Mitarbeitern.

Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel rief zum Kampf um den Standort auf. „Wir werden auch nach 2016 in Bochum Autos bauen“, sagte er am Montag nach der Betriebsversammlung in Bochum. Der Betriebsrat fordert eine klare Aussage für die Beschäftigten. Die IG Metall-Vertrauensleute treffen sich „kurzfristig“, um über ihre künftige Strategie zu beraten. An diesem Mittwoch wolle außerdem die IG Metall-Tarifkommission für alle Opel-Standorte in Frankfurt zusammenkommen, teilte die Gewerkschaft mit.

Rund 3300 Opelaner in Bochum und 1000 Fremdfirmenbeschäftigte sowie tausende indirekt vom Werk abhängige Beschäftigte bangen um Jobs oder Aufträge. Stadt und Land wollen aber helfen, eine neue Perspektive für den Standort zu entwickeln. Das Opel-Warenverteilzentrum in Bochum mit derzeit 430 Mitarbeitern solle erhalten und möglicherweise aufgestockt werden, hatte Opel mitgeteilt. In Verhandlungen mit den Arbeitnehmern will das Unternehmen prüfen, ob eine Teilefertigung in Bochum wirtschaftlich möglich ist. In dem Werk könnte eine dreistellige Zahl von Jobs entstehen, hatte die Opel-Spitze mitgeteilt.

Von

dpa

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

11.12.2012, 05:52 Uhr

Zitat……Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) warf dem Opel-Mutterkonzern General Motors gravierende Management-Fehler vor. „Ich bin sauer, gerade weil das Unternehmen Fehler gemacht hat, auch beim Umgang mit den Mitarbeitern in der Vergangenheit“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Dienstag). GM müsse sich fragen lassen, ob der Konzern in der Vergangenheit alles Notwendige getan habe, um das Aus für Bochum zu verhindern…………

Die Frage nach Managementfehler sollte sich die Politik mal lieber selber stellen. GM hat 2011 ca. 8 Mrd. Gewinn gemacht. So schlecht kann die Arbeit des Managements also nicht sein.
Herr Rössler sollte sich also mal fragen, wieso der Fahrzeugvertrieb in Europa nicht läuft. Vielleicht hängt es ja mit den politischen Entscheidungen zusammen. Nicht vergessen auch die Abwrackprämie.

Politisch gewollt, wurden Verkäufe aus der Zukunft in die damalige Gegenwart geholt. Zur Erinnerung …, Opel musste monatelang Überstunden fahren.

Was bitte hat der Bundeswirtschaftsminister für die Wirtschaft getan, um sich so aufspielen zu können? Im Gegenteil, die deutsche Wirtschaft musste immer wieder, für die Politik, die Kohlen aus dem Feuer holen.

Account gelöscht!

11.12.2012, 09:43 Uhr

Und der dumme Michel geht schön brav wieder an die Arbeit. In Frankreich und anderen Ländern, hätte man das Werk schon längst in Schutt und Asche gelegt. Wer so unmündig handelt, hat es nicht besser verdient. Ein Hoch auf das Bildungswesen, das solche Menschen zu dummen Gehorsam herzieht. Sozialisation macht euch zu willenlosen Sklaven.

Account gelöscht!

11.12.2012, 10:20 Uhr

Durch die Art und Weise wie das GM Management über Jahrzehnte hinweg die Marken Opel und Vauxhall durch allerlei Cowboy-Ticks öffentlich hat leiden lassen, so, dass Kunden sich von der Marke abwenden und Marktanteile verlorengehen, wäre es besser gewesen nach der GM Pleite Opel abzustoßen anstatt zu behalten. Erfindungen und Patente direkt kostenlos nach Detroit zu verschieben und mit einer "rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln"-Methode Verbrauchervertrauen zu zerstören bedeutet den Verlust von Markenreputation. Das Image ist erodiert. Gleichzeitig macht GM Milliardeninvestitionen in die Marke Chevrolet mit einem billigen Abklatsch auch Korea und Markensponsoring für Chevrolet bei Manchester United in der Höhe des Verlustes von Opel und Vauxhall in Europa. Bei vielen Opelhändlern steht heute auch das Chevrolet-Sortiment oder bald auch bei Peugeot-Händlern. So schädigt GM primär seine eigene Marken. Folgerichtig sollten die Gewerkschaften, die ja einen harten Kampf angesagt haben, um Bochum zu retten, damit es zu teuer für GM wird Bochum zu schließen, einen Moment innehalten und kleine Kärtchen drucken, die man hinter die Scheibenwischer eines jeden Chevorlet steckt: "Wer Chevrolet kauft, entlässt Opel-Mitarbeiter", respektive Vauxhall-Mitarbeiter in UK. So stärkt man die Solidarität mit der Marke Opel (Vauxhall) und schädigt das Image von Chevrolet in Europa, der der härteste Konkurrent der Marke im eigenen Haus ist. Man nennt das Guerilla Marketing. Denn wenn das Konzept von GM in Europa nicht aufgeht, Opel und Vauxhall durch Chevrolet zu ersetzen, wird es für GM wichtiger die Marken Opel und Vauxhall zu beerdigen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×