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15.01.2010

15:00 Uhr

Ausblick 2010

Pharmaunternehmen kriechen nach oben

VonSiegfried Hofmann, Maike Telgheder

Trotz einer Welle an Patentabläufen sind weiter steigende Gewinne in Sicht. Dafür sorgt auch die Zunahme von Neuzulassungen. Außerdem zeichnen sich die zahlreichen Übernahmen der vergangenen Jahre aus. Die Gesundheitsreform in den USA verliert ihren Schrecken. In Deutschland wandeln sich die Vermarktungsstrukturen.

Mit dem Cholesterinsenker Lipitor, hier neben einer Packung des Potenzmittels Viagra, ist das umsatzstärkste Medikament bei Pfizer. Das Patent für Lipitor läuft demnächst aus. ap

Mit dem Cholesterinsenker Lipitor, hier neben einer Packung des Potenzmittels Viagra, ist das umsatzstärkste Medikament bei Pfizer. Das Patent für Lipitor läuft demnächst aus.

FRANKFURT. Die Pharmabranche startet in relativ positiver Grundstimmung ins Jahr 2010. Zwar gehen Fachleute davon aus, dass die Wachstumsraten der großen Arzneimittelhersteller schwächer ausfallen als im Vorjahr. Alles in allem jedoch ist sowohl bei Managern wie Investoren die Zuversicht gewachsen, dass die Branche ihre strukturellen Probleme wie auch die Gesundheitsreform auf dem wichtigen US-Markt ohne gravierende Schäden meistern kann.

Sichtbares Zeichen für den Stimmungswandel sind die überwiegend zweistelligen Kursgewinne bei Pharmawerten in den letzten sechs Monaten. Spitzenreiter sind dabei der US-Konzern Merck & Co und die deutsche Bayer AG mit Wertsteigerungen von jeweils mehr als 40 Prozent.

Auch Bank-Analysten bescheinigen der Branche inzwischen wieder solidere Aussichten, insbesondere den europäischen Firmen. Experten von JP Morgan etwa gehen zwar davon aus, dass sich deren Gewinnwachstum 2010 auf rund sechs Prozent halbieren wird, sprechen ansonsten aber von einem sich verbessernden Langfrist-Ausblick für die europäischen Pharmabranche. Die Rating-Agentur Standard & Poor?s sieht die Branche in einer guten Ausgangsposition, um von Fortschritten in der Produktentwicklung und einer verstärkten Präsenz in den Schwellenmärkten zu profitieren. Moody?s und Fitch blieben zuletzt zwar bei einem negativen Ausblick für den Sektor, gehen aber davon aus, dass operative Gewinne und Cash-Flows vorerst weiter zulegen.

US-Konzerne müssen Ablauf wichtiger Patente bewältigen

Dabei hat sich an der Grundkonstellation im Pharmasektor in den vergangenen Monaten relativ wenig verändert. Nach wie vor bildet der bevorstehende Ablauf wichtiger Patente eine gravierende Herausforderung, insbesondere für eine Reihe großer US-Konzerne. So verlieren bei Bristol-Myers Squibb und Lilly allein bis Ende 2011 Produkte den Patentschutz, die derzeit noch rund ein Drittel zum Umsatz beitragen, bei Pfizer liegt der Anteil bei etwa 26 Prozent. Unter anderem muss der Branchenführer ab 2011 mit Generikakonkurrenz für das derzeit umsatzstärkste Medikament, den Cholesterinsenker Lipitor, rechnen. In Europa sind in den nächsten Jahren vor allem Glaxo-Smithkline und Sanofi-Aventis von dem Problem betroffen, wenn auch nicht so stark wie ihre US-Konkurrenten. Novartis muss ab 2012 den Ablauf beim umsatzstarken Herzmittel Diovan verkraften.

Das bevorstehende "Patent-Cliff" erschien noch bedrohlicher, weil die Branche in den letzten Jahren nicht gerade mit hoher Produktivität bei der Neuentwicklung von Medikamenten glänzte und zudem eine Reihe bereits zugelassener Produkte wegen Sicherheitsbedenken unter die Räder kam.

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