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29.01.2007

10:31 Uhr

Ausrichtung kommt gut an

Siemens-Chef begeistert Analysten

VonJoachim Hofer

Trotz der anhaltenden Hiobsbotschaften für Siemens begeistert Chef Klaus Kleinfeld mit mutigen Ideen. Von Kleinfelds Plänen können dabei besonders die Aktionäre profitieren: Die weitreichenden Umstrukturierungsmaßnahmen zahlen sich aus.

MÜNCHEN. Korruptionsaffäre hin, EU-Kartellstrafe her: Das forsche Vorgehen von Siemens-Chef Klaus Kleinfeld lässt die Skandale der vergangenen Monate verblassen. Die Analysten sind begeistert über den neuen, noch stärker als bisher an Rendite und Wachstum ausgerichteten Kurs des Münchener Traditionsunternehmens.

„Siemens überlegt sich jetzt genauer, wo das Geld hinfließt. Der Konzern investiert mehr in Bereiche wie Medizintechnik oder Automatisierung, die höhere Margen erzielen“, urteilen die Experten von Merck Finck. Die amerikanische Citigroup sieht das ähnlich: „Der Vorstand hat eindeutig bewiesen, dass er das Aktionärsvermögen steigern möchte.“

Siemens hat am vergangenen Donnerstag angekündigt, seine Autozuliefersparte VDO an die Börse zu bringen. Allerdings will Siemens die Führung des Bereichs nicht abgeben. Mit den Milliarden aus der Emission will der Technologiekonzern hoch profitable Wachstumsbereiche wie die Automatisierungssparte (A&D) stärken. Zum Vergleich: Im abgelaufenen Quartal fuhr VDO eine Marge von sechs Prozent ein. A&D hingegen erreichte mehr als 13 Prozent.

Als ob er die Gewichtsverlagerung im Konzern noch verdeutlichen wollte, hat Siemens-Chef Kleinfeld auch den Kauf des Software-Unternehmens UGS für 3,5 Mrd. Dollar bekannt gegeben. UGS entwickelt Programme, mit denen sich komplexe Anlagen, wie sie A&D baut, planen und simulieren lassen.

Die Analysten von JP Morgan gehen davon aus, dass der Umbau von Siemens damit noch lange nicht vorbei ist. „Wir sind überzeugt, dass Siemens sich ganz aus VDO zurückziehen sollte.“

Kleinfeld hat sich seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren schon von einigen Bereichen getrennt. So bringt er die Telekommunikation momentan in ein Gemeinschaftsunternehmen mit der finnischen Nokia ein. Die verlustreiche Handysparte ging an BenQ, ist inzwischen aber pleite. Und den Logistikbereich hat Kleinfeld komplett zerschlagen. Geblieben ist hingegen SBS. Die Neuorganisation des langjährigen Sorgenkinds wird von den Analysten begrüßt. Siemens hat den über Jahre zum Teil hoch defizitären IT-Dienstleister saniert und mit einigen Auslandstöchtern des Konzerns verschmolzen.

„Die haben jetzt gute Startvoraussetzungen“, sagt Tobias Ortwein vom IT-Beratungshaus PAC. Durch die Neustrukturierung wächst nicht nur das Produktportfolio des jetzt SIS genannten Bereichs. Die Sparte hat nun auch viele Mitarbeiter in Niedriglohnstandorten in Osteuropa und Asien. „Das bietet SIS ganz andere Möglichkeiten als bisher“, sagt Ortwein.

Angesichts guter Quartalszahlen und ebenso positiver Aussichten für die nächste Zeit haben zum Wochenende hin zahlreiche Banken ihr Kursziel für die Siemens-Aktie angehoben. So rechnet Merck Finck jetzt mit einem Kursanstieg im nächsten halben Jahr von rund 15 Prozent auf 93 Euro. Die Citigroup prognostiziert sogar 95 Euro.

Ganz außer Acht lassen die Banker die Affäre um schwarze Kassen allerdings nicht. Die Ermittlungen im Zuge des Korruptionsskandal seien das „größte Risiko“ für eine gute Entwicklung der Aktie, sind die Experten von JP Morgan überzeugt.

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