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04.09.2012

17:53 Uhr

Ausblick bis 2013

Airbus rechnet mit Verdoppelung der Flotten

Airbus will in den nächsten 20 Jahren tausende neue Flugzeuge verkaufen - vor allem in Asien. Dort sehen die Zukunftsforscher der EADS-Tochter die größten Wachstumschancen.

Ein Mitarbeiter schraubt am Flügel eines Airbus in der A320-Endmontagehalle auf dem Werksgelände von Airbus in Hamburg-Finkenwerder. dpa

Ein Mitarbeiter schraubt am Flügel eines Airbus in der A320-Endmontagehalle auf dem Werksgelände von Airbus in Hamburg-Finkenwerder.

LondonDer europäische Flugzeugbauer Airbus rechnet damit, dass sich die Größe der weltweiten Flugzeugflotte binnen 20 Jahren verdoppeln wird. Bis zum Jahr 2031 werde die Zahl der Passagierflugzeuge voraussichtlich von derzeit rund 15.500 auf 32.550 ansteigen, heißt es in einer am Dienstag von Airbus in London veröffentlichten Prognose. Die Zahl der Transportmaschinen werde im gleichen Zeitraum von 1600 auf 3000 anwachsen. In seiner Prognose bezieht sich Airbus nicht nur auf die eigenen Verkaufserwartungen, sondern den gesamten Flugzeugmarkt.

Bis 2031 würden voraussichtlich 28.200 Flugzeuge - davon rund 27.350 Passagiermaschinen - für einen Wert von fast vier Billionen Dollar (3,2 Billionen Euro) verkauft, schätzt Airbus. Die Fluggesellschaften würden binnen 20 Jahren insgesamt 10.350 alte Maschinen gegen neuere Flugzeuge austauschen, die weniger Treibstoff verbrauchen. Ähnliche Zahlen hatte Airbus bereits im vergangenen Jahr präsentiert, die diesjährige Prognose fällt aber für die Flugzeugbauer etwas optimistischer aus.

Airbus setzt vor allem auf eine rasant steigende Nachfrage in den Schwellenländern und insbesondere in Asien, auch im Zuge der zunehmenden Urbanisierung und des Anwachsens der Mittelschicht. China und Indien sind laut den Zukunftsforschern von Airbus die Länder, in denen die Wachstumsmärkte der Zukunft liegen. Nach deren Berechnungen wird die Zahl der Flugpassagiere dort bis 2031 um den Faktor 4,6 steigen. Also wird ein Großteil der 28.000 Passagier- und Frachtmaschinen, die in den nächsten 20 Jahren gebraucht werden, in diese Region gehen.

Dass sein Unternehmen von dieser Entwicklung massiv profitieren wird, steht für Airbus-Vorstand John Leahy außer Frage. Man könne die Frage stellen, ob sich die großen Flugzeughersteller Airbus und Boeing den Markt im Osten zu jeweils 50 Prozent teilen - oder ob das Rennen um den Verkauf von Flugzeugen in Asien 60:40 für Airbus ausgeht, sagte Leahy mit stolzgeschwellter Brust. Airbus hatte seine Prognose für den weltweiten Verkehr im Vergleich zum Vorjahr sogar noch leicht angehoben.

In den nächsten Jahren sei jedenfalls keine Konkurrenz aus der Region in Sicht - was allerdings nicht für alle Zeiten gelte. „In 20 Jahren werden wir einen ernstzunehmenden Konkurrenten aus China haben“, prognostizierte Leahy. Sechs Milliarden der sieben Milliarden Menschen auf der Erde leben nicht in Europa, Nordamerika oder Japan, rechnete Leahy vor.

Während in Europa jeder Einwohner dreimal jährlich im Flugzeug sitze, komme in China nur ein Flug auf fünf Einwohner, in Indien gar ein Flug auf 20 Einwohner. Die Mittelklasse in den bisher noch armen Ländern des Ostens wird wachsen, mehr Menschen werden in die aus dem Boden gestampften Megacitys ziehen, so die Erwartung.

Im Kampf gegen den Wettbewerber Boeing war Airbus bereits vor wenigen Tagen in der Region ein Achtungserfolg gelungen. Die philippinische Fluglinie PAL orderte bei Airbus 54 Maschinen im Wert von 7 Milliarden US-Dollar (5,6 Mrd Euro). Boeing hatte seine Prognose bereits im Juli vorgelegt - und war auf ähnliche Ergebnisse gekommen.

In China, wo Airbus bereits ein Werk betreibt, hatte die EADS-Tochter Medienberichten zufolge auf den Abschluss eines Auftrages im Wert von 9 Milliarden Dollar über 100 Mittelstreckenflugzeuge gehofft. Immerhin 50 im Wert von 3,5 Milliarden Dollar sind es dann geworden. Außerdem wurde aus Anlass eines Besuches von Bundeskanzlerin Angela Merkel die Fortsetzung der Endmontage in dem Werk in Tianjin besiegelt.

Nicht nur das zeigt, wie stark vermint das Gelände in China auch für die westlichen Hauptdarsteller in der Wachstumsbranche Luftverkehr ist. Derzeit tobt der Streit über Kohlendioxid-Zertifikate. Die EU fordert diese von asiatischen Fluggesellschaften, wenn diese mit ihren Maschinen in EU-Ländern landen und wieder starten. Die Asiaten empfinden das als europäischen Alleingang - und wollen höchstens für den vergleichsweise kurzen Streckenanteil innerhalb der EU zahlen.

Dabei beteuert Airbus, trotz immer mehr Flugzeugen am Himmel auch immer grüner zu werden. In den vergangenen zehn Jahren sei der Luftverkehr weltweit um 53 Prozent gestiegen, die dafür benötigte Menge an Treibstoff aber nur um drei Prozent. Leahy führt dies auf effizientere Flugzeuge wie den neuen Airbus 320 neo zurück. Konkurrent Boeing hat als Spritsparer etwa die 737 max am Start. Und auch bei den Treibstoffen wird im Kampf gegen den steigenden Ölpreis immer weiter experimentiert - unter anderem mit Kerosin aus Algen. „Der grüne Schleim brennt gut, wir setzen darauf große Hoffnungen“, sagte Leahy.


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