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08.01.2007

11:43 Uhr

Ausländische Käufer erwünscht

Japan erleichtert Fusionen

VonFinn Mayer-Kuckuk

Die Regierung in Tokio öffnet ab Mai das Land für Firmenkäufer aus dem Ausland. Während Premier Shinzo Abe Japan attraktiver für Investoren machen möchte, versucht der Industrieverband Keidanren einheimische Unternehmen vor Übernahmen von außen zu schützen.

TOKIO. Japans Regierung plant, Fusionen und Übernahmen durch Ausländer zu vereinfachen. Bisher ist es jedoch unter japanischen Politikern, Finanzexperten und Unternehmern umstritten, ob die neuen Gesetze weit genug gehen – oder ob sie nicht sogar schon zu weit gehen.

Zu den Streitpunkten zählen die Zulassung von Unternehmenskäufen über Tochtergesellschaften sowie deren steuerliche Behandlung. Ab Mai 2007 können Auslandsunternehmen ihre oft größere Marktkapitalisierung ausspielen, wenn sie sich japanische Konkurrenten einverleiben wollen. Dann treten Regeln in Kraft, die beim Kauf über eine japanische Tochter des Ausländers einen Aktientausch mit der Mutter ermöglichen.

Optimistisch mit Blick auf die neuen Geschäftsaussichten gibt sich die Deutsche Bank: „Das wird der Katalysator für mehr Übernahmen sein“, glaubt Kohei Yuki, Leiter Firmenkunden bei der Deutschen Securities Japan. Die Neuregelung werde dazu beitragen, den japanischen Markt für Übernahmen in Schwung zu bringen.

Der japanische Marktführer im Geschäft mit Übernahmen, die Firmenkundensparte der Nomura-Finanzgruppe, ist dagegen eher skeptisch. „Wir glauben nicht, dass die Änderung der Unternehmensgesetzes nennenswerte Auswirkungen haben wir“, sagt Yoshiyuki Numano von Nomura in London. Übernahmen via Tochtergesellschaften seien schwierig und eher selten. Nomura erwartet keinen Ansturm ausländischer Investoren.

Die Branche nennt das neue Modell „Triangular Mergers“. Hierbei erwirbt ein Unternehmen sein Kaufobjekt nicht direkt. Stattdessen tauscht eine Tochtergesellschaft des Käufers mit dem zu kaufenden Unternehmen Aktien um zu verschmelzen. Danach gliedert der neue Besitzer die fusionierte Gesellschaft wieder ein. Bis Mai sind solche Transaktionen rein japanischen Firmen vorbehalten.

Die Initiativen des neuen Premiers Shinzo Abe, Japan attraktiver für Ausländer zu machen, stößt auf Widerstand des Industrieverbands Keidanren. Die Lobbyisten setzen derzeit alle Hebel in Bewegung, um japanische Spieler vor Übernahmen von außen zu schützen. Sie fürchten einen Ausverkauf unterbewerteter japanischer Gesellschaften. Experten sind sich jedoch einig, dass Japans Unternehmer diese Gefahr überschätzen. Fusionen durch Aktientausch sind nur mit Zustimmung des Übernahmekandidaten möglich.

Nach bisherigen Stand der japanischen Gesetzespläne wären die Transaktionen sogar steuerbegünstigt. Kapitalmarktgewinne des gekauften Unternehmens aus den erhaltenen Aktien des Käufers sollen von der Steuer befreit sein. Im Fiskalausschuss der Regierungspartei LDP wird hart diskutiert, ob die Steuerbegünstigung auf Spezialfälle beschränkt werden soll.

Die Politiker befürchten, dass japanische Unternehmen Scheinfirmen im Ausland gründen, die die Ursprungsfirma steuergünstig übernehmen. Auch Briefkastentöchter ausländischer Firmen sollen – nach Ansicht von Ausschussmitgliedern – nicht in den Genuss der Steuererleichterung kommen. Profiteure der Änderung sind die Banken durch mehr Übernahmen: „Tiefgreifende Gesetzesänderungen bieten immer Chancen für Investmentbanken“, sagt Analyst Shinichi Ina von der Credit Suisse Japan.

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