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22.10.2012

12:05 Uhr

Ausbau von Stromtrassen

Netzbetreiber Tennet verhandelt mit US-Investor

VonKlaus Stratmann

Es bedarf riesiger Investitionen, um das deutsche Stromnetz für die erneuerbaren Energien fit zu machen. Ein US-Unternehmen will dem Netzbetreiber Tennet mit einer Milliardensumme helfen. Der bestätigt die Gespräche.

Strommasten im Morgennebel. dpa

Strommasten im Morgennebel.

BerlinDas US-Unternehmen Anbaric will dem Übertragungsnetzbetreiber Tennet mit mindestens vier Milliarden Euro bei der Netzanbindung von Offshore-Windparks unter die Arme greifen. Man habe bereits potente Investoren hinter sich versammelt und Gespräche mit Tennet, der Bundesregierung und der EU-Kommission geführt, sagte Anbaric-Chef Edward N. Krapels dem Handelsblatt. „Wir würden Tennet gerne helfen“, sagte er. Der Anbaric-CEO verweist auf die Erfahrungen seines Unternehmens bei der Planung, Durchführung und Finanzierung von Stromkabelverbindungen in den USA.

Tennet bestätigte am Montag den Kontakt zu Anbaric: „Ja, ich habe mich mit Anbaric-Chef Ed Krapels getroffen. Und wir haben nicht über Fußball geredet“, sagte Tennet-Geschäftsführer Lex Hartman dem Handelsblatt. Neben Krapels gebe es eine Reihe anderer Investoren, die Interesse an einem Einstieg bei Tennet hätten, sagte Hartman. Er dementierte damit eine Reuters-Meldung vom Montag, in der Hartman mit dem Satz zitiert wird, er kenne Krapels nicht. „Das stimmt nicht“, sagte Hartman dem Handelsblatt. Nach Informationen des Handelsblattes aus Verhandlungskreisen war auch Tennet-Finanzvorstand Eelco de Boer bei dem Treffen mit Krapels dabei. Die Gespräche seien vielversprechend gewesen, hieß es weiter.

Aus Sicht der Bundesregierung kommt Krapels wie gerufen. Der Ausbau der Windkraft in Nord- und Ostsee gehört zu den tragenden Säulen der Energiewende. Bis 2020 sollen Windräder mit einer Leistung von 10.000 Megawatt (MW) im Meer installiert sein. Das entspricht der Leistung von zehn konventionellen Großkraftwerken. Bislang sind aber erst weniger als 300 MW fertig.

Als Flaschenhals erweist sich die Netzanbindung. Netzbetreiber Tennet, in dessen Netzbereich alle Windparks in der Nordsee fallen, kommt mit dem Bau der Leitungen zum Festland nicht nach. Entwickler von Windparks sagen deswegen Projekte ab. Tennet räumt ein, finanziell überfordert zu sein und sucht Investoren. Bislang erwies es sich als schwierig, Geldgeber zu finden, weil Haftungsfragen ungeklärt waren. Im Kern geht es um die Frage, wer für den Schaden aufkommt, wenn eine Leitung verspätet fertig wird oder während des Betriebs ausfällt. Die Bundesregierung hat mit der Branche eine Haftungsregelung entwickelt, die derzeit im parlamentarischen Verfahren steckt: Der Netzbetreiber haftet in der Bauphase und beim Betrieb der Kabel, wenn Schäden aufgrund leichter Fahrlässigkeit entstehen. Außerdem hat er jährlich einen Selbstbehalt von 100 Millionen Euro zu tragen. Der Rest wird über die Netzentgelte auf die Stromverbraucher umgelegt.

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Krapels hält eine Reduzierung des Selbstbehalts für erforderlich und wünscht sich eine Änderung bei der Haftung: „In der Bauphase darf der Netzbetreiber äußerstenfalls für grobe Fahrlässigkeit in Haftung genommen werden, in der Betriebsphase kann man auch über die Haftung für leichte Fahrlässigkeit reden“, sagte Krapels. Wenn die Gesetzgebung in dieser Form durchgehe, „können wir sofort loslegen“. In der Koalition stößt er damit auf Verständnis: Er sehe in dieser Frage durchaus Handlungsbedarf, sagte Thomas Bareiß (CDU), energiepolitischer Koordinator der Unionsfraktion, dem Handelsblatt. Es gehe darum, die Risiken fair zu verteilen und Investitionsanreize zu setzen.

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Krapels sagte, es gebe eine Reihe seriöser Investoren aus den USA und Europa, die mitmachen würden. Anbaric hat in Deutschland bereits eine GmbH gegründet, die anderen Investoren offensteht. Ziel ist es, sich mit 70 oder 80 Prozent an zunächst vier Netzanbindungsprojekten zu beteiligen. „Wir wollen nicht das operative Geschäft übernehmen, aber wir wollen mit unserem Know-how den anderen Investoren Sicherheit geben“, sagte Krapels.

Kommentare (14)

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allesverloren

21.10.2012, 13:01 Uhr

Warum braucht die Bundesregierung Investoren, wenn sie oder ihre Wähler fast die gesamte Haftung übernehmen. Warum machen wir das Geschäft nicht selbst. Amerikanische Investoren für deutsche Infrastruktur. Das kennt man doch schon. Die deutsche Seite versteht in der Regel die Verträge nicht und stellt sich anschliessend dumm.

Anilin

21.10.2012, 13:27 Uhr

Tatsächlich ist, was da in Sachen Netzanbindung läuft, völlig unverständlich. Deutschland soll seine Leitungen selber legen und finanzieren. Immer noch besser als das Geld ins Mittelmeer zu schmeissen.

Vicario

21.10.2012, 13:43 Uhr

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