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02.03.2014

17:36 Uhr

Ausschluss von Staatsaufträgen

Siemens wehrt sich gegen Urteil in Brasilien

Siemens geht gehen eine Entscheidung eines brasilianischen Gerichts vor: Derzeit darf sich der Industriekonzern mit Sitz in Erlangen für keine Staatsaufträge mehr bewerben. Grund des Verbots: Frühere Korruptionsvorwürfe.

Fürs erste darf der Industriekonzern Siemens in Brasilien an keinen öffentlichen Ausschreibungen mehr teilnehmen. dpa

Fürs erste darf der Industriekonzern Siemens in Brasilien an keinen öffentlichen Ausschreibungen mehr teilnehmen.

MünchenSiemens geht gegen einen seit kurzem geltenden Ausschluss von öffentlichen Aufträgen in Brasilien rechtlich vor. Der Industriekonzern habe jetzt wie bereits angekündigt Rechtsmittel gegen eine Gerichtsentscheidung, wonach Siemens ab sofort keine Staatsaufträge mehr erhalten darf, eingelegt, sagte ein Sprecher des Unternehmens am Sonntag und bestätigte damit einen Bericht der Zeitung „Estado de S. Paulo“.

Ein brasilianisches Gericht hatte Ende Januar entschieden, dass der im August 2013 beschlossene Ausschluss von öffentlichen Aufträgen jetzt rechtswirksam wird. Siemens darf damit vorerst für fünf Jahre erst einmal keine Aufträge des Staates erhalten beziehungsweise gar nicht an den Ausschreibungen teilnehmen.

Stärken und Schwächen von Siemens

Stärke 1

Dividendenstärke

Seit einigen Jahren gilt bei Siemens das Ziel, einen Anteil von 40 bis 60 Prozent des Gewinns nach Steuern auszuschütten, deutlich mehr als früher. Für 2013 gab es wieder eine Dividende auf dem Rekordniveau von drei Euro. Dies entspricht einer Ausschüttungsquote von 57 Prozent.

Stärke 2

Aufträge

Der Auftragseingang, also die Umsätze von morgen, legte im abgelaufenen Geschäftsjahr um acht Prozent auf 82,4 Milliarden Euro zu.

Stärke 3

Ertragsperlen

Die Medizintechnik, der kleinste der vier Siemens-Sektoren, glänzte im vergangenen Geschäftsjahr nicht nur mit der höchsten operativen Umsatzrendite. Auch in absoluten Zahlen lieferte die Medizintechnik mit einem operativen Ergebnis (Ebitda) von zwei Milliarden Euro den höchsten Gewinnbeitrag.

Schwäche 1

Abhängigkeit von Europa

Was in Boomzeiten ein Vorteil ist, wird zum Nachteil, wenn die Konjunktur lahmt – die starke Position von Siemens in Europa. In Südeuropa etwa können die Schuldenstaaten derzeit nur noch wenige große Infrastrukturprojekte anstoßen. Das bekommt auch Siemens zu spüren.

Schwäche 2

Fehlende Innovationskraft

Es gibt Zweifel an der Innovationskraft von Siemens – trotz 60.000 neuen Patenten im Jahr. Denn der Konzern erzielte zuletzt mit seinen Geschäften nur eine Bruttomarge von 27,4 Prozent. Nach Einschätzung von Konzernchef Joe Kaeser ist dies ein Anzeichen dafür, dass Siemens mit seinen Produkten nicht die Preise erzielen kann, die man gerne hätte. Die Produkte sind womöglich nicht immer innovativ genug.

Schwäche 3

Sonderlasten

Vor allem schlecht gemanagte Großprojekte verhageln dem Konzern seit Jahrzehnten die Ergebnisse. 2013 war es besonders arg. Die anhaltenden Probleme bei der Anbindung der Offshore-Windparks an das Stromnetz auf dem Festland, die verspätete Auslieferung von ICE-Zügen, der Ausstieg aus dem Solargeschäft und andere Pannen verursachten im Konzern fast 900 Millionen Euro an Sonderaufwendungen.

Die Gründe für diesen Schritt liegen lange zurück und gehen auf Korruptionsvorwürfe bei Ausschreibungen der brasilianischen Post und Telekom in den Jahren 1999 bis 2005 zurück. Siemens hatte von 2010 an mit der Regierung über die Folgen verhandelt. Im August 2013 hatte dann ein Gericht entschieden, dass Siemens für die Dauer von fünf Jahren von der Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen und dem Abschluss von Verträgen mit staatlichen Auftraggebern in Brasilien ausgeschlossen wird. Bisher war dieser Beschluss wegen des Widerspruchs von Siemens nicht wirksam.

Siemens kämpfte in Brasilien zuletzt mit einer Reihe von Problemen. Der Umsatz sank in den vergangenen Jahren auf zuletzt leicht auf 1,95 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2012/2013 - das Land steuerte damit rund 2,5 Prozent zum Gesamtumsatz des Konzerns bei. Der Anteil von Aufträgen der öffentlichen Hand lag dabei nach Angaben des Sprechers im einstelligen Prozentbereich - also deutlich weniger als 200 Millionen Euro.


Von

dpa

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