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25.12.2011

13:01 Uhr

Ausblick

Audi sieht Oberklasse-Segment wachsen

Beim Autobauer Audi ist von Konjunkturpessimismus nichts zu spüren. Im Gegenteil: Insbesondere bei Nobelwagen erwartet Unternehmenschef Stadler ein kräftiges Plus. Reiche Kunden in China schieben die Nachfrage an.

Audi-Chef Rupert Stadler präsentiert auf der Tokyo Motor Show den A1 1.4T. dpa

Audi-Chef Rupert Stadler präsentiert auf der Tokyo Motor Show den A1 1.4T.

Mercedes BisWas das neue Jahr auch bringen mag an Krisen oder Konjunkturwellen, die deutschen Oberklasse-Autobauer fühlen sich fein raus: „Die Startvoraussetzungen sind für 2012 sicherlich schwierigere als 2011. Deswegen muss man nicht in Pessimismus verfallen“, sagte Audi -Chef Rupert Stadler der Nachrichtenagentur Reuters.

Wegen des enormen Mobilitätshungers in vielen aufstrebenden Ländern der Welt werde die Autoindustrie in den nächsten zehn Jahren weiter zulegen. „Gerade im Premiumbereich haben wir vielleicht sogar bessere Chancen zu wachsen, weil in Märkten wie China mit 800.000 Dollar-Millionären Vermögensstrukturen entstehen, die das Premiumgeschäft unterstützen.“ Ähnlich sehen dies Stadlers Kollegen von der Konkurrenz.

Auch die Nobelhersteller Daimler und BMW wollen sich vom Konjunkturpessimismus nicht anstecken lassen, zumal die Oberklasse-Autobauer zuletzt stets mit höheren Verkaufszahlen glänzten. Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte sich unlängst gegen Schwarzmalerei verwahrt: „Ich halte es für falsch, sich in einem potenziellen Krisenszenario zu baden und in allen Details zu diskutieren, was wäre wenn.“

Doch die Sorgen in der Branche wachsen, denn Autokäufer sind konjunkturempfindlich und lassen sich von Rezessionsängsten verunsichern. In den Schuldenstaaten Südeuropas können oder wollen sich viele Menschen keine Neuwagen mehr leisten, was vor allem Hersteller günstigerer Klein- und Mittelklasseautos wie Opel, PSA Peugeot Citroen, Renault oder Fiat zu spüren bekommen. Die Premium-Autobauer können sich dagegen dem Nachfragerückgang bislang entziehen, vor allem weil in den weltgrößten Pkw-Märkten China und USA der Run auf teure Limousinen und Geländewagen ungebrochen ist.

Dass das Wachstum in China sich verlangsamt, macht Audi-Chef Stadler nach dessen Worten keine Sorgen, auch wenn die Ingolstädter dort so viele Autos verkaufen wie in keinem anderen Land der Welt. „Jedes Jahr 40, 50, 60 Prozent sollte man planerisch nicht unterstellen. Ein Perpetuum mobile gibt es auch dort nicht.“

Im Reich der Mitte fielen die Wachstumsraten seit Jahresbeginn 2011 niedriger aus als die sagenhaften Werte der Vergangenheit, weil die Vergleichswerte aus dem Boomjahr 2010 hoch sind, staatliche Prämienprogramme zu Ende gingen und Regionalregierungen zudem mit Zulassungsbeschränkungen versuchen, des Verkehrschaos' Herr zu werden. Stadler rechnet im gesamten Automarkt in China mit einem Plus zwischen acht und neun Prozent, im Premiumsegment von 20 bis 30 Prozent. Davon dürfte Audi besonders profitieren, denn die VW -Tochter liegt dort weit vor BMW und Mercedes.

In den USA - mit rund zwei Millionen verkauften Nobelwagen der größte Oberklasse-Automarkt der Welt - zockeln die Ingolstädter dagegen hinterher. Dort schickt sich BMW gerade an, Mercedes vom Thron zu stoßen. „Wir sind immer noch optimistisch für den US-Premiummarkt“, sagte BMW-Chef Norbert Reithofer vergangene Woche.

Die Autobauer setzen darauf, dass die amerikanischen Kunden trotz des staatlichen Schuldenbergs zuversichtlich bleiben und ihnen die Regierung im Wahljahr das Leben versüßt. Stadler sagte, auch in den USA strebe Audi eine Spitzenposition an. Kräftigen Schub erhofft er sich vom Start der eigenen Produktion in Nordamerika, der für 2015 geplant ist. Wo das Werk stehen soll, ist noch offen. Der Audi-Chef ließ aber Sympathien für Mexiko erkennen, weil man dort flexibler sei und niedrigere Lohnkosten habe. Sich bei Konzernmutter VW in den USA in Chattanooga anzudocken, „ist sicherlich bei den Investitionen etwas schlanker, attraktiver“, bringe aber hohe Zollkosten bei der Ausfuhr der Autos mit sich.

Keine Ambitionen auf VW-Spitze

Weitere Chancen für Oberklasse-Hersteller sieht der Audi-Chef in der Vernetzung von Fahrzeugen mit Kommunikationstechnik, etwa bei der Parkplatzsuche, der Navigation, bei der Internetnutzung im Auto oder künftig vielleicht auch beim teil-autonomen Fahren, bei dem der Wagen bei niedrigem Tempo selbst steuert. „Der Mensch möchte ab und an ein bisschen abgekapselt sein und Zeit für sich haben. Wir werden ihm diese Zeit, die er im Auto verbringt, auch wenn er mal im Stau steht, als sehr werthaltig und wertvoll gestalten müssen.“

Bei allen Entwicklungsmöglichkeiten hat Stadler ein Ziel fest im Blick, wie er seit Jahren unablässig betont. Audi habe „ganz klar“ den Anspruch, „bis 2015 führende Premiummarke Nummer 1“ zu werden. Den Oberklasse-Thron besetzt derzeit, gemessen an den Verkaufszahlen, BMW und will ihn nicht kampflos räumen. Audi, lange auf Platz drei und gerade an Mercedes vorbeigezogen, nimmt jetzt die Münchner ins Visier. Aber auch die Stuttgarter schielen wieder stärker auf den ersten Platz, den sie früher fast selbstverständlich innehatten.

Ins Rennen um die Weltmarktkrone, die Konzernmutter VW bis 2018 ergattern will, möchte Stadler nicht direkt einsteigen. Auf die Frage, ob er sich, falls Audi die Führungsposition erreicht, für den VW-Vorstandsvorsitz empfehle, antwortete er: „Nö, weil ich ja vorhabe, bis 2020 der führende Premiumanbieter zu bleiben. Das wird noch härteres Brot.

Von

rtr

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